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Eichstätter müssten in der Regionalliga Bayern drei Juniorenmannschaften nachweisen

3000 Euro Strafe für den VfB

Eichstätt
erstellt am 17.07.2017 um 15:57 Uhr
aktualisiert am 01.08.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Für den Spielbetrieb in der Regionalliga Bayern braucht man neben talentierten Fußballern vor allem eines: Geld, Geld und nochmals Geld. Weil der Liga-Neuling VfB Eichstätt keine eigene U19- und U17-Mannschaft für den Wettspielbetrieb gemeldet hat, muss er nun 3000 Euro zahlen.
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27.05.2017 - JFG Region Eichstätt - TSV Rohrbach
Zählt die JFG zum VfB Eichstätt – oder nicht? Der Bayerische Fußballverband erkennt die JFG (rechts Thomas Gehr) nicht als eigenständige Mannschaft der Eichstätter an, weshalb der VfB zur Kasse gebeten wird.
Traub
Eichstätt

Die vierthöchste Spielklasse Deutschlands stellt die Vereine vor große Herausforderungen. Eine ganze Reihe an Auflagen und Vorgaben müssen erfüllt werden. Trotz sportlicher Qualifikation wird wegen unüberwindbarer Hürden oftmals auf den Aufstieg verzichtet, wie das jüngste Beispiel des SV Pullach, Meister in der Bayernliga Süd, zeigte. Der SVP hat keine geeignete Sportstätte. Statt in der Regionalliga spielen die Pullacher also weiterhin in der Bayernliga.

Dem Nord-Meister VfB Eichstätt dagegen ist es gelungen, das Liqui Moly-Stadion mit viel Herzblut und Eigenleistung regionalliga-tauglich herzurichten (wir berichteten). Dennoch sind nicht alle Vorgaben des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) erfüllt. Paragraph 20 Absatz 1 Nummer 1.3 der Spielordnung schreibt nämlich vor, dass Vereine, die zum Herren-Verbandsspielbetrieb in der Regionalliga Bayern zugelassen werden wollen, zugleich mindestens drei, davon mindestens je eine eigenständige A- und B-Juniorenmannschaft melden müssen. G- bis E-Junioren-Mannschaften sind nicht anrechenbar. Andernfalls werden die Vereine sanktioniert.

 

Kapff, Von Gerhard, Ingolstadt
Eichstätt

„Entscheidend ist das Wort eigenständig“, sagt VfB-Vorsitzender Thomas Hein (kleines Foto). Denn der VfB Eichstätt hat zwar seit jeher Jugendmannschaften im Spielbetrieb, allerdings laufen diese seit 2008 unter dem Namen „JFG Region Eichstätt“. Zur JFG gehören seit der Gründung neben dem VfB die DJK Eichstätt und Türk Gücü Eichstätt, 2010 kam die DJK Preith hinzu und 2012 schloss sich die DJK Pietenfeld an.

„Es werden demnächst Gespräche mit allen Beteiligten stattfinden“, sagt Dominik Pfuhler, Sportlicher Leiter und Trainer der U19 der JFG. Dabei sind mehrere Szenarien denkbar: von der Ausgliederung des VfB Eichstätt bis hin zum Umschreiben der Pässe. „Wie es weitergeht, entscheiden aber nicht wir alleine, sondern alle vier Stammvereine gemeinsam“, betont Hein.

Eine einvernehmliche Lösung im Sinne des VfB wäre jedoch erstrebenswert, da die Strafen nicht unerheblich sind: im ersten Jahr werden 3000 Euro fällig, im zweiten Jahr wären es 6000 Euro und im dritten Jahr müsste man 12000 Euro berappen – immer unter der Voraussetzung, dass die Domstädter dann noch in der Regionalliga spielen. „Die Jahresfrist läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni des folgenden Jahres. Heuer wird der VfB die Auflagen kaum mehr erfüllen können“, sagt Verbandsspielleiter Josef Janker und stellt klar: „Die Strafe wird erhoben und ist auch zu zahlen.“ Inwieweit der BFV dem VfB Eichstätt danach entgegenkommt, werden die Gespräche zeigen. Hein jedenfalls hat schon einen Brief an den Verband geschrieben, mit der Intention, eine Sondergenehmigung für die erste Saison zu erhalten. Jankers Worten zufolge ist eine Ermäßigung nicht ausgeschlossen. „Der Verein muss ein Konzept vorlegen und aufzeigen, wie es weitergeht. Dann werden wir vielleicht einen Konsens finden“, sagt er.

Auf die Frage, ob die Strafe bei Nichterfüllen der Auflage heutzutage aufgrund des demographischen Wandels, wo immer mehr Spiel- oder Juniorenfördergemeinschaften aus dem Boden sprießen, noch zeitgemäß ist, sagte Janker: „Wo fangen wir an, und wo hören wir auf. Aber in der vierten Liga sollte ein Verein schon in die eigene Jugendarbeit investieren.“

Der VfB ist kein Einzelfall. Dem SV Seligenporten wurde zur Saison 2014/15 die Höchststrafe angedroht, nachdem er zuvor schon 9000 Euro für die ersten beiden Jahre ohne eigenständige Juniorenmannschaft an den Verband hatte zahlen müssen. Fieberhaft suchten die Verantwortlichen nach einer Lösung. Schließlich wurde die seit 25 Jahren bestehende Spielgemeinschaft mit Pyrbaum aufgelöst und eine eigene U19-Juniorenmannschaft gemeldet. Um eine U17 zu haben, ging man kurzerhand eine Kooperation mit dem STV Deutenbach ein: Deren B-Jugend wurde einfach zur B-Jugend des SV Seligenporten – und das, obwohl beide Vereine rund 40 Kilometer einfache Fahrstrecke trennen.

Kommentar


Ohne Jugend keine Zukunft. Gerade im Sport ist dieser Grundsatz lebenserhaltend; und das nicht nur für den Verein, sondern vor allem auch für die einzelnen Sportarten. Daher ist die Linie des Bayerischen Fußballverbandes, nach der Regionalligateams mindestens drei eigenständige Juniorenteams nachweisen müssen, absolut nachvollziehbar. Wer das nicht kann, muss Strafzahlungen akzeptieren. Auch das ist richtig: Wer sich die Nachwuchsarbeit spart und von diesem Geld lieber von anderen Vereinen fertig ausgebildete Spieler kauft, soll als Ausgleich zumindest zahlen. 

Problematisch wird es aber, wenn ein Verein wie der VfB Eichstätt seit neun Jahren Nachwuchsarbeit in Zusammenarbeit mit einer JFG betreibt, die daraus entstandenen Mannschaften aber vom BFV nicht anerkannt werden, da sie nicht "eigenständig" sind. Doch selbst das wäre zu akzeptieren, wenn es nicht Fälle wie den des SV Seligenporten gäbe. Der stand vor einem ähnlichen Problem. Um weitere Strafzahlungen zu vermeiden, wurden die B-Junioren des 40 Kilometer entfernten STV Deutenbach "umfirmiert", sie laufen künftig als Seligenporten auf. Eine Vorgehensweise, die - falls sie vom Verband akzeptiert wird - die bisherige Regelung in den Bereich des Absurden rückt und im schlimmsten Fall einen Handel mit Nachwuchsmannschaften in Gang setzen könnte. Denn grundsätzlich spräche in diesem Fall nichts dagegen, wenn beispielsweise die A- und B-Junioren des von Eichstätt ebenfalls gut 40 Kilometer entfernten TSV Wolnzach künftig als VfB Eichstätt spielen würden - gegen eine gewisse Zahlung, versteht sich. Es sei denn, die Wolnzacher spielen nicht ohnehin längst schon als Junioren eines ganz anderen Regionalliga-Teams.

Was bleibt ist eine grundsätzlich gute Regelung, die dem Fußball helfen sollte. Da sie nun allerdings in die Nähe des Paradoxen gerückt wurde, muss sie schnellstmöglich überarbeitet werden. Bis dahin ist aber auch die Strafzahlung für den VfB Eichstätt nicht mehr nachvollziehbar. 

Gerhard von Kapff
 

TICKETVERKAUF

Eichstätt (EK) Eintrittskarten für die Regionalliga-Heimspiele des VfB Eichstätt gibt es ab sofort auch in den Geschäftstellen des DONAUKURIER und seiner Heimatzeitungen. Dazu gehört auch das nächste Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Augsburg am 4. August. Die Partie, die ursprünglich in Augsburg hätte stattfinden sollen, wurde gedreht.

Dengler
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