Der Nichtangriffspakt von Gijón

Auch die algerischen Fans witterten eine Verschwörung. Denn ihr Team schied wegen des Nichtangriffspaktes zwischen Deutschland und Österreich aus der WM aus.
Wolfgang Weihs (dpa)
Ingolstadt
Der 25. Juni 1982 und das Spiel zwischen Deutschland und Österreich warf für viele Jahre einen großen Schatten auf das Ansehen der beiden Fußball-Nationen. Was war passiert? Die Nachbarländer trafen im letzten Gruppenspiel der WM im spanischen Gijón aufeinander. Zum Hintergrund: Zu diesem Zeitpunkt wurden die letzten Gruppenspiele noch nicht parallel ausgetragen. 

Zwo, drei...null Risiko!

Nach dem 1:0 für Deutschland durch Horst Hrubesch war klar, dass dieses Ergebnis beiden Teams zum Weiterkommen reichen würde. Genauso spielten die beiden Teams auch. Langsam schoben sie sich den Ball hin und her. Weder Deutschland noch Österreich gingen auch nur ein Fünkchen Risiko ein. Der deutsche Abwehrchef Karlheinz Förster brachte es nach der Partie auf den Punkt: "Das Spiel konnte man Mitte der zweiten Halbzeit nicht mehr ansehen. Das war ja ein Nichtangriffspakt." ARD-Kommentator Eberhard Stanjek wurde sogar noch deutlicher: "Eine Schande“.

Die Schande von Gijón

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Im österreichischen Fernsehen appellierte Kommentator Robert Seeger  an die Zuschauer: "Schalten Sie Ihre Fernsehgeräte ab." Auch die neutralen Fans waren sauer: Die 41.000 Zuschauer wedelten mit weißen Tüchern - ein in Spanien üblicher Brauch, seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Immerhin: Ab der WM 1986 wurden die letzten Gruppenspiele parallel ausgetragen. 
 

Diagnose: Zu verbissen

Gleich machts pflatsch: Frank Rijkaard bespuckt Rudi Völler im Achtelfinale der WM 1990 zwischen Deutschland und Holland. Vom Platz flogen nach dieser Aktion aber beide.
Martina Hellmann (dpa)
Ingolstadt
Auf dem Weg zum WM-Titel 1990 räumte die deutsche Mannschaft im Achtelfinale die Niederlande aus dem Weg. Es war auch das Privatduell zwischen Stürmer Rudi Völler und Verteidiger Frank Rijkaard. Die Emotionen kochten hoch und der Niederländer half sich im Getümmel mit einer glitischigen Attacke. Er spuckte Völler in die Haare. Der Schiedsrichter machte kurzen Prozess und stellte beide Streithähne vom Platz. Zumindest der Deutsche wusste nicht so recht, wie ihm geschah. 
 

Blut ist dicker...als der WM-Titel

Materazzi hat Zidanes Schwester im WM-Finale als Prostituierte beleidigt
Der Kopfstoß des französischen Nationalspielers Zinedine Zidane (links) in der Verlängerung des WM-Endspiels Italien gegen Frankreich führte zum Platzverweis für den Franzosen und dessen unrühmliches Karriereende.
WDR-Screenshot
Ingolstadt

Es sollte der goldene Abschluss einer großen Karriere werden. Doch Zinedine Zidane ging 2006 im WM-Finale gegen Italien als Verlierer vom Platz. Im doppelten Sinn. Denn das Elfmeterschießen seiner Franzosen gegen den späteren Weltmeister musste der dreimalige Weltfußballer in der Kabine verfolgen. In der 110. Minute rammte er Marco Materazzi den Kopf gegen die Brust. Der Italiener hatte „Zizous“ Schwester zuvor übel beleidigt. Der französische Spielmacher verlor die Nerven. Und sein Team in Unterzahl das Finale.
 

Einmal italienische Schulter, bitte!

Zugebissen: Luis Suárez nimmt sich die Schulter von Italiens Gorgio Chiellini vor.
ZDF (Screenshot)
Ingolstadt
Der italienische Verteidiger Giorgio Chiellini hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Aber die 79. Minute im Gruppenspiel zwischen Uruguay und Italien bei der WM 2014 in Brasilien wird er sicher nie vergessen. Im Zweikampf biss ihm Uruguays Luis Suárez herzhaft in die Schulter. Ein Screenshot aus der ZDF-Berichterstattung zu dieser Partie zeigt den Moment des Bisses. Weil es noch keinen Videobeweis gab, kam der Angreifer davon. Vorerst. Er wurde nachträglich gesperrt.
 

Scheich überzeugt Schiedsrichter

Stell dir vor, du hast ein Fußballspiel, und dann kommt der Präsident deiner Mannschaft auf den Platz und fordert den Schiedsrichter auf, ein Tor zurückzunehmen. Das wäre schon auf Amateurebene ziemlich skurril. Bei einer WM wirkt es geradezu unglaublich. Doch bei der Partie Frankreich gegen Kuwait am 21. Juni 1982 ist es wirklich passiert. Es läuft die 80. Minute, als die große Stunde von Fahd Al-Ahmad Al-Sabah schlägt. Der Scheich von Kuwait stürmt das Spielfeld, das rot-weiß gemusterte Kopftuch weht in der Luft von Valladolid.

Macht Platz, hier kommt der Scheich

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Für einen Moment ist das Spiel egal, alle Kameras sind auf den Scheich gerichtet. Der bedrängt zusammen mit seinen Spielern den den sowjetischen Schiedsrichter Miroslav Stupar. Das gerade geschossene Tor zum 4:1 sei irregulär gewesen, reklamieren die Kuwaitis, da die Spieler während des Angriffs durch einen Pfiff von den Zuschauerrängen irritiert worden seien. Unglaublich aber wahr: Stupar lässt sich einschüchtern und nimmt das Tor zurück. Auf einmal steht es wieder 3:1. Die Fifa fand das Ganze weniger lustig und setzte Stupar fortan nicht mehr ein. 
 

Oh Schreck, der Pokal ist weg

Die Trophäe ist weg! Der Super-Gau vor einer WM. Man möchte es sich gar nicht vorstellen. Aber der englische Gauner Sidney Cugullere stahl den Pokal im Vorfeld des Turniers 1966 in England von einer Ausstellung, oder wie man es heute nennen würde: PR-Tour. Der "Coupe Jules Rimet", in den 1920er Jahren von einem französischem Bildhauer entworfen und nach dem damaligen Fifa-Präsidenten benannt, war fort. Über die Umstände des Diebstahls war jahrelang nichts bekannt. Die Diebe schwiegen beharrlich.

Tausende Pfund Lösegeld und ein flauschiger Held

Die Lösegeldforderung: satte 15.000 Pfund. Zahlen oder nicht zahlen? Wäre eigentlich die Frage gewesen. Doch der Fall löste sich quasi von selbst. Eine Woche nach dem Diebstahl fand ein Hund namens Pickles beim Gassi-Gehen mit seinem Herrchen den Pokal im Gebüsch, eingewickelt in Papier. Ein neuer englischer Nationalheld war geboren.

Wo ist der WM-Pokal?

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Der Pokal wurde Anfang der 1980er Jahre im brasilianischen Rio erneut geklaut. Und sollte nicht mehr auftauchen. Diebe hatten den "Coupe Jules Rimet" einschmelzen lassen.
 

Ohne Rücksicht auf Verluste, oder: "Ich dachte, er wäre tot"

Die deutsche Nationalmannschaft stand bei der WM 1982 in Spanien ein weiteres Mal in den Schlagzeilen. Genauer gesagt ging es um Keeper Toni Schuhmacher. Dieser hatte im Halbfinale am 8. Juli den Franzosen Patrick Battiston auf übelste Weise gefoult. Schuhmacher war aus seinem Tor gerannt und sprang wenige Meter vor der Strafraumlinie Battiston mit voller Wucht um. Mit voller Absicht. Ohne abzubremsen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Das harte Becken des Torhüters gegen den ungeschützten Kopf des Franzosen. Tut auch 36 Jahre später noch weh.

Schuhmacher räumt Battiston weg

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Schockstarre im Stadion Estadio Ramón-Sánchez-Pizjuán von Sevilla. Ein französischer Betreuer sagte nach der Partie: "Ich dachte, Battiston wäre tot. Ich habe zwei Minuten lang keinen Puls gefühlt!". Bewusstlos lag der Franzose auf dem Rasen. Toni Schumacher verkannte die Siatuation vollkommen. Reue? Fehlanzeige. Sein schäbiger Kommentar: "Mitgefühl braucht er nicht zu erwarten. Das ist das harte Profigeschäft. Dafür zahle ich ihm seine Jacketkronen." Eigentlich schade, dass diese brutale Aktion die Partie überschattet. Denn das 8:7 für Deutschland nach Elfmeterschießen ging als eine der spannendsten Spiele der WM in die Geschichte ein.
 

Drin oder nicht drin? Das ist hier die Frage!

WM 1966 Wembley-Tor
Drin oder nicht drin? Das weiß bis heute niemand so genau. Der Schiedsrichter aus der Schweiz gab das Tor zum 3:2 für England.
dpa
Ingolstadt

Im Finale der WM 1966 in England traf die Gastgeber auf Deutschland. Das packende Duell (am Ende 4:2 für England nach Verlängerung) wog über die komplette Spielzeit hin und her. Und doch - alle Fans und Experten sprechen nur von der 101. Minute. Es steht 2:2, alles ist offen. Geoff Hursts Schuss auf das deutsche Tor prallte von der Unterkannte der Latte ab. Drin oder nicht drin? Bange Blicke beider Teams. Dann entscheidet der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst nach Rücksprache mit dem Linienrichter auf Tor. Es war die Vorentscheidung.

Knick in der Optik

Ausgleich! Dachten alle, doch der Schiedsrichter aus Uruguay erkannte nicht, dass der Ball hinter der Linie war.
Jon Hrusa (EPA)
Ingolstadt

Im WM-Achtelfinale 2010 in Südafrika waren die Engländer drauf und dran, die 2:0-Führung der Deutschen wettzumachen, doch Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay gab ein glasklares Tor von Frank Lampard (38.) nicht. Es wäre der 2:2-Ausgleich gewesen. Am Ende gewann Deutschland 4:1.
 

Und dann war da noch...

Fußball-WM 1986 - Argentinien - England im Aztekenstadion
Diego Maradona überwindet England Peter Shilton zum 1:0. Allerdings mit der Hand. Das Tor zählte trotzdem.
dpa
Ingolstadt

...Diego Maradona. Einer der besten Spieler aller Zeiten hat bei Weltmeisterschaften nicht nur für fußballerische Glanzmomente, sondern auch den ein oder anderen Eklat gesorgt. Das erste Mal unrühmlich aufgefallen ist der Argentinier beim Viertelfinale der WM 1986 in Mexiko. Bei seinem irregulären Tor zum 1:0 nahm er die Hand zu Hilfe. Erst eierte der Star noch herum und sagte: „Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes.“ 2005 gab er sein Vergehen schließlich zu.
 

Hand in Hand mit der Krankenschwester

Maradona war es auch vorbehalten, als erster und bislang einziger Spieler der Geschichte direkt vom Spielfeld zur Dopingkontrolle abgeholt zu werden. Die Vorgeschichte: 1991 war "San Diego" bereits  wegen Kokainmissbrauchs gesperrt worden. Seine Karriere schien zu Ende. Doch er kämpfte sich zurück und wollte bei der WM 1994 in den USA noch einmal ordentlich auftrumpfen. Er speckte ordentlich ab und lieferte traumhafte Partien. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Dachte sich auch die Fifa. Eine Krankenschwester holte Maradona direkt vom Spielfeld ab zur Dopingprobe. Er lächelte. Und rasselte kurz darauf gnadenlos durch die Tests. Man fand diverse Stimulanzien in seinem Blut. Maradona wurde von der WM ausgeschlossen und von der Fifa für 15 Monate gesperrt. Seine Karriere war zu Ende.