Die Zeit der Vorhersagen, Berechnungen, Wetten und Orakel nähert sich ihrem Höhepunkt. Wer holt sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr den Pokal? Kann Deutschland seinen Triumph wiederholen? Schlägt Brasilien zurück? Was machen Spanien, Argentinien und Frankreich?

Die Belohnung für einen großen Kampf: Bastian Schweinsteiger mit dem WM-Pokal nach dem 1:0-Sieg gegen Argentinien.
Die Belohnung für einen großen Kampf: Bastian Schweinsteiger mit dem WM-Pokal nach dem 1:0-Sieg gegen Argentinien.
Gebert/dpa -Archiv
Für die Volkswirte der Deka, dem Wertpapierhaus der Sparkassen, steht der künftige Weltmeister fest - zumindest theoretisch. In der Studie "Die deutsche Fünf-Sterne-Bewegung" prognostizieren die fußballbegeisterten Finanzexperten den Turnierverlauf auf Grundlage volkswirtschaftlicher Analysen.

Aus simulierten 10 Millionen möglichen Turnierverläufen haben sie für die deutsche Nationalmannschaft die zweithöchste Wahrscheinlichkeit für den Titelgewinn ermittelt. "Joachim Löws Mannschaft startet mit guten Chancen auf den Titel", sagt Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Deka. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen der Volkswirtschaftlichen Abteilung hat er sein Augenmerk auf das fußballerische Großereignis 2018 gerichtet. Für die Vorrunde ist das Ergebnis eindeutig: "Machen wir uns nichts vor, die drei Gruppenspiele der deutschen Elf bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland dienen einem Ziel: dem Aufwärmen", sagt Bahr.

Das Endspiel findet am 15. Juli in Moskau statt - und dort trifft Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Brasilianer oder die Franzosen, prognostizieren die Finanzexperten. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg im Endspiel bei den Brasilianern mit 7,7 Prozent am höchsten, Deutschland folgt unmittelbar darauf mit 7,3 Prozent. "Das Modell hat jedoch keine Ahnung von der gerade erst überwundenen Verletzung des brasilianischen Nationalspielers Neymar, daher muss das brasilianische Team ein Aufeinandertreffen mit der deutschen Elf durchaus fürchten", erklärt Volkswirt Bahr. Die geringste Chance aller Turnierteilnehmer auf den Weltmeistertitel habe der Prognose zufolge übrigens Peru.

 Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Deka.
Deka Bank

Seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland begleiten die Deka-Volkswirte alle zwei Jahre die Großereignisse. Doch wie weit stimmen die Prognosen dann letztlich mit den Ergebnissen überein? "Bei der WM 2014 konnte man sehr gut erkennen, wie schwierig dies sein kann. Wir hatten auf eine Halbfinalniederlage gegen die Brasilianer gesetzt und nicht auf den Titelgewinn von Jogis Jungs", erinnert sich Bahr. Doch nach dem historischen 1:7 gegen den späteren Weltmeister Deutschland platzte bekanntlich für die Seleção schon im Halbfinale der Titeltraum.

"Die Prognosen waren gemacht worden, bevor Neymar schwer verletzt wurde und überdies der Kapitän und Abwehrchef sich für das Halbfinale gegen uns mit einem Platzverweis verabschiedet hatte", sagt Bahr. "Also traten wir gegen eine bessere B-Elf der Gastgeber an, was so vor Turnierbeginn nicht unsere Erwartung sein konnte."

Zahlreiche andere Verläufe indes sagten die Volkswirte richtig voraus - immerhin sechs von acht Viertelfinalisten und drei von vier Halbfinalisten. "Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit unserer Prognosequalität", so Bahr. Unterstützung für ihre Analyse kommt aus Frankfurt: "Für die WM in Russland sehen wir tatsächlich den Titelverteidiger Deutschland wieder ganz weit vorn und würden uns über den fünften Stern natürlich freuen. Aber auch Brasilien, Spanien, Argentinien und Frankreich gehören nach unserer Prognose zum Favoritenkreis", sagen Mathematiker der Goethe-Universität Frankfurt auf der Webseite fussballmathe.de, die in Kooperation mit der Stiftung Rechnen betrieben wird.

Doch: Trotz aller Analysen ist "der Einfluss des Zufalls sehr groß, wird aber dennoch fast immer unterschätzt", betonten Volkswirte der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts bereits zur WM 2014. "Glück und Pech treten in ganz unterschiedlichem Gewand auf: in Form von Pfostentreffern, Fehlentscheidungen des Schiedsrichters oder Verletzungen wichtiger Spieler. Nicht selten weitet sich anfängliches Glück oder Pech zum berühmten Momentum aus, das sich jedoch ebenso schnell wieder drehen kann."