Von der WM in Erinnerung bleiben wird die friedliche Begeisterung der Fans – hier feiern die Engländer einen Treffer ihrer „Three Lions“.
Leal-Olivas/AFP

TOPS

 
  • Japan: Die „Blauen Samurai“ waren in jeder Hinsicht ein Vorbild. Sportlich stießen sie bis ins Achtelfinale vor – dank couragierter Auftritte und der Fairplay-Wertung. Nach dem knappen  Aus gegen Belgien – eines der besten Spiele dieser WM – hinterließen sie die Kabine blitzeblank und mit einer Dankesbotschaft auf Russisch. „Was für ein Beispiel für alle Teams. Es war ein Privileg, mit ihnen zu arbeiten", sagte eine Fifa-Mitarbeiterin. Die Fans der Japaner – und  die der Senegalesen – räumten außerdem auf der Tribüne ihren Müll weg. Erstklassig!
Reinliche Japaner
dpa
  • Rúrik Gislason:  Der Kicker vom Zweitligisten SV Sandhausen schied mit Island zwar schon in der Vorrunde aus, wurde im Netz aber als schönster Fußballer der WM gefeiert. Bei Instagram explodierten seine Popularitätswerte: Statt 40 000 Followern hat er jetzt mehr als eine Million.
  • Panama: Trotz der deutlichen  Pleiten gegen Belgien (0:3) und England (1:6) sind Panamas WM-Neulinge in der Heimat zu Volkshelden aufgestiegen. Das erste  WM-Tor des 37-jährigen Felipe Baloy wurde gefeiert wie ein Titelgewinn.
  • Organisation: Russland präsentiert sich als guter Gastgeber. Abgesehen von Kleinigkeiten funktionierte alles reibungslos und sicher. Selbst die sonst strenge Polizei drückt hier und da ein Auge zu. Wohltuend: Die vielen  freiwilligen Helfer, die immer ein Lächeln auf den Lippen hatten. Besonders erwähnenswert: Die befürchteten Ausschreitungen oder Prügeleien von Hooligans hat es – zumindest im Umfeld der Spiele – keine gegeben.
  • Videobeweis: Seine Einführung wurde von Skepsis begleitet, doch die meisten Kritiker sind verstummt: Weil er behutsamer eingesetzt wird als in der Bundesliga, ist die Akzeptanz des Video-Assistenten (VAR) gestiegen. Unterschiedliche Regelauslegungen in der einen oder andere Szene gab es trotzdem. „Dank des VAR ist das Spiel gerechter geworden“, lautet das Fazit von Fifa-Boss Gianni Infantino.  19 Überprüfungen habe es in den bisherigen 62 Spielen gegeben, 16 falsche Entscheidungen wurden geändert. „Dieses System ist besser als die Vergangenheit. Es ändert den Fußball nicht, sondern hilft den Schiedsrichtern, bessere Entscheidungen zu treffen“, sagte Infantino.
Einsatz eines Video-Assistenten, der auf der Anzeigetafel verkündet wird.
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  • Óscar Tabárez: Der 71-Jährige leidet an einer Nervenkrankheit und ist auf einen Krückstock angewiesen. Für seine Spieler ändert das aber nichts an seiner Aura. Sie nennen ihren Coach ehrfürchtig ,Maestro‘.  Tabárez ist  der dienstälteste aller Trainer bei der WM, seine mit Stars wie Edinson Cavani, Luis Suárez und Diego Godín gespickte Mannschaft überzeugte als Kollektiv. Erst im Viertelfinale schied Uruguay gegen favorisierte Franzosen aus.

FLOPS

 
  • Diego Maradona:  Sie nannten ihn „El Pibe de Oro“ (der Goldjunge), weil er mal eine Weltmeisterschaft im Alleingang gewann. Sein Auftritt in Russland glänzte aber alles andere als gülden. Beim Spiel seiner Argentinier gegen Nigeria wirkte Maradona eher nicht nüchtern und feierte Marcos Rojos Siegtreffer indem er wild fuchtelnd zwei Finger gen Spielfeld reckte. Er hätte sich für die Daumen entscheiden können, seine Wahl fiel aber auf die Mittelfinger. Eine der selbst ernannten „Hand Gottes“ unwürdige Geste. Danach bekam er einen Kreislaufzusammenbruch und wurde ins Krankenhaus eingeliefert.
Maradona außer Rand und Band.
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  • Ballbesitzfußball:  Als der FC Barcelona 2009 im Champions-League-Finale Manchester United nicht den Hauch einer Chance ließ, war die Fußballwelt begeistert. Der Ball zirkulierte so sicher zwischen den Spielern, dass der Gegner häufig erst an Ball kam, wenn er ihn aus dem eigenen Netz holen musste. Spanien wurde 2010 so Weltmeister, Deutschland mit Abstrichen 2014 auch. 2018 markiert eine Zeitenwende auf internationaler Bühne. Für Erfolg braucht man den Ball nicht mehr, zumindest nicht lange. Die besten Teams dieser WM konzentrierten sich aufs Verteidigen und verließen sich auf wenige Chancen nach Kontern oder Standardsituationen. Johan Cruyff hätte diese WM äußerst missmutig angeschaut – und zwar nicht nur, weil seine Holländer nicht mitspielen durften.
  • Strafenkatalog:  60.256 Euro Strafe musste der kroatische Verband zahlen, weil seine Spieler die falschen Trinkflaschen benutzten. Jetzt stehen Fußballverbände nicht im Verdacht, all zu sehr am Hungertuch zu nagen, die Verhältnismäßigkeit der ausgesprochenen Geldstrafen überraschte aber gelinde gesagt einige Beobachter. Denn während die Schweden dieselbe Summe entrichten mussten, weil auf ihren Stutzen nicht-autorisierte Werbung aufgestickt war, kam Serbiens Nationaltrainer Mladen Krstajic mit 4304 Euro recht   glimpflich davon. Er hatte zwar die richtige Trinkflasche benutzt, dafür aber gefordert, man solle Referee Felix Brych wegen eines nicht-gegebenen Elfmeters vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal den  Prozess machen.
  • Deutsche Siegesgewissheit:  Als WM-Titelverteidiger und Confed-Cup-Sieger kam die deutsche Mannschaft nach Russland. Bei Überlegungen, in welchem Quartier die Mannschaft wohnen soll, schaute man auf die Flugstrecken zu Halbfinal und Endspielorten – der Tross um Joachim Löw versprühte dauerhaft die rhetorische Frage: Was soll uns schon passieren? Genau so spielte die Mannschaft dann aber auch. Der nötige Fokus wurde von vielen Fans vermisst, die unbedingte Leidenschaft auch. Deutschland ist eine Turniermannschaft, hieß es immer. Man hat sich darauf wohl zu sehr verlassen.