Erst Sieg, dann Eklat

Deutschland trat als Titelverteidiger bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA an. Preisverdächtig waren die Vorstellungen allerdings keinesfalls. Nach einem 1:0-Arbeitssieg gegen Bolivien zum Auftakt und einem umkämpften 1:1 gegen Spanien wartete wie in diesem Jahr Südkorea als letzter Gruppengegner auf das deutsche Team. Auch vor 24 Jahren galt am 27. Juni: Verlieren verboten, sonst droht das Aus!

Neben den quirligen Asiaten sollte sich auch die Hitze in der mit 63.998 Zuschauern gefüllten Cotton Bowl von Dallas als hartnäckiger Gegner herausstellen. "Das Klima war brutal", meinte Verteidiger Guido Buchwald nach der Partie. Und Fifa-Pressesprecher Guido Tognoni sagte beim Blick auf die deutsche Ersatzbank: "Die Spieler sitzen herum wie tote Fliegen."

Vogts beruft Matthäus ins WM-Aufgebot
Kapitän Lothar Matthäus (links) und Bundestrainer Berti Vogts waren mit der Leistung der deutschen Elf gegen Südkorea vor allem in der zweiten Halbzeit nicht einverstanden.
Oliver Berg (dpa)
Ingolstadt

Entgegen aller Erwartungen agierten die Deutschen zunächst äußerst lebhaft. In der ersten Halbzeit überrollten sie die Südkoreaner und führten nach Toren von Jürgen Klinsmann (11./35.) und Karl-Heinz Riedle (18.) souverän mit 3:0. Was Coach Berti Vogts seiner Mannschaft in der Halbzeitpause mit auf den Weg gegeben hat, ist nicht überliefert, allerdings ging der zweite Durchgang ziemlich in die Hose. Nach den Treffern von Sun Hong Wang (52.) und Myiung Bo Hong (63.) musste die DFB-Elf eine halbe Stunde lang zittern, ehe der 3:2-Erfolg und der Einzug ins Achtelfinale feststand. Die Geschichte des Spiels ist damit aber nicht zu Ende. Denn einem deutschen Spieler brannten an diesem Tag noch die Sicherungen durch.

Ein Mittelfinger mit Folgen

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Achtelfinaleinzug! Stimmungshoch im DFB-Lager? Von wegen! Einem Spieler war die Hitze von Dallas zu Kopf gestiegen. Stefan Effenberg sorgte für einen Eklat, als er nach Pfiffen den eigenen Fans den Mittelfinger zeigte. Der "Effenberger" war geboren. Vogts war außer sich vor Wut und schickte den talentierten Mittelfeldspieler auf Geheiß von DFB-Präsident Egidius Braun kurzerhand nach Hause. 
 

Helden des Halbfinals

Fußball WM Deutschland - Südkorea
Pure Erleichterung: Oliver Kahn (links) und Bundestrainer Rudi Völler freuen sich nach dem 1:0-Sieg im WM-Halbfinale gegen Südkorea.
Matthias Schrader (dpa)
Ingolstadt

Auf dem Weg ins Finale der WM 2002 stand dem deutschen Team um Bundestrainer Rudi Völler am 25. Juni Co-Gastgeber Südkorea als Hindernis im Weg. Die eigentlich schwächer eingeschätzten Asiaten wurden von einer grenzenlosen Euphorie und einem frenetischen Publikum bis in die Vorschlussrunde getragen. Dort war es dann vor 65.625 Zuschauern im World-Cup-Stadium von Seoul vorbei mit der koreanischen Fußball-Herrlichkeit. Denn "Titan" Oliver Kahn machte die wenigen, aber exzellenten Chancen zunichte. Kommentator Marcel Reif beschrieb treffend: "Wenn du sagst, die Null muss stehen, dann brauchst du einen wie ihn."

WM 2002 Deutschland - Südkorea
Kein Grund, sich zu verstecken: Michael Ballack hat im Nachsetzen das goldene Tor gegen Südkorea erzielt.
Bernd Weissbrod (dpa)
Ingolstadt

Zum tragischen Helden der Partie in Seoul entwickelte sich der überragende Mittelfeldmotor Michael Ballack. In der zweiten Hälfte beging er beim Stand von 0:0 in höchster Not ein taktisches Foul am deutschen Sechzehnmeterraum, kassierte dafür eine Gelbe Karte und war somit im letzten Spiel der Deutschen gesperrt.

"Meinen allerhöchsten Respekt. Michael wusste, was los ist, wenn er das Foul begeht. Das hätte nicht jeder gemacht", sagt ein angefasster Völler. "In der Kabine kümmern sich alle um ihn. Er ist sehr traurig, hat geweint. Das, was er gemacht hat, machen nicht viele. Das war ganz toll. Ich habe versucht, rüberzubringen, dass ihn diese Geschichte als Mensch weiter bringt", so der Bundestrainer weiter. Ballack griff auch in der gegnerischen Hälfte entscheidend in das Halbfinale ein. 

Ballack trifft gegen Südkorea

Nach 75 Minuten drückte er eine scharfe Hereingabe von Stürmer Oliver Neuville im Nachsetzen zum goldenen Tor für Deutschland über die Linie. 1:0! Die DFB-Elf stand tatsächlich im WM-Finale.

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Niederlage für die Neuen

DFB -  Klinsmann Löw  Bierhoff
Der ehemalige Co-Trainer Joachim Löw (links) ist inzwischen Cheftrainer der Nationalmannschaft. Er und Jürgen Klinsmann (Mitte) übernahmen beim DFB nach der Europameisterschaft 2004. Als Manager des Teams fungiert seither Oliver Bierhoff (rechts).
Oliver Berg (dpa)
Ingolstadt

Es war nicht nur die erste Pleite für Deutschland gegen Südkorea, sondern auch die erste Niederlage für das frisch formierte Trainerteam um Chef Jürgen Klinsmann und Co Joachim Löw. Auf der Asien-Reise kurz vor Weihnachten 2004  bestimmte die deutsche Elf das Freundschaftsspiel vor 45.755 Zuschauern im Asiad-Main-Stadium von Busan nur zu Beginn.

Fußball Südkorea - Deutschland
Nix wars mit seinem zweiten Treffer des Spiels: Michael Ballack scheitert vom Elfmeterpunkt. Am Ende verliert Deutschland das Freundschaftsspiel gegen Südkorea mit 1:3.
Oliver Berg (dpa)
Ingolstadt

Die Zweikampfhärte der Gastgeber und das blitzschnelle Umschaltspiel verunsicherte die Klinsmann-Elf aber zusehends. Dong Jin Kim brachte Südkorea mit einem Volleyschuss in Führung (16.), ehe Ballack mit einem Freistoß nach 24 Minuten den Ausgleich besorgte. Don Gook Lee (71.) und Jae Jin Cho (87.) machten alles klar. Ballack vergab kurz vor Schluss noch vom Elfmeterpunkt. Der 19. Dezember 2004 besiegelte also die bislang einzige Niederlage Deutschlands gegen Südkorea. 
 

Spektakel bei Olympia

Horst Hrubesch
Applaus, Applaus: Die deutsche Erfolgsgeschichte im Fußball bei OIympia 2016 in Rio bekam durch das 3:3 gegen Südkorea eine Initialzündung verpasst.
Soeren Stache (dpa)
Ingolstadt

Deutschlands Fußball bei Olympia in Rio: eine Erfolgsgeschichte. Die der Herren nahm beim Gruppenspiel gegen Südkorea am 7. August 2016 ihren Anfang. Nur 8.000 Zuschauer sahen das Spektakel in der Arena Fonte Nova von Salvador. FC Bayern-Neuzugang Serge Gnabry rettete durch sein Tor zum 3:3 in der Nachspielzeit (90.+2.) die DFB-Elf vor dem frühzeitigen Aus. 

Serge Gnabry gehörte beim rasanten 3:3 zwischen der deutschen Olympia-Auswahl und Südkorea zu den Torschützen.
dpa
Ingolstadt

Mit seinem ersten Treffer des Tages hatte Gnabry in der 33. Minute die Führung der Südkoreaner durch Hee-Chan Hwang  (25.) ausgeglichen. Berlins Davie Selke brachte Deutschland wieder in Front, ehe Südkorea nach Toren von Heung-Min Son (57.) und Suk Hyun (87.) sich wenige Minuten als Sieger der Partie fühlen durfte. Dann kam Gnabry.