Eine Trainerentlassung ist in der Zweiten Bundesliga nichts Ungewöhnliches. Schon gar nicht bei 1860 München, die in den vergangenen zwölf Jahren sage und schreibe 15 Trainer verschlissen haben. Das jüngste Vorgehen des Vereins ist aber trotzdem besonders, weil es eines zeigt: Der finanziell gebeutelte TSV 1860 München hat viele kleine Probleme - und ein ganz großes.

Da ist das Amt des Präsidenten: Peter Cassalette sollte in seiner Rolle eine starke Führungspersönlichkeit verkörpern. Stattdessen wirkt er, wie auf der gestrigen Pressekonferenz, neben 1860-Investor Hasan Ismaik wie ein eingeschüchtertes Kind. In Interviews, wie vor dem Spiel gegen Kaiserslautern am vergangenen Montag, macht Cassalette einen unsicheren und nervösen Eindruck.

Da ist der Posten des Sportdirektors. Bekleidet von Thomas Eichin, seit Juni dieses Jahres Geschäftsführer bei den Löwen. Bis gestern, da hat Hasan Ismaik ihn als Geschäftsführer entmachtet und zum Sportdirektor degradiert. Jetzt führt mit Eichin ein Mann, mit dem der Verein laut Ismaik "nicht zufrieden" ist, einen der wichtigsten Jobs in einem Fußball-Klub aus.

Und da ist schließlich die Rolle des Investors. Ismaik mag ein erfolgreicher Geschäftsmann sein, hat aber auch nach fünf Jahren Engagement bei den Löwen noch nicht begriffen, dass er die dort handelnden Personen nicht wie Spielfiguren steuern oder austauschen kann. Fußball ist zwar ein Spiel, ein Verein aber kein Spielzeug. Sein Plan, die Löwen nach seiner Maxime zu einer Spitzenmannschaft im europäischen Fußball zu formen, ist eine Illusion. 1860 München ist zu einer Parodie seiner selbst verkommen und erntet dafür von vielen Menschen Kritik und Spott. "Auch wenn ich vier Milliarden bekommen würde - der Verein steht nicht zum Verkauf", sagte Ismaik gestern. Diese Worte sollen den 1860-Fans Hoffnung machen, klingen aber fast wie eine Drohung.