Wie immer bei solchen Nominierungen gab es neben dem offenbar ebenso unvermeidlichen wie verzichtbaren Funktionärsgeplauder Härtefälle, Enttäuschungen und auch den einen oder anderen Überraschungskandidaten.

Erwartbar war die Ausmusterung von André Schürrle und Mario Götze. Das Duo, das die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vor vier Jahren im Finale von Rio gegen Argentinien zum Titel geschossen hat, wird in Russland fehlen - und das, obwohl sie mit 27 und fast 25 Jahren erst jetzt im besten Fußballalter sind. Selbst Löw, dessen Treue zu verdienten Nationalspielern bekannt ist, traut den beiden nach einer schwachen Saison mit Borussia Dortmund offensichtlich nicht zu, der Mannschaft bei diesem Turnier helfen zu können.

Besonders für Götze - mit einem Talent gesegnet wie nur wenige andere Fußballspieler auf der Welt - ist die Ausbootung der Tiefpunkt seiner einst so verheißungsvollen Laufbahn. Seit dem WM-Finale 2014 lässt sich die Anzahl der überzeugenden Spiele des Mittelfeldakteurs an einer Hand abzählen, zudem warf ihn eine rätselhafte Stoffwechselerkrankung zurück. In Interviews wirkt Götze - anders als etwa Bayerns Thomas Müller - seltsam unglaubwürdig, als müsse er sich mit braven Floskeln seines Selbstbewusstseins versichern.

Vielleicht sollte Götze, der mit seiner Rolle als gerade volljähriger WM-Held nachvollziehbarerweise völlig überfordert war, die Nichtnominierung für die WM als Chance zum Neustart begreifen - womöglich bei einem Verein im Ausland. Denn es wäre zu schade, wenn das Siegtor im WM-Finale im Alter von 21 Jahren der letzte Höhepunkt in Götzes Karriere bleiben sollte.