Steven Ruprecht
Steven Ruprecht.
Bösl
Mit sieben kam er zu "Eisern Union", durchlief sämtliche Jugendmannschaften, bis er mit 18 in der "Ersten" spielte – zunächst in der Oberliga, bis die Mannschaft in die 3. Liga aufstieg. "Union ist mein Leben", sagt Ruprecht beim Gespräch auf dem FC-Trainingsgelände. Das kann ruhig jeder wissen, auch wenn er jetzt woanders spielt.

Ciao, Ciao

Man ahnt, dass er Berlin nicht ganz freiwillig verlassen hat. Suspendiert wurde er im Herbst 2008, weil er laut Manager Christian Beeck die sportlichen Ziele der Union gefährdet hat. Also ging er gezwungenermaßen im Januar dieses Jahres nach Aalen.

Die Geschichte, die dahinter steckt, ging durch die ganze Republik. "Ciao, Ciao, Casanova" titelte die Berliner Zeitung, nachdem bekannt wurde, dass Ruprecht bei Union mit der Freundin seines Mitspielers Torsten Mattuschka eine Beziehung begonnen hatte. Erst schien es, als ob sich alle Beteiligten zusammenreißen können, doch "irgendwann ging es auch mit den anderen Teamkollegen nicht mehr". Ruprecht musste gehen. Dass der Verein reagiert hat, versteht er. "Aber es hat schon weh getan."

Immerhin: Auch wenn er die erste Liebe seines Lebens verlassen musste, die zweite – Steffi – ist immer noch bei ihm. "Ich wusste damals schon, worauf ich mich einlasse", sagt Ruprecht mit Bestimmtheit. Auch wenn er deshalb Union verlassen musste, er steht zu der Beziehung. Inzwischen sind beide verlobt.

Sportlich ist seine Karriere aber ein wenig ins Stocken geraten. Bei Union war er trotz seines Alters bereits Leistungsträger, DFB-Nachwuchstrainer Horst Hrubesch hat ihn schon mal zum U 20-Lehrgang eingeladen, der ehemalige Nationalspieler Jürgen Kohler, lange Zeit Sportdirektor in Aalen, hat erst vor kurzem wieder bei ihm angerufen. "Das macht mich schon irgendwo stolz, zeigt mir aber auch, dass ich mit meiner Karriere eigentlich viel weiter sein müsste." In der Großstadt Berlin "hatte ich nicht immer den richtigen Kopf für Fußball", sagt er heute. Fast so, als sei er inzwischen richtig vernünftig. Angekommen in Aalen, musste er zunächst aber noch einen Rückschlag verkraften. Während der Wintervorbereitung brach er sich nämlich den Mittelfuß und kam deshalb in der Rückrunde nur auf zwei Einsätze.

All das will er jetzt in Ingolstadt abschütteln, dazu ist er entschlossen. Wer derart aus dem Tritt gekommen ist, klagt logischerweise auch nicht während einer anstrengenden Vorbereitung. "Ach was", winkt Ruprecht gleich ab, "wenn man drei Monate verletzt war, ist man jeden Tag nur noch froh, auf dem Fußballplatz stehen zu können."

Offene Rechnung

Keine Frage, Ruprecht gibt wieder Gas. Weil er gesund ist und weil er der Meinung ist, dass er noch nicht alles aus sich herausgeholt hat. "Ich bin reifer geworden", sagt er über sich. Und erfolgshungriger als jemals zuvor.

Dabei ist es ihm egal, dass er in Ingolstadt derzeit als linker Verteidiger ("Kein Problem, spiele ich auch. Meine Lieblingsposition ist aber die Innenverteidigung") auflaufen muss. In den ersten Testspielen hinterließ er einen guten Eindruck. Man merkt, er hat ein Ziel vor Augen. Dass er den Zweitligaaufstieg von Union nur vor dem Fernseher verfolgen konnte, hat er nämlich nicht vergessen. Das schmerzt immer noch. "Ich will jetzt mit dem FC Ingolstadt das nachholen, was ich mit Union verpasst habe", sagt Ruprecht zum Abschluss. Danach verabschiedet er sich, dreht sich um und geht. Er muss zum Training.