"Nach 16 Spielen mit nur einem Sieg wollten und mussten wir einfach noch mal ein Zeichen setzen", meinte Sportdirektor Harald Gärtner unmittelbar nach der "sehr, sehr schweren Entscheidung". Bereits am Vormittag hatte sich das höchste Vereinsgremium getroffen, war dann noch mal auseinander gegangen, ehe man am Abend die Freistellung von Fink beschloss. Um 19.44 Uhr teilte der Verein dies offiziell in einer kurzen Pressemitteilung mit.

"Ich bin weiterhin der Meinung, dass wir den Klassenerhalt geschafft hätten", meinte Thorsten Fink gestern. Dennoch beurlaubte ihn der Aufsichtsrat des Vereins.
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Gärtner selbst hatte zuvor die Nachricht gemeinsam mit den Aufsichtsräten Frank Dreves und Martin Wagener überbracht, wobei Fink seine Beurlaubung "wie ein Profi" (Gärtner) entgegen genommen hat. "Wenn man beurlaubt wird, ist man natürlich immer enttäuscht", meinte Fink dazu. "Zumal ich weiterhin der Meinung bin, dass wir gemeinsam den Klassenerhalt geschafft hätten." Auf der anderen Seite zeigte er aber auch ein gewisses Verständnis dafür, dass der Verein reagieren musste, und "den letzten Strohhalm ergreifen will."
 


Die Modalitäten – Fink besitzt noch einen Vertrag bis 2010 – will man in den kommenden Tagen klären. Da man aber "nicht im Bösen" auseinander gegangen sei, erwartet Gärtner in Bezug auf die zu erwartende Abfindung an Fink keine schwierigen Verhandlungen. Neben dem Cheftrainer werden Fitness- und Konditionstrainer Niko Vidovic und Rehatrainer Alex Keller ebenfalls freigestellt. Bleiben soll Co-Trainer Heiko Vogel, der mit Michael Wiesinger und Torwarttrainer Brano Arsenovic bis auf Weiteres die Verantwortung für die Mannschaft hat.
 
Ob dieses Trainertrio allerdings auch am Sonntag im Heimspiel gegen Mainz auf der Bank sitzt, konnte Gärtner nicht versprechen. "Ich bin legitimiert, sofort nach einem Nachfolger zu suchen", so der Sportdirektor. "Ich muss jetzt erst mal telefonieren." Zu möglichen Nachfolger konnte und wollte er noch nichts sagen. Das Rennen scheint auch völlig offen, die bislang genannten Markus Schupp (wird es als persönlicher Freund von Thorsten Fink wohl nicht machen), Klaus Augenthaler (zu teuer), Reinhard Stumpf oder Rudi Bommer sind im Moment ausschließlich Spekulationen.
 
TED Fink 465px Den Umstand, dass der Verein offenbar noch keinen Trainer in der Hinterhand hat, sah der Sportdirektor nicht als Problem. "Zum einen kann in diesem Geschäft alles sehr schnell gehen. Zum anderen bestätigt das doch nur, dass unsere Aussage gegenüber Fink, dass wir parallel nicht mit anderen Trainer verhandelt haben, absolut der Wahrheit entsprochen hat."
 
Auf Seiten der Spieler nahm Keeper Michael Lutz die Nachricht von der Freistellung des Trainers mit Verwunderung auf. "Ich habe es gerade im Videotext gelesen", erklärte der 27-Jährige, der sich aber nicht weiter äußern wollte. "Wir als Spieler sind nach der Aussage von vor zwei Wochen davon ausgegangen, dass wir mit dem Trainer bis zum Saisonende weitermachen. Insofern bin ich natürlich schon überrascht, möchte aber auch nicht mehr dazu sagen."
 

THORSTEN FINK BEIM FC04

  • 5. Januar 2008: Thorsten Fink erhält von Red Bull Salzburg die Freigabe und unterschreibt bei den Schanzern einen Vertrag bis 2010.
  • 29. März 2008: Der FC 04 hat nach fünf Siegen in Folge seit der Winterpause sieben Punkte Rückstand auf Herbstmeister Sandhausen wettgemacht und übernimmt erstmals die Tabellenführung.
  • 31. Mai 2008: Der FC 04 sichert sich mit einem 2:0-Sieg über die SpVgg Unterhaching vor 6400 Zuschauern im MTV-Stadion Platz zwei in der Regionalliga Süd und qualifiziert sich damit für die 2. Bundesliga.
  • 1. Juli 2008: Fink beginnt mit neun Neuzugängen und einem 29-Mann-Kader die Vorbereitung auf die erste Zweitligasaison eines Ingolstädter Fußballvereins seit 1981.
  • 17. August 2008: Die Schanzer starten vor nur 5300 Zuschauern im renovierten ESV-Stadion mit einem 3:2-Heimsieg gegen die SpVgg Greuther Fürth und sind nach dem ersten Spieltag sogar Tabellenführer.
  • 12. Dezember 2008: Die Ingolstädter beenden nach einem 1:0-Sieg in Koblenz die Vorrunde auf Platz zwölf mit sieben Punkten Vorsprung vor einem Abstiegsrang.
  • 1. Februar 2009: Ein 1:6-Debakel bei der SpVgg Greuther Fürth leitet die Negativserie des FC 04 nach der Winterpause ein. Die Ingolstädter haben ihren Kader im Gegensatz zur Konkurrenz nicht verstärkt. Der 19-jährige Stürmer Ivan Santini ist die einzige Verpflichtung in der Transferperiode.
  • 5. April 2009: Nach dem erneut mageren 1:1 beim FC Augsburg spricht sich der Aufsichtsrat in einem einstimmigen Beschluss dennoch für Thorsten Fink aus und gibt ihm eine Jobgarantie bis zum Saisonende.
  • 19. April 2009: Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende  Andreas Schleef kritisiert in einem Interview im DONAUKURIER Thorsten Fink und facht die Trainerdiskussion neu an.
  • 21. April 2009: Die anhaltende Negativserie – das 2:3 am Sonntag bei Spitzenreiter Freiburg war für den FC 04 bereits das elfte Spiel ohne Sieg in Folge – bewegt den Aufsichtsrat nun doch, Thorsten Fink zu entlassen.

Interview Harald Gärtner FC04