Andreas Schleef
Andreas Schleef, Mitglied des Aufsichtsrates beim FC04.
Herr Schleef, der FC Ingolstadt steht erstmals auf einem direkten Abstiegsplatz und hat nun in den nächsten Spielen die drei Erstplatzierten Freiburg, Mainz und Nürnberg als Gegner. Was macht Sie optimistisch, dass der FC 04 die Klasse noch hält?
Andreas Schleef: Der Rückblick auf die Hinrunde, sonst bleibt ja nicht viel.

Wie sieht denn Ihre Hochrechnung für die restlichen Spiele aus?
Schleef: Wir hatten eine, aber die ist nach dem mehr als enttäuschenden 0:0 gegen Wehen Makulatur. Wenn man davon ausgeht, dass man 40 Punkte zum Klassenerhalt braucht, fehlen uns noch 13. Das heißt, es wird nicht ohne eine Überraschung gegen einen der drei Ersten gehen, selbst wenn wir von der Papierform her kaum eine Chance haben.

Sie klingen nicht gerade positiv.
Schleef: Ich hoffe bis zum letzten Spieltag auf den Klassenerhalt und wünsche mir das auch sehr. Aber das Spiel gegen Wehen hat mich doppelt enttäuscht. Erstens fehlen uns daraus wieder zwei Punkte und zweitens war das Bekenntnis zum Trainer völlig überflüssig und hat nichts gebracht. Das Ergebnis unserer Rückendeckung für Fink war das schlechteste Spiel der Saison. Und die Reaktionen darauf waren wie immer, das Ergebnis wurde schön geredet.

Wie meinen Sie das?
Schleef: Der Aufsichtsrat hat intensiv mit dem Trainer diskutiert. Aber wenn dann die Mannschaft so auftritt wie gegen Wehen, frage ich mich, ob alle Spieler den Ernst der Lage erkannt haben und die Trainer das wirklich vermitteln konnten. Es wird im alten Stil weiter gemacht, alles wird weich gespült und es herrscht Kuschelatmosphäre.

Der Aufsichtsrat hat Thorsten Fink einstimmig das Vertrauen bis zum Saisonende ausgesprochen. Bereuen Sie diesen Entschluss?
Schleef: Die Nummer ist durch, auch deshalb, weil ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn mehr macht. Das ist zu spät, ganz unabhängig davon, dass man immer darüber streiten kann, ob es richtig ist oder nicht. Was ich nicht verstehe, ist, dass man vor einem wichtigen Spiel einen Kochkurs macht oder jetzt in den Europapark Rust fährt. Das ist jenseits meiner Vorstellung. Vielleicht bin ich dafür die falsche Generation, aber ich frage mich, ob man mit solchen Aktionen vermitteln kann, worum es für den Verein geht.

Die sportliche Leitung will sich derzeit noch nicht mit der Dritten Liga beschäftigen. Sie müssen es tun. Wie sieht das Szenario im Fall des Abstiegs aus?
Schleef: Daran will auch ich gar nicht denken, aber als nüchterner Kaufmann schließe ich diesen Fall nicht aus. Aus meiner Sicht kann es dann nur darum gehen, das als Betriebsunfall zu sehen und sofort den Wiederaufstieg zu schaffen. Dazu gibt es keine Alternative, weil wir im neuen Stadion in der 2. Bundesliga sein müssen.

Wie wäre das finanziell zu stemmen?
Schleef: Das würde hart, aber es wäre machbar. Von den Sponsorengeldern sind wir noch nicht verwöhnt, die können wir erst im neuen Stadion steigern. Aber wir könnten am Trainerstab und im Umfeld sparen. Alle müssten den Gürtel enger schnallen und wir bräuchten eine hungrige Mannschaft.

Sind Sie am Sonntag in Freiburg dabei?
Schleef: Natürlich. Ich fahre dahin, weil ich ein Wunder erleben will.

ZUR PERSON


Andreas Schleef (65), ehemaliger Personalvorstand bei Audi und bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand im September vergangenen Jahres Audi-Generalbevollmächtiger, war maßgeblich am Einstieg des Automobilunternehmens als Hauptsponsor beim FC Ingolstadt beteiligt. Von Kindesbeinen an fußballbegeistert, förderte er die Aktivitäten im Ingolstädter Fußball bereits zu Zeiten des MTV und ESV, auch in der Überzeugung, dass der Sport ein Puzzleteil zur Erhöhung der Attraktivität des Standortes für das Unternehmen Audi ist. Seit Oktober 2006 gehört Schleef als stellvertretender Aufsichtsrat dem Kontrollgremium des FC Ingolstadt an.