Die Gruppe Supporters Ingolstadt ruft in der Stadt zum ersten offiziellen Fanmarsch auf. Unser Redakteur Gottfried Sterner hat mit dem 22-jährigen Ingolstädter Studenten Melvin Biller, einem der Anführer der Ultra-Fangruppe, über die Aktion und die Ultra-Fans allgemein gesprochen.
Ingolstadt: "Es gibt eine aktive Fanszene"
Die Fans im Stadion machen ein Fußballspiel erst zum Erlebnis. In Ingolstadt entwickelt sich die Fußball-Fanszene gerade. Am Sonntag soll es vor dem Spiel des FC Ingolstadt gegen Jahn Regensburg den ersten offiziellen Derbymarsch geben - Foto: Buthmann/Imago
Ingolstadt



Herr Biller, Ihre Ultra-Fangruppe Supporters Ingolstadt hat am Sonntag vor dem Spiel gegen Jahn Regensburg zum ersten Derbyfanmarsch aufgerufen. Was bezwecken Sie damit?

Melvin Biller: Wir wollen zeigen, dass es in Ingolstadt eine aktive Fußball-Fanszene gibt und wir hoffen natürlich, dass sich uns noch mehr Leute anschließen. Es gab schon mal einen Marsch im Jahr 2010, aber der war inoffiziell.

 

Wieso machen Sie das ausgerechnet vor dem Spiel gegen Regensburg? Es gab ja bisher auch schon Derbys gegen 1860 München, den Club oder FC Augsburg.

Biller: Das kommt daher, dass Regensburg und Augsburg unsere Hauptfeinde sind, wenn man das so sagen kann. Das hat einmal mit der regionalen Nähe zu tun und auch damit, dass die Fanszene noch vergleichbar ist. 1860 hat ja eine viel größere Fanbasis als wir.

 

Wie viele Teilnehmer am Fanmarsch erwarten Sie?

Biller: Wir rechnen mit 150 bis 200 Leuten. Da kann jeder mitkommen.

 

Wie soll der Marsch ablaufen?

Biller: Wir treffen uns um 10 Uhr am Volksfestplatz und ziehen dann über den Omnibusbahnhof ein Stück durch die Fußgängerzone und über den Theaterplatz zum Rathausplatz. Die genaue Route wird erst noch mit dem Ordnungsamt abgestimmt. Und dann fahren wir mit Bussen zum Stadion.

 

Bisher wird für den Marsch auf der Homepage des FC 04 nicht geworben. Warum nicht?

Biller: Das hat damit zu tun, dass wir noch auf die Genehmigung seitens der Stadt warten. Wir mussten eine Haftpflichtversicherung abschließen und eben die Route mit dem Ordnungsamt abstimmen. Aber ich gehe davon aus, dass alles klappt.

 

Verstehen sich die Supporters als Meinungsführer der FC 04-Fans?

Biller: Nein, nicht unbedingt. Wir waren eben die erste Ultra-Fangruppe beim FC Ingolstadt. Aber es gibt auch andere Gruppen wie die Black Red Company oder die 12. Legion.

 

Seit wann gibt es die Supporters und was sind ihre Ziele?

Biller: Uns gibt es seit 2008. Wir sind etwas 60 bis 70 Leute im Alter von 17 bis 36 Jahren. Wir Ultras wollen die Stadt und den Verein repräsentieren. Dazu gehört für uns mehr, als nur 90 Minuten im Stadion zu sein. Wir wollen Choreografien für die Spiele entwerfen und alles, was dazugehört: Banner, Fahnen, Spruchbänder. Wir sind ein Freundeskreis, der sich auch außerhalb des Stadions trifft.

 

Sind Sie auch für Bengalos und Feuerwerkskörper im Stadion?

Biller: Ja, wir sind für die Legalisierung von Pyrotechnik. Das war früher schon ein Stilmittel und hat in den 80er Jahren keinen gestört. Jetzt wird das verteufelt. Dabei gibt es sinnvolle Lösungsansätze.

 

Welche?

Biller: Man könnte die Bengalos in abgesperrten Bereichen abbrennen und die Pyrotechnik unter Auflagen einsetzen. Aber der DFB hat die Gespräche darüber mit den Fangruppen abgebrochen.

 

Können Sie verstehen, dass andere Zuschauer von Pyrotechnik nichts halten?

Biller: Es gibt Argumente dagegen. Aber was ich nicht verstehe, ist, dass man uns immer nur als Krawallmacher abstempelt und uns unterstellt, dass wir uns für den Fußball gar nicht interessieren.

 

Wie finden Sie denn die Fußball-Fanszene in Ingolstadt?

Biller: Da hat sich schon etwas entwickelt, vor allem, wenn man das mit den Zeiten von ESV und MTV vergleicht.

 

Es gibt ja auch einige offizielle Fanklubs innerhalb des Vereins. Warum schließen Sie sich nicht diesen Gruppen an?

Biller: Wir wollen uns aktiver einbringen, da ist es besser, wenn man unabhängig ist. Außerdem ist das mit festeren Strukturen und der Angabe von persönlichen Daten verbunden.

 

Unter den FC-Anhängern gibt es auch immer wieder Meinungsverschiedenheiten über die richtige Anfeuerung der Mannschaft. Stehen die Ultras im Konflikt mit anderen Fanklubs?

Biller: Das sehe ich nicht so. Wir tauschen uns mit allen anderen aus und sind auch auf Fantreffen vertreten.

 

Sind die Supporters gewaltbereit?

Biller: So würde ich uns nicht einstufen. Wir gehen ins Stadion, um Stimmung zu machen, nicht, um zu randalieren.

 

Was sagen Sie Leuten, die Ultras mit Hooligans gleichsetzen?

Biller: Diese Begriffe darf man nicht vermischen. Hooligans sind Leute, die auf nichts anderes Lust haben, als sich zu fetzen. Wir Ultras gehen ins Stadion, um Stimmung zu machen. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, aber wir versuchen schon darauf zu schauen, dass es keinen Ärger gibt. Gut, als einmal in Augsburg FCA-Fans in unseren Bus stürmten, um unsere Banner zu klauen, haben wir uns natürlich verteidigt.

 

Wie sehen Sie das Verhältnis der Ultras zur Polizei?

Biller: Schwierig, aber nicht schlecht. Einmal haben wir sogar gute Erfahrungen gemacht, als drei von uns nach dem Spiel gegen Dresden vor zwei Jahren Stadionverbote erhalten haben. Aber nach Gesprächen mit der Polizei wurden die Verfahren eingestellt. Auswärts ist es teilweise schon übertrieben, wie man mit den Fans umspringt.

 

Kommen wir zum Sportlichen. Der FC Ingolstadt steht so gut da wie nie, sogar die Aufstiegsplätze sind in Reichweite. Liebäugeln Sie schon mit der Bundesliga?

Biller: Da sprechen Sie mit dem Falschen. Wir sehen das sehr kritisch. Für mich wäre das der falsche Schritt. Den Verein gibt es noch nicht so lange, wir haben bisher immer gegen den Abstieg gespielt, da sollten wir auf dem Boden bleiben. Ein Mittelfeldplatz wäre prima, alles andere käme zu früh. Der Verein muss sich erst entwickeln.

 

Aber das Derby gegen Jahn Regensburg sollte der FC schon gewinnen?

Biller: Ja, klar. Die Regensburger haben ziemliche Probleme. Dieses Mal hauen wir die 3:0 weg.