Der neue ?Wusler? beim FC Ingolstadt: Agyemang Diawusie soll die Angreifer Charlison Benschop und Stefan Kutschke in der neuen Zweitliga-Saison mit Vorlagen füttern.
Der neue "Wusler" beim FC Ingolstadt: Agyemang Diawusie soll die Angreifer Charlison Benschop und Stefan Kutschke in der neuen Zweitliga-Saison mit Vorlagen füttern.
Sterner
Reischach

Der ehemalige Ingolstädter in Diensten des Drittligisten SV Wehen Wiesbaden, mittlerweile 29 Jahre alt, profitierte häufig von den Vorlagen von Flügelflitzer Agyemang Diawusie. In der neuen Saison muss Schäffler ohne seinen 20-jährigen Mitspieler auskommen - dieser läuft nun im Trikot des FC Ingolstadt auf.

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"Agy ist ein Spieler, den ich schon länger beobachte. Er bringt auf der Außenbahn viel Tempo mit und ist stark im Eins gegen Eins. Ich erhoffe mir bei ihm eine gute Entwicklung", sagt FCI-Trainer Stefan Leitl. Klar, dass er sich auch bei seinem ehemaligen Mitspieler Schäffler über Diawusie erkundigte, schließlich bestritt der Ex-Schanzer von Januar 2012 bis Januar 2014 41 Zweitliga-Spiele für den FCI und erzielte 6 Tore.
Nun wuselt Diawusie für die Ingolstädter und soll Charlison Benschop und Stefan Kutschke mit Vorlagen füttern. Elfmal entstand durch seine Vorarbeit in der vergangenen Saison ein Treffer bei Wehen Wiesbaden, vier Tore erzielte der dribbelstarke Deutsch-Ghanaer selbst. "Mit meinem ersten Profijahr im Erwachsenenbereich bin ich ganz zufrieden, aber ich will weiter Gas geben und ein wichtiger Teil der Mannschaft sein", sagt Diawusie, der weiß, dass es an der Spitze dünn wird. Nur ein Mitspieler aus dem Nachwuchs von RB Leipzig, Stürmer Ermedin Demirovic, hat wie er einen Vertrag bei einem hochklassigen Profiteam ergattert - im Fall des talentierten Bosniers klappte es sogar mit einem Engagement in der Primera División. Beim vorjährigen Tabellen-14. Deportivo Alavés kam Demirovic zu drei Einsätzen und erzielte ein Tor.
Ähnliches schwebt auch Diawusie vor - mit noch mehr Spielpraxis versteht sich. "Eine erfolgreiche Saison wäre für mich, wenn ich Einsätze bekomme und Scorerpunkte sammeln kann. Mit dem Testspiel gegen Kaiserslautern war ich nicht zufrieden, da hatte ich schwere Beine. Aber ich mache mir keine Sorgen, die Spritzigkeit wird noch kommen", sagt der 20-Jährige erfrischend unbekümmert und auch selbstbewusst.
Das kommt nicht von ungefähr. Schon seit sieben Jahren hat er das Ziel Fußball-Profi vor Augen. Damals zog der in Berlin geborene, aber in Regensburg aufgewachsene Außenstürmer zu einer Gastfamilie nach Nürnberg, um im Fußballinternat des FCN seine Ausbildung voranzutreiben. Ein Jahr später zogen seine einst aus Ghana eingewanderten Eltern und seine ältere Schwester Babistta nach Fürth. Die Familie war wieder vereint, doch den Junior hielt es nicht lange. Schon 2015 ging es weiter nach Leipzig, wo er in der A-Junioren-Bundesliga in 48 Einsätzen auf 19 Tore und 11 Vorlagen kam. Prompt folgten das Leih-Engagement in Wehen Wiesbaden und der Wechsel nach Ingolstadt, den sich der FCI eine Ablöse von 500000 Euro kosten ließ.

"Man merkt schon recht schnell, ob man in der Jugend zu den Besseren gehört und man es schaffen könnte. Ich habe hart daran gearbeitet, mir meinen Traum zu erfüllen. Aber ich bin ja erst 20 und will noch weiterkommen", sagt Diawusie voller Ehrgeiz. Leitl bestätigt das: "Agy ist unheimlich engagiert. "
Trotzdem wirkt der 1,80 Meter große Offensivmann locker, plaudert über sein Leibgericht Knödel mit Sauerkraut, das ihm früher seine Mama am Sonntag kochte. Erzählt von seiner Vorliebe für Yoga, Rap-Musik aller Art, die Formel 1, den englischen Fußball und die Spieler Raheem Sterling und Marcus Rashford. Sein Vorbild ist allerdings der Ghanaer Michael Essien - aus einem einfachen Grund: "Von ihm hat mir mein Vater das erste Trikot geschenkt, als Essien für den FC Chelsea spielte. Seither verfolgte ich seine Karriere", sagt Diawusie. Nun ist er dabei, seine eigene Geschichte zu schreiben.