FCI: Endspurt in Südtirol
Als der 1,80 Meter große Blondschopf nach getaner Arbeit frisch geduscht in Trainingsklamotten auf dem Sofa in der Hotellobby Platz nimmt, ist er völlig entspannt. Ruhig und höflich spricht er über seine Karriere, plaudert über seine Erfahrungen in London und die gute letzte Saison bei Arminia Bielefeld. Und doch wird trotz aller Lockerheit klar: Der Österreicher hat sich sehr gut überlegt, warum er zum FC Ingolstadt gewechselt ist und was seine nächsten Ziele sind. Den Begriff Königstransfer weist er deshalb auch nicht zurück. 
Der Mittelfeldspieler ist sich dieser Rolle bewusst und geht auch im Trainingslager in Reischach voran.
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„Ich bin ein Typ, der gerne vorangeht und Leistungsträger sein möchte. Mir ist bewusst, dass das auch von mir erwartet wird, und ich nehme die Rolle gerne an“, sagt Kerschbaumer selbstbewusst. Dass er auch in die Bundesliga hätte wechseln können, verhehlt der 26-Jährige nicht. Wichtiger ist ihm jedoch, in der Hauptrolle zu spielen, auf die zweite Geige hat er keine Lust mehr.
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Wenn man auf seinen Werdegang blickt, wird schnell klar, warum. Kerschbaumer, der aus Tulln an der Donau, vor den Toren Wiens, stammt, spielte erst vier Jahre lang beim FC First Vienna und SKN St. Pölten in der zweiten Liga und ergriff nach nur 16 Bundesliga-Einsätzen bei Admira Wacker Mödling die erste Chance, ins Ausland zu wechseln. Aber nicht irgendwohin, sondern gleich nach London zum Zweitligisten FC Brentford. „Ich bin damals quasi von meinem Kinderzimmer in diese Weltstadt gezogen. Die Sprache, die verschiedenen Nationalitäten und Charaktere, sich alleine organisieren zu müssen, all’ das war schon eine super Erfahrung“, erzählt Kerschbaumer.
 
Als wichtigste Neuverpflichtung könnte beim FC Ingolstadt Konstantin Kerschbaumer gelten.
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Sportlich lief es allerdings nicht so gut. Von einem holländischen Trainer verpflichtet, geriet er nach dessen Rauswurf unter den englischen Nachfolgern immer wieder aufs Abstellgleis, stand ohne Begründung nicht einmal im Kader. „Es war teilweise eine richtig harte Zeit, weil ich nicht die Chance bekommen habe, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber ich wollte es mir selbst beweisen, habe mich durchgekämpft, und bin auch stolz darauf, weil mich das von der Persönlichkeit her reifen ließ. Außerdem bin ich in den zwei Jahren dann doch noch auf relativ viele Einsätze gekommen“, meint der Mittelfeldmann, der 50 von 92 möglichen Partien bestritt und einen Treffer erzielte.

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Dann ließ er sich nach Bielefeld ausleihen, wo er regelrecht explodierte und es in 31 Spielen auf acht Treffer und sechs Vorlagen brachte. Diese Serie will er nun bestätigen. „Deutschland war schon als kleiner Junge mein Ziel. Und da will ich jetzt so hoch wie möglich spielen. Die Chance dazu sehe ich in Ingolstadt und dazu bin ich jetzt noch näher an meiner Heimat.“ Auf häufigeren Besuch seiner fußballbegeisterten Familie – der Vater und die beiden älteren Brüder spielten auf höherem Amateurniveau  – und langjährigen Freunden aus Tulln freut er sich ebenso wie auf die neue Saison.
 
Österreichisches Duell an der Playstation: Konstantin Kerschbaumer (rechts) mit Thorsten Röcher.
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Da solle er nun die Geschicke im FCI-Team lenken. Trainer Stefan Leitl traut ihm das absolut zu. „Er ist laufstark, erkennt Situationen schnell und kann die Bälle gut in die Spitze spielen. ,Kerschi’ soll ein wertvoller Spieler für uns werden“, sagt Leitl. Und dann gibt es bei den Schanzern ja noch die Hoffnung, dass Kerschbaumer sein Sturmpartner und Freund, Andreas Voglsammer, doch noch aus Bielefeld folgt. Derzeit herrscht zwar noch Funkstille, aber FCI-Sportdirektor Angelo Vier ist weiter  zuversichtlich, dass der schon in der Winterpause anvisierte Wechsel noch klappt. Kerschbaumer kann sich derweil mit seiner langjährigen Freundin Ertisa, die ihn schon seit zehn Jahren überallhin begleitet hat, in Ingolstadt eingewöhnen. 
 

Testspiel gegen Innsbruck

 
Der FC Ingolstadt bestreitet an diesem Samstag (13 Uhr)  gegen den österreichischen Bundesliga-Aufsteiger Wacker Innsbruck sein viertes Testspiel. Während die Partie für die Tiroler die Generalprobe vor dem Saisonstart im ÖFB-Pokal ist, will FCI-Trainer Stefan Leitl erneut zwei Mannschaften je 45 Minuten aufs Feld schicken. Fehlen werden allerdings der am Knie angeschlagene Lucas Galvao und Charlison Benschop, der wegen einer aus Hannover verschleppten Knieverletzung langsam aufgebaut werden soll. Nach einem Mannschaftsabend treten die Schanzer dann am Sonntagmittag die Heimreise aus dem Trainingslager in Reischach an.