In Bezug auf die aktuelle Mannschaft stellte er die Charakterfrage und sprach sich mit Blick auf kommende Saison indirekt für einen klaren Umbruch aus.

Herr Matip, das 1:5 bedeutet die höchste Heimniederlage in der Zweitliga-Geschichte des FC Ingolstadt. Wie konnte das passieren?
 

Marvin Matip: Das Ganze ist unglaublich bitter. In dieser Form habe ich das auch noch nie erlebt. Wir sind rund eine Stunde die bessere Mannschaft und lassen kaum etwas zu. Was dann in der Phase danach passiert, ist aber einfach unerklärlich. Dass wir dann noch vier Tore im eigenen Stadion kassieren. Da muss man einfach die Charakterfrage stellen.

Im Spiel gab es zahlreiche Diskussionen. Haben Fehlentscheidungen das Ergebnis beeinflusst? 

Matip: Es gab da schon einige knappe Situationen. Gefühlt, ohne dass ich die TV-Bilder gesehen habe, waren auch zwei Abseitstore dabei. Definitiv kann ich sagen, dass das Foul von mir, das zum Freistoß und schließlich zum 1:3 geführt hat, definitiv keines war. Daran lag es heute aber nicht. Wir haben uns aufgegeben und zu viele Fehler gemacht.

Der Abstand zu Platz 16 beträgt nur noch vier Zähler.

Matip: Wir sind wieder ganz dick drin im Abstiegskampf. Jetzt müssen wir alles dafür tun, dass wir nicht nur die letzten beiden Spiele vernünftig beenden, sondern unsere Saison retten. Dafür werden wir uns kommende Woche ganz ganz oft zusammensetzen und ganz klare Worte finden. Wir wollen ganz sicher nicht im letzten Spiel gegen Kaiserslautern noch um das blanke Überleben spielen. Das braucht keiner.

Fotostrecke: FCI - Holstein Kiel
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Wie schwer ist es nach dieser Pleite, den Fokus auf das Spiel in Braunschweig zu richten?

Matip: Sehr schwer. Wenn man wie wir zuletzt acht Gegentore in zwei Spielen kassiert, dann ist das die Bilanz eines Absteigers. 50 anständige Minuten wie heute reichen einfach nicht. Heute haben wir definitiv keinen Charakter bewiesen, heute haben wir uns abschlachten lassen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die Mannschaft gegen Braunschweig die richtige Antwort finden wird.

Unterm Strich bleibt es aber dabei, dass 42 Punkte nach 32 Spielen eine sehr enttäuschende Bilanz ist für den FCI, oder? 

Matip: Das unterschreibe ich so, definitiv. In dieser Saison sind wir nur selten unseren eigenen Ansprüchen gerecht geworden. Wir haben uns sicher auch nicht dafür qualifiziert, dass man jetzt großes Vertrauen in die nächste Saison setzt. Ich denke, dass die Verantwortlichen nach Abschluss der Saison ihre Schlüsse daraus ziehen werden. Es müssen schwere Entscheidungen gefällt werden. Wir hatten sehr viele Gelegenheiten, um in den "Big-Piont-Spielen" die Aufstiegschancen noch auf unsere Seite zu ziehen, haben es aber in keinem dieser Partien geschafft. Das ist dann nicht nur eine Qualitäts- sondern auch eine Mentalitätsfrage. Da nehme ich alle mit rein - auch mich. Das ist zu wenig, was wir diese Saison gezeigt haben.

Das Gespräch führte Norbert Roth.

Die Einzelkritiken zur Spielerleistung vom FCI-Experten Norbert Roth

ÖRJAN NYLAND

Es mag kurios klingen, aber bei allen fünf Gegentoren war der Norweger ohne echte Abwehrchance. Gegen effektive Kieler konnte sich der 27-Jährige überdies nicht einmal auszeichnen. Note 3

TOBIAS LEVELS

Der Rechtsverteidiger erlebte einen rabenschwarzen Tag. Drei der fünf Gegentore entstanden über seine Seite, überdies unterlief ihm noch ein Eigentor. Note 5,5

TOBIAS SCHRÖCK

Als er sich das erste Mal nach vorne traute, kam die Abwehr gleich in Unordnung und es folgte das 0:1. In der Folge mehrfach nicht bei den Torschützen. Note 4,5

MARVIN MATIP

Konnte die Viererkette nicht wie gewohnt organisieren und kam trotz großem Einsatz selbst häufig zu spät. Note 4

MARCEL GAUS

Auch der Linksverteidiger agierte fehlerhaft, sah vor dem 0:1 und dem 1:4 schlecht aus und setzte nach vorne nur wenige Akzente. Note 4,5

ALFREDO MORALES

Der Wackelkandidat erhielt wieder eine Chance von Beginn an, konnte diese aber nicht nutzen. Wirkte so, als wäre ihm die zugeteilte Aufgabe nicht ganz klar. Note 4

CHRISTIAN TRÄSCH

Lieferte im Zentrum erneut ein großes Pensum und agierte aufmerksamer und zweikampfstärker als zuletzt. Auch wenn die Highlights fehlten, immer noch einer der besseren Ingolstädter. Note 3,5

ALMOG COHEN

Hatte zwar einige Ballgewinne, blieb insgesamt aber blass. Seine Verletzung vor dem 1:2 erwies sich als nicht so schlimm, sodass er bald weiterspielen konnte. Note 4,5

THOMAS PLEDL

Der Außenbahnspieler hatte seine beste Szene, als er für Kittel das 1:1 auflegte. Ansonsten erlebte er wieder mal eine Partie, in der er sich kaum durchsetzen konnte. Note 4

SONNY KITTEL

Einziger Lichtblick im Ingolstädter Team. Aufgrund seiner Technik und seiner Ideen der einzige Spieler, von dem Gefahr ausging. Note 2,5

STEFAN KUSCHKE

Der Dresdner fiel schnell, was seine Aussichten auf einen Freistoß oder Elfmeter nicht erhöhte. Hatte Pech bei seinem Abseits-Tor.Note 4,5

ROBERT LEIPERTZ

Sorgte für etwas Belebung und hatte noch zwei achtbare Chancen. Note 3,5

MAX CHRISTIANSEN

Kam für Cohen und half in den Schlussminuten, das Zentrum zu stabilisieren. Note –