Wieder einmal als Tröster gefragt: FCI-Trainer Alexander Nouri (links) mit Stürmer Osayamen Osawe.
Wieder einmal als Tröster gefragt: FCI-Trainer Alexander Nouri (links) mit Stürmer Osayamen Osawe.
Bösl
Ingolstadt
Die Enttäuschung war daher nach dem dritten Unentschieden in Folge groß. "Das Spiel war eine Blaupause der vorangegangenen zwei Partien. Wir hätten alle drei gewinnen müssen. Es ist der Wahnsinn, dass die Mannschaft sich nicht belohnt", sagte Nouri und haderte mit dem Spielverlauf. "Wir haben bis zur 78. Minute fast nichts zugelassen.


Wir haben uns acht Chancen erarbeitet und zweimal den Pfosten getroffen. Da ist die Enttäuschung natürlich groß. Aber die Mannschaft glaubt an sich und wollte unbedingt gewinnen. Wir werden den Weg konsequent weitergehen", sagte der 39-Jährige und gab sich kämpferisch, obwohl er auch nach sieben Spielen noch auf einen Sieg wartet.
Fotostrecke: FC Ingolstadt 04-DSC Arminia Bielefeld
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Chancen, die Partie zu entscheiden, waren da. Bereits in der ersten Halbzeit hätten Paulo Otavio der einen schönen Spielzug über vier Stationen zu unplatziert abschloss (8. Minute), Stefan Kutschke mit einem Kopfball (12.) - Arminen-Keeper Philipp Klewitz klärte reaktionsschnell - und der aktive Spielgestalter Konstantin Kerschbaumer, der mit einem Freistoß das Lattenkreuz traf (28.), das Führungstor erzielen können. Doch der Treffer fiel erst nach der Pause, als Frederic Ananou auf der rechten Außenbahn den Ball nach vorne trieb, der schnelle und wuchtige Osayamen Osawe im Strafraum zurücklegte und Almog Cohen bei seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Saison aus 16 Metern abschloss (55.).

"Wir haben das Spiel kontrolliert, aber das Glück ist noch nicht auf unserer Seite", sagte der Torschütze, der auf diesen Moment lange hingefiebert hatte. "Ich wollte schon gegen Sandhausen spielen, aber ich war noch nicht fit genug. Jetzt war es so weit und ich bin glücklich, wieder zurück zu sein. Ich habe die ganze vergangene Saison mit Schmerzen gespielt, war am Knie und am Fuß verletzt. Jetzt bin ich völlig schmerzfrei. Ich fühle mich wie ein Gewinner", sagte Cohen, der nun im Testspiel mit der israelischen Nationalmannschaft gegen Guatemala (13. November) und danach in der Nations-League-Partie in Schottland (20.) weitere Spielpraxis sammeln will.

Dass es für die Ingolstädter, die sich im Gegensatz zu den Bielefeldern immer wieder gegenseitig anfeuerten, nicht zum Sieg reichte, lag auch an der Passivität nach der Führung. Plötzlich zogen sich die Gastgeber zurück, griffen später an und gaben ihre Dominanz auf. Trotzdem hätte Osawe noch das 2:0 erzielen können, doch agierte er nach Stefan Kutschkes Querpass zu zögerlich, sodass Arminen-Kapitän Julian Börner noch dazwischengehen konnte (77.).

Im Gegenzug fiel dann nach einer Flanke von Joan Edmundsson durch den völlig freistehenden Fabian Klos der Ausgleich - der Bielefelder Torjäger köpfte gegen die Laufrichtung von FCI-Torwart Philipp Heerwagen zum 1:1 ein.

"Das müssen wir besser verteidigen. Da stimmte die Zuordnung nicht", kritisierte Nouri, der deshalb nicht von Länderspiel-Pause, sondern von Arbeit sprach. "Wir müssen weiter an den Automatismen arbeiten, damit wir uns mal ganz belohnen und nicht nur halb. Das nervt nämlich, weil das Befreiende noch fehlt."

Am Ende wäre das gegen Bielefeld sogar noch möglich gewesen. Doch der in den Schlussminuten eingewechselte Dario Lezcano traf nur den Pfosten (89.). "Man muss gestehen, dass das Glück auf unserer Seite war. Wir sind in unserer Situation mit dem Punkt zufrieden", sagte Bielefelds Trainer Jeff Saibene, der nach zuvor fünf Niederlagen erleichtert war. Obwohl auch die Gäste gegen die nach dem Ausgleich wieder verunsicherten Ingolstädter bei einem Kopfball Börners knapp neben den Pfosten und einem Schuss von Keanu Staude, den Heerwagen parierte, noch Siegchancen hatten.

Der Ex-Bielefelder Kerschbaumer blickt dennoch positiv voraus. "Es ist schade, dass es nicht zum Sieg gereicht hat, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Jeder hat das Gefühl, dass es so weitergehen kann. Der Trainer macht gute Arbeit", meint der 26-Jährige. Vielleicht findet das auch Jens Lehmann. Der ehemalige Nationaltorwart war als Beobachter im Stadion und soll als neuer Sportdirektor der Schanzer im Gespräch sein.

Einzelkritik

PHILIPP HEERWAGEN Schwieriges Spiel für den Keeper. Er wurde in der ersten Halbzeit gar nicht geprüft und konnte sich erst in der 84. Minute beim Schuss von Keanu Staude auszeichnen. Da stand es bereits 1:1.Note 3

PHIL NEUMANN Der 21-Jährige stand bis auf eine Nachlässigkeit zu Beginn sicher. Offensiv war der Innenverteidiger dieses Mal ohne Wirkung. Verlor beim Gegentreffer allerdings Fabian Klos aus den Augen.Note 3,5

MARVIN MATIP Der 33-Jährige konzentrierte sich ganz auf die Organisation der Abwehr. Das gelang ihm bis kurz vor der Pause, als er sich einen Fehlpass leistete, der dank Paulo Otavios Einsatz folgenlos blieb. Das 1:1 durch den unbewachten Klos ging auch mit auf sein Konto. Note 4

BENEDIKT GIMBER Der linke Innenverteidiger hatte die Aufgabe, lange Bälle auf Stefan Kutschke zu schlagen. Dies gelang ihm zielsicher. Ansonsten schlichen sich bei ihm wieder etliche Fehler in der Defensivarbeit und im Spielaufbau ein. Note 4

FREDERIC ANANOU Der 21-Jährige traute sich erst nach einer Anlaufzeit Vorstöße auf der rechten Außenbahn zu. Dann aber war er Ausgangspunkt für das 1:0 und wurde immer stärker. Pech, dass er sich die Schulter auskugelte und vom Platz musste.Note 2,5

ROBIN KRAUSSE Der Abräumer lief viele Löcher im defensiven Mittelfeld zu. Allerdings fehlte dem unermüdlichen Arbeiter im Passspiel einige Male die Präzision. Auch in den Zweikämpfen hatte der 24-Jährige des öfteren das Nachsehen.Note 4

PAULO OTAVIO Der Brasilianer schaltete von Beginn an auf der linken Seite den Vorwärtsgang ein und hatte mehrere Abschlussmöglichkeiten, die er jedoch überhastet vergab. Ein wichtiger Motor im Angriffsspiel, der noch ein wenig mehr Ruhe bei seinen Aktionen benötigt.Note 3

ALMOG COHEN Der Israeli kam zu seinem ersten Startelfeinsatz und strahlte gleich enorme Präsenz aus, wofür er sich mit dem Führungstor belohnte. Nach einer Stunde ließen bei ihm nach dreimonatiger Verletzungspause die Kräfte nach.Note 2,5

KONSTANTIN KERSCHBAUMER Der Österreicher lieferte gegen seine Ex-Kollegen eine starke Partie. Lief viel und kurbelte die Offensivaktionen an. Herausragend seine Ecken und Freistöße, die allesamt gefährlich waren. Note 2,5

STEFAN KUTSCHKE Der Mittelstürmer arbeitete mit großem Einsatz und war als Zielspieler für die langen Bälle gefordert. Gewann 13 Kopfballduelle, hatte aber selbst nur eine gute Chance, die Arminen-Torwart Philipp Klewin großartig vereitelte. Note 4

OSAYAMEN OSAWE Der Stürmer benötigte 20 Minuten, um ins Spiel zu kommen. Dann war er voll da und bereitete einige gute Aktionen vor, darunter das 1:0. Allerdings vergab er das 2:0, als er bei Kutschkes Querpass zu zögerlich abzog.Note 4

THORSTEN RÖCHER Der Österreicher kam für Cohen, doch ersetzen konnte er ihn nicht, weil er dessen körperliche Präsenz nicht auf den Platz brachte. Verhinderte zudem die Flanke vor dem Ausgleich nicht. Auch offensiv blieb er bis auf einen Pass auf Dario Lezcano blass.Note –

MARCEL GAUS Der Linksverteidiger musste nach Ananous Ausfall auf der rechten Außenbahn ran. Versuchte die Seite dicht zu machen. Offensiv kam vom 29-Jährigen nichts mehr.Note –

DARIO LEZCANO Der Paraguayer erhielt nach drei Spielen Denkpause wieder ein paar Einsatzminuten. Um ein Haar wäre ihm dabei das 2:1 geglückt, doch prallte der Ball an den Innenpfosten.Note –

gst