Damit treffen die beiden derzeitigen Krisenklubs der Zweiten Liga aufeinander. Bielefeld verlor die vergangenen fünf Punktspiele, der FCI ist sogar seit acht Begegnungen sieglos. Nouri, der nach sechs Spielen als FCI-Trainer immer noch auf seinen ersten Dreier wartet, versucht den Druck von sich und der Mannschaft zu schieben. „Natürlich ist das Spiel extrem wichtig, und wir wünschen uns den ersehnten Erfolg. Entscheidend für mich ist aber der Prozess und der Weg. Die Art und Weise, wie wir zuletzt spielten, war sehr positiv“, meinte Nouri mit Verweis auf das 1:1 gegen den MSV Duisburg und das 2:2 bei Holstein Kiel. Seinen Spielern machen die beiden jüngsten Auftritte Mut, obwohl sie in Kiel einen 2:0-Vorsprung noch aus der Hand gaben. „Wenn man sechsmal auf die Schnauze bekommt, sind zwei Unentschieden schon ein Aufschwung. Wir haben noch nicht den großen Schritt gemacht, aber kleine. Wir gehen mit einem positiven Gefühl in das Spiel gegen Bielefeld“, sagt Konstantin Kerschbaumer.
 
Der 26-jährige Österreicher, der in der vergangenen Saison noch das Trikot der Westfalen trug und mit acht Toren und sechs Vorlagen zu den Stützen der Mannschaft zählte, glaubt einen anderen Geist bei den Ingolstädtern festzustellen. „Die Automatismen greifen immer besser. Wir müssen nicht mehr so viel nachdenken, wo wir hinschieben. Jeder wird sicherer, das merkt man auch auf dem Trainingsplatz. Das überträgt sich dann von einem zum anderen“, beschreibt der Mittelfeldspieler die Atmosphäre im Team: „In einer Negativspirale ist alles schwieriger. Aber wir haben uns jetzt wieder herangetastet und haben mehr Selbstvertrauen. Jeder hat erkannt, dass wir nur gemeinsam da hinten rauskommen.“

Auch bei Kerschbaumer persönlich läuft es besser. Wobei laufen bei ihm ein wichtiges Stichwort ist. Mit 133 Kilometern spulte er bisher das größte Pensum aller Ingolstädter herunter, obwohl er bereits eine Partie gelb-rot-gesperrt aussetzen musste. Dennoch relativiert der Österreicher: „Laufen ist eine meiner Stärken. Aber ich laufe nicht so intensiv wie Paulo Otavio oder Osayamen Osawe, die viele Sprints machen. Bei mir ist es der Umfang, weil ich defensiv wie offensiv im Spiel eingebunden bin.“ Mit zwei Toren und zwei Vorlagen ist Kerschbaumer der beste Scorer der Schanzer. Aber Nouri fordert noch mehr. „Er ist ein Spieler, der selbst Torgefahr entwickeln kann. Es fehlt noch ein Stück die Effizienz nach vorne. Aber das wird kommen, wenn die Mannschaft noch mehr harmoniert“, meint Nouri, der viel von Kerschbaumer hält. „Er ist ein reflektierter Spieler, der sich viele Gedanken macht. Er findet mehr und mehr zu seinem Spiel, macht viele Wege und kann der Mannschaft in beiden Richtungen helfen“, sagt der FCI-Trainer, der den 26-Jährigen zuletzt weiter nach vorne schob.

„Auf der offensiven Acht habe ich fast meine ganze Karriere gespielt, dort fühle ich mich sehr wohl. Ich werde auch wieder sicherer in den Offensivaktionen. Das kommt langsam zurück. Sechs Niederlagen nagen an einem, das kann man nicht einfach wegwischen“, sagt der Rechtsfuß, der zuletzt mit seinem Landsmann Thorsten Röcher und dem defensiv orientierten Robin Krauße das Zentrum im FCI-Mittelfeld bildete. Nouri dürfte daher an seiner zuletzt zweimal identischen Startformation festhalten – zum Leidwesen von Sonny Kittel. Der Techniker findet sich derzeit in der Jokerrolle wieder und wird auch gegen die Westfalen zuerst auf der Bank sitzen. Gleiches trifft – wenn überhaupt – auf Dario Lezcano und Charlison Benschop zu. Beide Stürmer müssen sich erst ihren Platz im Team zurückerobern, nachdem Osawe und Stefan Kutschke zuletzt ein funktionierendes Duo bildeten. Auf der rechten Außenbahn hat sich Frederic Ananou in den Vordergrund gespielt und Flügelstürmer Thomas Pledl abgelöst. „Freddy hat das in Kiel gut gemacht. Er kann eine unheimliche Dynamik entwickeln und in der Offensive noch mehr seine Qualität einbringen. Er ist defensiv stabil und kann seine körperliche Präsenz ausspielen“, sagt Nouri über den 21-Jährigen. Personell dürfte sich zunächst also nichts ändern bei den Schanzern, die mit einem Sieg bis auf zwei Punkte zu Bielefeld aufschließen und diese in die Abstiegszone mit hineinziehen könnten. Gelingt dies jedoch nicht, wird auch für Nouri die Luft immer dünner. Für beide Teams und Trainer also ein Schlüsselspiel am 13. Spieltag.