Wurde von Trainer Nouri gelobt: FCI-Torhüter Philipp Heerwagen feierte sein Debüt im Test gegen die Würzburger Kickers.
Wurde von Trainer Nouri gelobt: FCI-Torhüter Philipp Heerwagen feierte sein Debüt im Test gegen die Würzburger Kickers.
Bösl
Ingolstadt
Er dirigierte seine Vorderleute mit lautstarken Kommandos, strahlte Sicherheit aus und gefiel mit schnörkellosen Abschlägen. So richtig konnte sich Heerwagen in der ersten Halbzeit gegen den Tabellenfünften der 3. Liga aber nicht auszeichnen, nachdem kein einziger Ball auf seinen Kasten kam. Für einen Torhüter, der sich bei seinem ersten Einsatz präsentieren will, eigentlich eine unbefriedigende Situation - doch Heerwagen sah das anders.

"Die Arbeit ist schon auch da, wenn man keinen Ball auf das Tor bekommt. Das ist dann vor allem eine mentale Belastung", meinte der mit 35 Jahren älteste Spieler im Ingolstädter Kader und ergänzte: "Man merkt schon, dass die Jungs geführt werden müssen." Und das gelang dem gebürtigen Kelheimer vor rund 200 Zuschauern im Testspiel am Audi-Sportpark vor allem im ersten Durchgang.
Die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri begann nämlich forsch, setzte die Würzburger mit aggressivem Pressing früh unter Druck und ging so auch in Führung. Osayamen Osawe schien den Ball bereits vertändelt zu haben, ehe der auffällige Marcel Gaus nachsetzte und Stefan Kutschke bediente. Der Mittelstürmer musste aus wenigen Metern nur noch zum 1:0 einschieben (19.).

"Das war genau die Situation, in der wir weiter Druck machen müssen", freute sich Nouri über die Entstehung des Treffers und zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: "Es war deutlich homogener, die Abstände waren gut und wir haben den Gegner zu Fehlern gezwungen. Das Wichtigste war, dass wir gemeinsam agiert haben."

Denn auch wenn die Franken nach Wiederanpfiff das aktivere Team waren und bei einem Lattenschuss von Enes Küc (70.) die beste Möglichkeit hatten (Heerwagen: "Ich wäre da gewesen"), hielten die Schanzer dagegen und durften sich damit über den ersten Sieg seit dem 3:2 gegen Erzgebirge Aue vor 42 Tagen freuen. "Daraus müssen wir Selbstvertrauen ziehen", sagte Nouri.

Auch Heerwagen wertete den Erfolg - die Schanzer sind damit trotz der Roten Laterne in der Liga in Testspielen weiter ungeschlagen - als "guten Schritt". Der Routinier wollte das selten gewordene Erfolgserlebnis aber auch nicht zu hoch hängen. Stattdessen gab er für die kommenden Wochen im Abstiegskampf mit dem "immens wichtigen Spiel" beim SV Sandhausen (19. Oktober) die Marschroute vor. "Wir müssen wahnsinnig eng zusammenrücken", forderte der Torhüter und ergänzte in Richtung der leidgeprüften Fans: "Wir müssen das Feuer entfachen, damit die Zuschauer hinter uns stehen."

Doch welche Rolle wird Heerwagen dabei selbst einnehmen? Schließlich ließ sich Stammtorwart Marco Knaller in den vergangenen Partien von der gesamten Verunsicherung anstecken und leistete sich den einen oder anderen Patzer zu viel. "Ich spiele natürlich sehr gerne, aber ich bin da pflegeleicht. Meine Rolle ist unverändert", vermied Heerwagen eine Kampfansage. Aber: "Ich kann schon eine gewisse Expertise vorweisen", stellte der 156-fache Zweitliga-Profi fest, nachdem er auch schon bei seinen Ex-Klubs FC St. Pauli oder VfL Bochum ähnliche Situationen miterleben musste.

Nouri hielt sich auf Nachfrage unserer Zeitung bedeckt, was den Kampf um die Nummer eins angeht. "Jetzt schauen wir mal, wie die Trainingswoche läuft und dann treffen wir eine Entscheidung", meinte der 39-Jährige. Der Ingolstädter Trainer lobte den Ersatztorwart aber auch für seine "klaren Aktionen" und "dass er Verantwortung übernehmen will". Womöglich erhält Heerwagen in Zukunft also öfter die Möglichkeit, seine Vorderleute zu dirigieren.

FC Ingolstadt: Heerwagen - Neumann, Gimber, Galvao (46. Matip) - Krauße (46. Cohen), Kerschbaumer (46. Leipertz) - Ananou (46. Pledl), Röcher, Gaus - Osawe (46. Lezcano, 75. Otavio), Kutschke (46. Diawusie). - Tore: 1:0 Kutschke (19.). - Schiedsrichter: Tobias Schultes. - Zuschauer: 200.
 

Entwarnung bei Lezcano

Für Angreifer Dario Lezcano war das Testspiel des FC Ingolstadt gegen die Würzburger Kickers (1:0) bereits nach knapp 30 Minuten schon wieder beendet. Der 28 Jahre alte Paraguayer war zur zweiten Halbzeit für Osayamen Osawe in die Partie gekommen, musste kurz darauf aber schon wieder vom Feld, nachdem er sich in einem Zweikampf das Knie verdrehte. Lezcano probierte es danach zwar noch einmal, musste in der 75. Minute aber ausgewechselt werden und verschwand sofort in der Kabine. Es handelte sich aber nur um eine Vorsichtsmaßnahme, wie der Verein auf Nachfrage mitteilte. Nach einer Regenerationseinheit am Samstag und einem freien Tag am Sonntag hat Nouri am Montag die nächsten beiden Trainingseinheiten angesetzt. Lezcano soll dann auch wieder dabei sein.