Dass der Blick des Bundesliga-Absteigers Richtung Aufstieg geht, verdeutlicht die erste Reaktion nach dem Schlusspfiff. "Wie hat der Club gespielt?", fragte FCI-Mittelfeldmotor Almog Cohen, der sein Team in der 62. Minute mit dem 1:0 auf Siegkurs gebracht hatte. Noch liegen die Schanzer mit 40 Punkten gerade einmal sechs Zähler vor dem Abstiegs-Relegationsrang, doch die Absicht ist klar - es soll nach oben gehen. "Unser Saisonziel war nicht der Klassenerhalt. Wir haben noch sechs Spiele, und das nächste ist immer das wichtigste. Gegen Bielefeld können wir zeigen, ob wir nach oben oder im Mittelfeld bleiben wollen. Ich bin sicher, die ganze Mannschaft will nach oben, und wir werden mit der gleichen Aggressivität auftreten wie in Heidenheim", sagte Cohen mit einem Blick auf das kommende Heimspiel gegen die Ostwestfalen (Sonntag, 13.30 Uhr).

Der Israeli, der in der Bundesliga sieben Treffer erzielt hatte, in dieser Saison aber so schwer in Tritt kam, nähert sich wieder seiner Bestform. Nicht nur wegen seines Treffers, den er mit einem Ballgewinn selbst eingeleitet und letztlich nach Flanke von Thomas Pledl per Kopf abgeschlossen hatte, sondern aufgrund seiner Präsenz und besseren Zweikampfführung. "Er hat es schon in der Vergangenheit bewiesen, dass er torgefährlich sein kann, auch wenn er nicht der Größte ist. Aber er hat ein gutes Gefühl für das Kopfballspiel", lobte FCI-Trainer Stefan Leitl.

Mitentscheidend für den Erfolg bei den nun tief im Abstiegskampf steckenden Baden-Württembergern war aber ein taktischer Schachzug. Als Sonny Kittel, der in der ersten halben Stunde im zentralen Mittelfeld von Heidenheims Sechser, Sebastian Griesbeck, geschickt aus dem Spiel genommen worden war, auf die linke Seite rückte, und Robert Leipertz dafür als zweite Spitze neben Moritz Hartmann agierte, taten sich plötzlich Räume auf. "Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich immer einen an mir dran hatte. Da dachte ich, ich wechsle mit Leipi die Position, so waren wir flexibler", erklärte Kittel hinterher.

Es zahlte sich aus. Nach einem weiten Abschlag von Örjan Nyland verlängerte Kittel per Kopf den Ball in den Lauf von Leipertz, der seinen ehemaligen Teamkameraden Mathias Wittek geschickt aussteigen ließ und zum 2:0 einschoss (67.). "Aktuell macht er es richtig gut, offensiv wie defensiv. Ich wünsche ihm, dass es so weitergeht", meinte Leitl über den 25-jährigen Torschützen, der erst zum fünften Mal in der Startelf stand.

Dass die in der zweiten Halbzeit klar überlegenen Ingolstädter, die in der gleichen Besetzung antraten wie beim 4:2-Sieg gegen Dresden, noch in Schwierigkeiten gerieten, hatten sie sich wieder einmal selbst zuzuschreiben. Zum einen verpassten Pledl (60.), der gute Tobias Schröck (63.), der von FCH-Keeper Kevin Müller gestoppt wurde, und Kittel, der nach einem starken Solo erst vom vierten Gegenspieler, Timo Beermann, geblockt wurde, weitere gute Torchancen. Zum anderen ermöglichte Tobias Levels mit einem groben Patzer am eigenen Fünfmeterraum den Gastgebern den Anschlusstreffer durch Maximilian Thiel (80.). Richtig gefährlich wurde es danach zwar nicht mehr, doch mussten die rund 400 mitgereisten Ingolstädter Fans zehn Minuten lang bangen.

"Wir haben aus den verschiedenen Phasen, die wir während der Saison schon durchliefen, gelernt. Wir müssen ein Spiel 90 Minuten konzentriert zu Ende bringen. Jeder hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und ist marschiert. In diesem Prozess sind wir schon einen Schritt weiter, das hat man gesehen", meinte Kittel, der mit seiner 13. Torvorlage und seinem 22. Scorerpunkt erneut entscheidend zum Erfolg beitrug.

Von seinem Gegenüber, Marc Schnatterer (ebenfalls 22 Scorerpunkte), war dagegen so gut wie nichts zu sehen. Selbst die sonst so gefürchteten Standards misslangen dem Heidenheimer Kapitän dieses Mal derart gründlich, dass in der zweiten Halbzeit Kolja Pusch als Freistoßschütze antrat. Der sechste Ingolstädter Erfolg im sechsten Duell dieser beiden Klubs ging daher vollauf in Ordnung.

In den beiden Heimspielen hintereinander gegen Arminia Bielefeld und den 1. FC Nürnberg (Montag, 15. April) haben es die Schanzer nun in der Hand, den Rückstand zum Spitzentrio zu verringern. Trainer Leitl bemühte sich jedoch um Zurückhaltung. "Es zählt nur Bielefeld", sagte der 40-Jährige, meinte dann aber doch schmunzelnd: "Danach kommen die Top drei, und darauf freuen wir uns auch." So viel ist klar: Die Schanzer haben wieder Lunte gerochen und wollen nochmals angreifen.