Bei seinem Debüt auf der Schanzer Trainerbank setzte Jens Keller bezüglich der Aufstellung neue Akzente. So rotierte er gegenüber der Partie gegen den Hamburger SV vier Spieler neu ins Team und gewährte dabei dem bisher verschmähten Ex-Schalker Robert Leipertz seine Startelf-Premiere in dieser Saison. Zudem bewies er mit einer extrem jungen Abwehr Mut. So beließ der 48-Jährige Fabijan Buntic im Tor und stellte Phil Neumann nach dessen abgelaufener Rotsperre an die Seite von Benedikt Gimber in die Innenverteidigung – Kapitän Marvin Matip blieb dadurch zum zweiten Mal in Folge nur der Platz auf der Auswechselbank. Das hieß: Vier 21-Jährige standen in der FCI-Abwehr!
 
Darmstadt 98 - FC Ingolstadt 04
Torschütze Dario Lezcano (3.v.l.) jubelt mit seinen Mannschaftskollegen über sein Elfmetertor zum 1:0 für den FCI
Uwe Anspach (dpa)
Doch zum Schaden war dies nicht. Auch deshalb, weil die Schanzer einen optimalen Start erwischten. Nach einem Ballgewinn von Leipertz steckte Dario Lezcano, der von Beginn an auf den Platz in der Sturmmitte zurückkehrte, die Kugel durch auf Sonny Kittel - und dieser wurde im Strafraum von Darmstadts Keeper Daniel Helder-Fernandez gelegt. Mit kurzer Verzögerung deutete Schiedsrichter Alexander Sather auf den Punkt - Elfmeter nach 20 Sekunden. Lezcano lief an und vollendete ins linke Eck – der FCI führte 1:0.



Wenig später traf 98-Torjäger Serdar Dursun aus 16 Metern zwar den Pfosten (12. Minute), doch gefährlicher wurde es anschließend für die Gäste nicht mehr. Bis zum Pausenpfiff versuchten es die Darmstädter immer wieder mit Flanken in die Mitte, doch da hielten Neumann und Gimber 1,90-Meter-Mann Dursun gut in Schach. Und die Distanzschüsse wie die von Fabian Holland verfehlten entweder ihr Ziel oder sie wurden wie beim Versuch von Tobias Kempe kurz vor der Halbzeit von Leipertz erfolgreich geblockt.

Die Ingolstädter, die mit auffallend größerer Aggressivität zu Werke gingen als in den vorangegangenen Wochen, hielten die Partie offen, verzettelten sich aber in der Endphase ihrer Angriffsversuche. So hatte Lezcano nach Vorlage von Kittel zweimal das 2:0 auf dem Fuß, traf aber das Tor nicht (14.). Ein anderes Mal nahm Konstantin Kerschbaumer nach einer schnellen Kombination über Thorsten Röcher und Lezcano den Kopf nicht hoch und und verpasste an der Strafraumkante den Abschluss (27.).


Die Blau-Weißen, die vor dem Abbruch der Tribüne auf der Gegengerade auf Partystimmung eingestellt waren, verabschiedeten ihr Team mit Pfiffen in die Kabine, während von den gut 200 FCI-Fans „Ingolstadt-Ingolstadt“-Rufe durchs Stadion hallten. Nach der Pause übernahmen die Gastgeber das Kommando und rannten pausenlos an. Die Schanzer konnten sich kaum befreien, aber richtig gefährlich wurde es nicht. Immer wieder versuchten es die Lilien mit hohen Flanken, doch die FCI-Defensive stand sicher – selbst der kleine Mittelfeldabräumer Cohen köpfte zur Not die Bälle aus der Gefahrenzone. Außerdem fehlte ihren Aktionen die Präzision.

Erst in der 58. Minute gelang den Schanzern der erste Konter über Leipertz, doch nach seiner Ablage konnte Helder-Fernandez Kerschbaumers 18-Meter-Schuss parieren. Entlastungsangriffe gab es aber auch in der Folgezeit kaum, zu sehr drückten die Lilien, ohne sich jedoch gegen das Defensivbollwerk durchsetzen zu können.
 

Ampelkarte für Röcher


Darmstadt 98 - FC Ingolstadt 04
Thorsten Röcher zieht sich das Trikot ins Gesicht nach der roten Karte gegen ihn.
Uwe Anspach (dpa)
Ab der 63. Minute mussten die Schanzer die knappe Führung in Unterzahl halten: Nach einem Fernschuss von Leipert machte sich Darmstadts Jones auf, um einen Konter einzuleiten. Röcher nahm die Verfolgung auf und brachte ihn zu Fall - es war sein zweites taktisches Foul an diesem Tag, und damit musste er mit Gelb-Rot runter. 
 

Schwalben-Spezialist in Reihen der Darmstädter


Doch dann kam die 82. Minute: Der FCI brachte im Strafraum den Ball nicht weg, Kittel ging zum Ball, Darmstadts Fabian Holland sank wie vom Donner gerührt zu Boden und der Unparteiische zeigte erneut auf den Punkt. Eine klare Schwalbe, wie in den Fernsehbildern deutlich zu erkennen war; Kittel hatte Holland noch nicht einmal berührt. Von einer "klaren Fehlentscheidung" sprach FCI-Coach Jens Keller nach der Partie. Wieder, wie bereits beim Aufeinandertreffen beider Mannschaften im März dieses Jahres, war es Holland, der einen Elfmeter für die Lilien auf mehr als fragwürdige Weise herausgeholt hatte. Kempe war's egal, er drosch den Elfmeter in die Mitte des Tores – 1:1.
 
Ein Déjà vu – auch beim letzten Duell im März hatte der FCI geführt und den Ausgleich durch einen Kempe-Elfmeter kassiert. Nun müssen die Schanzer hoffen, dass sie in den kommenden Heimspielen gegen den FC Heidenheim am kommenden Sonntag und im Derby gegen Jahn Regensburg (22. Dezember) mehr Glück haben und ihnen ein siegreicher Jahresabschluss gelingt.
 

"Haben den Abstiegskampf angenommen"


Darmstadt 98 - FC Ingolstadt 04
FCI-Trainer Jens Keller ballt die Faust nach dem Führungstreffer seiner neuen Mannschaft.
Uwe Anspach (dpa)
Jens Keller war nach dem Unentschieden seiner Mannschaft nicht unzufrieden. "Mein Team hat den Abstiegskampf angenommen", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft. Ich habe sie sehr verunsichert vorgefunden und denke, wir haben heute trotzdem gut gekämpft, sind leidenschaftlich füreinander gelaufen und haben einen guten Auftritt hingelegt."