Schon einmal, als Stefan Leitl entlassen worden war, galt der 48-Jährige als Favorit auf den Trainerposten beim FC Ingolstadt. Doch dann folgte seine Absage und Alexander Nouri kam. Gestern Vormittag um 11 Uhr saß Keller nun auf dem Podium im Medienraum des Audi-Sportparks und wurde als 13. Chefcoach der Vereinsgeschichte vorgestellt.

"Es war nicht so, dass ich damals nicht vom FC Ingolstadt überzeugt gewesen wäre, aber es gibt Situationen im Leben, in denen die Dinge nicht zusammenpassen", sagte Keller in Bezug auf die erste Anfrage der Schanzer und verteilte Komplimente: "Ingolstadt gehört zu den drei, vier interessantesten Vereine in der 2. Bundesliga. Hier findet man optimale Arbeitsbedingungen vor und kann etwas bewegen. "
 
FC Ingolstadt stellt Jens Keller vor


Gleichwohl grenzte der gebürtige Stuttgarter, der auch beim VfB und FC Schalke 04 in der Bundesliga schon schwierige Situationen in der Bundesliga gemeistert hatte, die Erwartungen ein. "Von der individuellen Besetzung her, ist die Mannschaft absolut in der Lage, die Liga zu halten. Aber es gibt immer Gründe, warum man nach 15 Spieltagen auf dem letzten Platz steht. Diese gilt es für mich herauszubekommen, um die richtigen Hebel anzusetzen", sagte Keller und forderte sein Team zur Mitarbeit auf. "Ich habe zur Mannschaft gesagt, dass sie sich nicht ausruhen und sagen kann: ,Jetzt kommt wieder ein Neuer, der macht das schon'. Es geht nur gemeinsam. "

Keller, der sich nach der 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV noch mit Interimstrainer Roberto Pätzold ausgetauscht hatte, meinte zum jüngsten Auftritt des Teams: "Man hat vor allem in der ersten Halbzeit gesehen, dass die Mannschaft nicht vor Selbstvertrauen strotzt. In der zweiten Halbzeit hat sie gut dagegengehalten. Auch die jungen Spieler haben ihre Sache ordentlich gemacht. "

Der 48-Jährige, der seit seiner Entlassung bei Union Berlin im vergangenen Dezember ohne Job war, wird morgen Vormittag erstmals mit seinem Kader trainieren. Auch die aus dem Nachwuchs hinzugekommenen Kräfte bleiben vorläufig dabei. Die Erwartungen sind auch bei den Spielern groß. Almog Cohen meinte: "Er hat genug Erfahrung, um uns zu helfen - da bin ich mir ganz sicher. " Verteidiger Marcel Gaus formulierte es drastischer. "Ich hoffe, dass er die autoritäre Person ist, die wir brauchen. Er ist ein Trainer mit Strahlkraft. Es wird aber auch nicht von alleine gehen, denn es stehen ja die gleichen Spieler auf dem Platz. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch mal etwas härter rangenommen werden", sagte der 29-Jährige.

FCI-Geschäftsführer Harald Gärtner zeigte sich über Kellers Zusage erleichtert. "Ich freue mich, dass Jens an unserer Seite ist. Wir brauchen einen Trainer, der uns Punkte bringt, und zwar so schnell wie möglich. Und überall, wo er war, hat er Punkte geholt", sagte der 50-Jährige, der betonte, dass Kellers Vertrag nur bis Saisonende läuft. "Wir ordnen alles dem Klassenerhalt unter. Für den Verein zählt nur eines: Reset, Start bei null, Köpfe frei und Blick nach vorne. Ich bin überzeugt davon, dass wir die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen, wenn wir die Mannschaft zusammenbekommen", sagte Gärtner. Das nächste Kapitel beim FCI hat begonnen.