DER IST-ZUSTAND


Der FCI investierte 6,5 Millionen Euro in neues Personal, um einen Umbruch einzuleiten. Von den neun Neuzugängen setzte Leitl bis auf Torwart Philipp Heerwagen alle ein. Konstantin Kerschbaumer, Thorsten Röcher, Lucas Galvao und Benedikt Gimber gehören schon zum Stamm. Allerdings spielte Leitl noch nicht zweimal mit der gleichen Startelf. Abgesehen von Bundesliga-Absteiger und Aufstiegs-Topfavorit 1. FC Köln fanden Holstein Kiel oder Union Berlin, die ihre Trainer und zahlreiche Spieler wechselten, besser in die Saison. Auch der SV Darmstadt mit seinem Erfolgscoach Dirk Schuster haben an ihren Lauf aus der vergangenen Rückrunde angeknüpft und wirken strukturiert und stabil. Leitl wird im Umfeld der Schanzer kritisch beäugt, kann aber nach dem ersten Sieg gegen Erzgebirge Aue (3:2) ruhiger arbeiten und genießt nicht zuletzt dank seiner kommunikativen Art das Vertrauen der sportlichen Leitung.


DAS MACHT HOFFNUNG


Die Qualität der einzelnen Spieler ist unübersehbar. Vor allem offensiv hat Leitl mit seinen durchweg schnellen Kräften viele Möglichkeiten. Röcher vereint Torgefahr und Technik, Charlison Benschop braucht nicht viele Chancen für Tore, Osayamen Osawe bringt enorme Wucht und Dynamik ins Spiel. Beim 3:2 gegen Aue gab es drei Stürmertore - zuletzt gelang dies vor knapp einem Jahr. Dazu ist der laufstarke Kerschbaumer als unermüdlicher Ballschlepper ein wichtiges Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Die spielerischen Möglichkeiten sind außergewöhnlich für die Zweite Liga. Hinzu kommt noch Sonny Kittel als gefährlicher Standardschütze, Vorbereiter und Vollstrecker. Kein Wunder, dass die Schanzer, die in der Vorsaison noch in zehn Spielen ohne eigenen Treffer geblieben waren, bisher in jeder Partie wenigstens ein Tor erzielten - und das trotz etlicher vergebener Chancen. Nicht zu vergessen: Mit Marco Knaller haben die Ingolstädter auch eine starke neue Nummer eins zwischen den Pfosten.

 

DAS MACHT PROBLEME


Individuelle Fehler und Mängel im kollektiven Defensivverhalten bringen die Schanzer immer wieder in Schwierigkeiten. Vor allem die neuformierte Abwehrkette um Marvin Matip ist anfällig - nicht zuletzt, weil der Kapitän als einzig verbliebene Konstante selbst schwächelt und seinen jungen Nebenleuten Gimber und Frederic Ananou dadurch keine Sicherheit verleiht. Noch tut sich der FCI schwer, die Balance zu finden zwischen offensiver Kreativität und Defensivarbeit. Den Schanzern schmeckt es nicht, wenn sie auf kampfstarke Gegner wie Jahn Regensburg, 1.FC Magdeburg oder Erzgebirge Aue treffen und erst dagegenhalten müssen, bevor sie ihre spielerische Qualität abrufen können. Zudem kassierte das Leitl-Team in drei der vier Spiele Gegentore nach Standardsituationen. Auch das Fehlen von Almog Cohen und Christian Träsch macht sich bemerkbar.


DER AUSBLICK


Nach dem holprigen Start, bei dem die Schanzer schon einige Rückschläge wegstecken und vor allem das Ausscheiden im DFB-Pokal verkraften mussten, warten nun etliche Gradmesser auf sie. Gegen Bochum, St. Pauli, Köln und Union Berlin trifft der FCI nacheinander auf vier Teams, die ebenso wie die Ingolstädter Ansprüche auf eine Top-Platzierung anmelden. "Das wird spannend und interessant, wie wir uns da präsentieren. Ich gehe davon aus, dass Bochum und St. Pauli etwas tiefer agieren und auf ihr Umschaltspiel setzen werden, aber gegen Köln und Union wird es anders aussehen", meint Leitl, der von seinem Weg überzeugt ist. "Wir sind mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden. Wichtig sind aber positive Ergebnisse, damit gewinnt man Selbstvertrauen. Jetzt müssen wir die insgesamt guten Leistungen in den Punktspielen weiter stabilisieren", sagt der FCI-Coach. Bis zur nächsten Länderspielpause in einem Monat wird sich abzeichnen, was für Leitl mit seinem spielerischen Ansatz in dieser Kampfliga möglich ist.