In zentraler Rolle: Neuzugang Konstantin Kerschbaumer dürfte in der kommenden Saison beim FC Ingolstadt gemeinsam mit Sonny Kittel die Aufgabe des Spielgestalters übernehmen.
In zentraler Rolle: Neuzugang Konstantin Kerschbaumer dürfte in der kommenden Saison beim FC Ingolstadt gemeinsam mit Sonny Kittel die Aufgabe des Spielgestalters übernehmen.
Imago, Bösl
FCI
Dabei soll der neue Kader nicht gleich mit zu hohen Erwartungen belastet werden. "Ein so großer Umbruch ist nicht nach einer Transferphase komplett abgeschlossen. Für uns geht es darum, den ersten Step zu machen", sagt Vier und deutet damit an, dass man das Ziel Bundesliga strategisch angehen will. Aktuell sieht es danach aus, dass sich die Mannschaft kommende Saison finden soll, um dann im Folgejahr den Sprung in die Erstklassigkeit anpeilen zu können.

DIE NEUE AUSRICHTUNG

Zentraler Offensivspieler im weiterhin favorisierten 4-2-3-1-System bleibt Sonny Kittel. Auf den Positionen um den Ingolstädter Topscorer herum dürfte sich aber einiges ändern. Mit Thorsten Röcher (Sturm Graz) auf links und Osayamen Osawe (1. FC Kaiserslautern) machen zwei Neuzugänge den bisherigen Außenbahnspielern Robert Leipertz und Thomas Pledl die Plätze streitig. Im Sturmzentrum muss Stefan Kutschke seinen Platz gegen den bundesligaerfahrenen Neuzugang Charlison Benschop (Hannover 96) verteidigen. Hinzu kommt mit Agyemang Diawusie ein weiteres Talent für die Außenbahnen. "Wenn du Spieler wie Benschop oder Kutschke vorne drin hast, brauchst du natürlich schnelle Jungs, die diese Stürmer auch mit Flanken beliefern können", sagt Vier. Mehr Tempo und mehr Durchsetzungsvermögen sind das Ziel, gerade um tief stehende Gegner zukünftig besser in Verlegenheit bringen zu können.

Unterstützung erhält die Offensive aus dem Mittelfeld, wo Neuzugang Konstantin Kerschbaumer (zuletzt Arminia Bielefeld) dem Ingolstädter Spiel mehr Wucht verleihen soll. Aufgrund seines offensiven Potenzials zeichnet sich ab, dass der laufstarke Österreicher möglicherweise Christian Träsch in der zentralen Rolle ablöst. Träsch wird eher auf der Rechtsverteidigerpostion gesehen.


In der Viererkette kam mit Benedikt Gimber (zuletzt Jahn Regensburg) der gewünschte Linksfuß in der Innenverteidigung dazu, sodass der zuletzt immer stärker werdende Tobias Schröck und Kapitän Marvin Matip um die zweite Position kämpfen. Die Vorbereitung, in der natürlich weitere taktische Systeme einstudiert werden, wird vorhersehbar von intensiven Kämpfen um die Stammplätze geprägt sein.

WER NOCH KOMMT

"Das Gros ist erledigt, wir sind sehr zufrieden", sagt Vier zu den bisherigen Transfers. Viel wird bis zum Trainingsstart am 23. Juni wohl auch nicht mehr passieren. Vorstellbar wäre noch ein weiterer Linksfuß für die Viererkette, ansonsten gibt es natürlich noch das Dauerthema Andreas Voglsammer. "Er will zu uns und bringt von seinem Charakter und seiner Qualität her unheimlich viel mit - er wäre das I-Tüpfelchen", erklärt der Sportdirektor. Ingolstadt hat rund 2,5 Millionen Ablöse geboten, Bielefeld erwartet Medienberichten zufolge aber das Doppelte. "Aktuell kann von Gesprächsbereitschaft keine Rede sein", kommentiert Vier das Verhalten der Ostwestfalen. Ein Poker mit offenem Ende.

WER NOCH GEHT

Prominentester Wackelkandidat ist Dario Lezcano, der zukünftig wieder erstklassig spielen will und bei einem entsprechenden Angebot auch gehen dürfte. "Es liegen lockere Anfragen vor, mehr aber nicht", berichtet Vier. Auch dieses Thema könnte den Klub somit den Sommer über begleiten. Schneller wird es bei Maximilian Thalhammer gehen. Der 20-Jährige soll Spielpraxis sammeln und wird wohl noch in dieser Woche an einen Zweitligisten ausgeliehen. Ebenfalls verliehen werden soll Takahiro Sekine, für den bislang aber noch keine konkreten Anfragen vorliegen.

FAZIT

Zwei Dinge fallen auf: Zum einen wird der dringend notwendige Umbruch beim FCI konsequent durchgeführt. Spieler wie Röcher (27), Kerschbaumer (26) und Benschop (28) können dabei nicht nur das sportliche Niveau heben, mit ihnen dürfte sich auch eine neue Hierarchie im zuletzt wenig homogenen Kader ergeben. Zum anderen deutet Sportdirektor Vier an, dass man dem neuen Kader Zeit geben will. Parallelen zur Strategie der Jahre 2014 und 2015, als mit einer eingespielten Mannschaft schließlich der Aufstieg geschafft wurde, sind unverkennbar. Die Fans dürfen sich aber auch schon auf die kommende Saison freuen. Die offensive Neuausrichtung und der erfolgshungrige Kader nähren zumindest die Hoffnung auf attraktivere Darbietungen.
 

DER NEUE FCI-KADER

 
Sechs Neuzugänge hat der FC Ingolstadt bisher für die kommende Zweitliga-Saison verpflichtet und dafür rund dreieinhalb  Millionen Euro ausgegeben. Gesucht wird noch ein Verteidiger,  außerdem arbeitet der Klub weiter an der Verpflichtung des Bielefelder Offensiv-Allrounders Andreas Voglsammer.   Der  zukünftige Kader der Schanzer sieht eineinhalb Wochen vor dem Trainingsauftakt (23. Juni)  wie folgt aus:

Tor
Örjan Nyland (27 Jahre), Marco Knaller (31), Fabijan Buntic (21).

Abwehr
Benedikt Gimber (21, 1899 Hoffenheim, war  an Jahn Regensburg ausgeliehen, rund 1 Million Euro Ablöse), Marvin Matip (32), Hauke Wahl (24), Marcel Gaus (28), Frederic Ananou (20),  Paulo Otàvio (23), Phil Neumann (20).

Mittelfeld
Konstantin Kerschbaumer (25,  FC Brentford, war  an Arminia Bielefeld ausgeliehen, 900.000 Euro Ablöse), Nico Rinderknecht (20, kehrt nach Ausleihe von Preußen Münster zurück), Christian Träsch (30), Almog Cohen (29),  Tobias Schröck (25). 

Angriff
Thorsten Röcher (27, Sturm Graz, 1,2 Millionen), Charlison Benschop (28, Hannover 96, ablösefrei), Agyemang Diawusie (20, RB Leipzig, 350.000), Osayaman Osawe (24,  1. FC Kaiserslautern, ablösefrei), Thomas Pledl (24), Stefan Kutschke (29), Sonny Kittel (25), Robert Leipertz (25), Fatih Kaya (18).

Offen ist die Zukunft von Dario Lezcano (will weg), Romain Bregerie, Martin Hansen (waren ausgeliehen, sollen  abgegeben werden), Maximilian Thalhammer und  Takahiro Sekine (sollen beide ausgeliehen werden).