Befreiender Torjubel: Stürmer Robert Leipertz feierte beim 1:1 des FC Ingolstadt in Darmstadt seinen zweiten Treffer im Schanzer Trikot..
Befreiender Torjubel: Stürmer Robert Leipertz feierte beim 1:1 des FC Ingolstadt in Darmstadt seinen zweiten Treffer im Schanzer Trikot.
Frey/dpa
Ingolstadt

Eigentlich müsste das kommende Heimspiel gegen Dynamo Dresden (Sonntag 13.30 Uhr) ganz nach Kutschkes Geschmack sein. Ein Duell gegen seinen Heimatverein, viele Emotionen und eine Gelegenheit, seinen Wert für das Schanzer Team zu zeigen. Doch es sieht so aus, als sollte dem 29-jährigen Stürmer wie schon im Hinspiel auf dem Platz nur eine Nebenrolle bleiben. Standen in Dresden die zum Teil auch von Dynamo geschürten Transfernachwehen im Vordergrund - FCI-Trainer Stefan Leitl ließ den sensiblen Stürmer zunächst auf der Bank - kämpft Kutschke nun mit den Folgen von zwei verschossenen Elfmetern und seinem angeknacksten Selbstvertrauen. Interviewanfragen hat der Verein deshalb für den Dresdner in dieser Woche gestrichen. "Stefan ist für uns ein wertvoller Spieler. Er ist Profi, da wird er sich selbst rausziehen", sagt FCI-Sportdirektor Angelo Vier zur schwierigen Situation des Mittelstürmers. Ob der Dresdner ausgerechnet gegen seinen Heimatverein von Beginn an die Gelegenheit bekommt, sich zu rehabilitieren, ist aber fraglich.

Zuletzt sprang mit Robert Leipertz und Moritz Hartmann nämlich die zweite Garde in die Bresche und machte ihre Sache gut. Und nicht nur die beiden. "Es ging ein Ruck durch die Mannschaft. Es war deutlich zu sehen, dass wir leben und nicht resignieren", sagt Leipertz, der mit seinem Treffer zur 1:0-Führung Werbung in eigener Sache machte. "Ich hoffe, dass ich gegen Dresden von Anfang an ran darf. Es wird Zeit für einen Heimsieg, auch als Wiedergutmachung für das Spiel gegen den VfL Bochum", meint der Stürmer.

Der 25-Jährige wittert nach seinem so schwierigen Werdegang bei den Schanzern nochmals Morgenluft. Seit seiner Verpflichtung im Sommer 2016 und einer völlig verkorksten Bundesliga-Saison mit nur 28 Einsatzminuten, kam er in der laufenden Spielzeit zwar auch erst auf 411 Spielminuten, aber trotzdem erzielte er bereits zwei Tore und lieferte eine Vorlage. Dreimal stand er dabei in der Startelf, aber noch nie vor eigenem Publikum. "Ich weiß, es liegt viel an mir selbst. Ich muss mich 100-prozentig auf den Fußball konzentrieren", sagt der Außenstürmer, der seit vergangenen Sommer auf Empfehlung eines Mitspielers eigens dafür eine Mentaltrainerin zu Hilfe genommen hat.

Begünstigen könnte seine Rolle in der Mannschaft aber auch die jüngste Systemumstellung. Weil nämlich Sonny Kittel zuletzt im zentralen Mittelfeld agierte, wurde sein Platz auf der linken Außenbahn frei. Eigentlich nicht Leipertz' Seite, aber da er beide Treffer mit seinem schwächeren rechten Fuß erzielte, ist ihm das egal. Für den Saisonendspurt hat er sich noch einiges vorgenommen. "Drei Tore würde ich schon noch gerne schießen, aber wenn es drei Vorlagen werden, wäre es mir auch recht", sagt Leipertz, der noch einen Vertrag bis 2020 besitzt. Zwischenzeitliche Abwanderungsgedanken sind momentan passé. Vielleicht wird er in Ingolstadt nach langem Anlauf ja doch noch wertvoll.

Ähnliches gilt für Hartmann. Der "Bomber" hat seine Torjägerqualitäten beim FCI zwar hinlänglich bewiesen, aber aufgrund seiner langen Verletzungspause dauerte es, bis er seine Startelfchance erhielt. Erstmals gegen St. Pauli, dann in Darmstadt. Der 31-Jährige ist wieder fit genug für 90 Minuten. Er verfügt zwar nicht über Kutschkes Wucht oder Lezcanos Dribblingfähigkeiten, dafür aber kann er immer noch gut die Bälle verteilen und Räume für die Mitspieler schaffen - die Offensive harmonierte jedenfalls gegen die Hessen.

Für den schwer erkälteten Leitl wird die Partie gegen Dresden daher auch zum schwierigen Personalpuzzle. Mit Kutschke, Almog Cohen und Alfredo Morales kehren drei zuletzt gesperrte Spieler zurück, auch der nach einem grippalen Infekt geschwächte Christian Träsch ist wieder dabei.

"TOR" DES MONATS FÜR KUTSCHKE

Das kuriose Tor von FCI-Angreifer Stefan Kutschke zum zwischenzeitlichen 1:1 des FC Ingolstadt beim Spiel in Duisburg (1:2) vor knapp drei Wochen wurde inzwischen ausgezeichnet. Im Rahmen der WDR-Fernsehsendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" wählten die Zuschauer den Treffer zum "Kack-Tor des Monats". Nach Angaben von Moderator Arnd Zeigler mit "dem größten Vorsprung in der über sechsjährigen Geschichte des Kack-Tores".

In der Annahme, das Spiel sei unterbrochen, hatte MSV-Torwart Mark Flekken in der fraglichen Szene dem Spielfeld den Rücken zugedreht, einen Schluck aus seiner Trinkflasche genommen und dadurch zu spät gemerkt, dass der Ingolstädter Stürmer auf sein Tor zulief.

"Die Bude macht Stefan Kutschke, aber hier machen wir uns stark - für Mark", lautete die Begründung der WDR-Redaktion, weshalb in diesem Fall ausnahmsweise nicht der Torschütze, sondern der Torhüter den Preis (eine mit dem Logo der Sendung verzierte Klobrille) erhalten wird.

Die Freude des MSV-Keepers fiel verhalten aus, dennoch kann der 24-Jährige inzwischen über den peinlichen Gegentreffer lachen. "Zum Glück haben wir das Spiel gewonnen, so konnte ich das Ding leichter abhaken." | nor