Spielte sechs Jahre in Bochum: Philipp Heerwagen will dem FC Ingolstadt als Teamplayer helfen und noch ein paar Jahre spielen.
Philipp Heerwagen
Bösl
Ingolstadt
. . . seinen Wechsel nach Ingolstadt: Dahoam ist dahoam. Ich bin hier in der Nähe aufgewachsen. Dass man wieder zurück in die Heimat geht, war einer der ausschlaggebenden Gründe. Ingolstadt war für mich auch sportlich die perfekte Adresse. Ich habe hier viele Freunde.

. . . seine Rolle in der Mannschaft: Als ältester Spieler bringt man automatisch Erfahrung in die Mannschaft. Ich glaube mit Ny (Örjan Nyland, Anm. d. Red.) ist jemand gegangen, der eine gewisse Erfahrung hat, und ich versuche diese Lücke im Torwarttrainingsteam zu füllen. Die Begebenheiten und die talentierten Spieler schüren eine gewisse Erwartungshaltung und dadurch entsteht von außen Druck. Ich bin da, um den Leuten zu helfen. Ich möchte allen Beteiligten hier ein gutes Gefühl geben, dass man sich auf mich verlassen kann.

. . . Trainer Stefan Leitl: Man merkt, dass er selbst Spieler war, weil er sich gut in Spieler reinversetzen kann. Außerdem ist alles sehr detailliert - vor, während und nach dem Training. Und es ist natürlich super, dass er gerade junge Spieler sehr gut begleiten kann in ihrer Entwicklung, weil junge Spieler manchmal nicht wissen, was sie gerade falsch machen. Er lässt keinen Spieler fallen, das macht dann schon Spaß, mit so einem Trainer zusammenzuarbeiten.

. . . die sportliche Situation beim FC Ingolstadt: Mir bereitet es Freude, in einer Mannschaft zu sein, die jeden Tag hart trainiert und in der jeder individuell an sich arbeitet. Die Resultate muss man von Spiel zu Spiel betrachten, es ist ja immer auch ein Gegner auf dem Platz. Am Ende zählen natürlich die Ergebnisse, egal ob wir das spielerisch erreicht haben oder einfach ein Zweitligaspiel abgeliefert haben. Wenn man das harte Training weiter so durchzieht, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich aus der Saison zu gehen.

. . . das Niveau in der zweiten Liga: Jeder kann jeden schlagen, die Leistungsdichte ist wahnsinnig eng beieinander. Ich denke, dass Köln sich die Saison ganz gut zurechtlegt, aber alle 18 Mannschaften sind auf einem ähnlichen Level. Es kann sehr schnell nach oben gehen, aber noch schneller nach unten.

. . . seine Zeit beim VfL Bochum: Die Leute, die dort neu hinkommen, werden sofort sehr familiär aufgenommen. Ich habe mich darauf total eingelassen und dort noch immer viele Freunde. Sportlich war die Zeit sehr lehrreich. Im ersten Jahr habe ich großes Verletzungspech gehabt und mich Woche für Woche nach oben gekämpft. Unter Marcel Koller habe ich meine ersten Bundesligaspiele dort gemacht. Das war Wahnsinn. Erste Liga, das ist doch das Ziel, wo jeder hin will. In der zweiten Liga will jeder nach oben.

. . . sein Wiedersehen mit Bochumer Weggefährten: Klar, man freut sich, wenn man sich sechs Jahre mit dem Verein identifiziert hat, so wie ich es jetzt hier in Ingolstadt genauso mache. Es gibt noch Kontakte zur medizinischen Abteilung, zu ehemaligen Spielern wie Heiko Butscher oder Paul Freier, zu allen, die damit irgendwie zu tun hatten.

. . . seine Zeit in der A-Jugend von Bayern München mit Mitspielern wie Philipp Lahm, Piotr Trochowski, Markus Feulner oder Zvjezdan Misimovic: Die Jahrgänge 1982, 83 und 84 waren Jahrhundertjahrgänge. Es ist schon interessant, wie viele Karrieren aus dieser A-Jugend entstanden sind. Wir hatten uns als Team total gefunden und eigentlich dauernd miteinander zu tun - auch an trainingsfreien Tagen.

. . . Torwarttraining mit Sepp Maier. Ich habe in der A-Jugend relativ regelmäßig mit den Profis trainieren dürfen und war in der Trainingsgruppe mit Oliver Kahn, Bernd Dreher und Stefan Wessels. Ich hatte großes Glück, dass ich in der Jugend schon Sepp Maier als Torwarttrainer hatte und er mich bei den Profis ein bisschen mit reingenommen hat. Dafür bin ich ihm noch 100 Jahre dankbar. Das war eine aufregende Zeit, weil man auch an Stefan Effenberg sehen konnte, wie Mannschaftshierarchien gut aufgestellt werden können.

. . . die heutige Generation junger Spieler: Zwischen jung und alt gibt es immer eine Rollenverteilung. Die Spieler, die aus den Nachwuchsleistungszentren kommen, sind technisch und taktisch extrem gut ausgebildet. Aber die jungen Spieler, die am besten zuhören können, kommen am weitesten.

. . . seine eigene Zukunft: Mein Körper gibt mir nicht die Signale, dass ich schon 35 bin. Ich stehe morgens auf und denke: "Cool, kein Zipperlein - ab zum Training." Klar macht man sich Gedanken, wo man im Fußball mal landen könnte, ich möchte aber schon noch ein paar Jahre lang spielen.

. . . das Spiel am Sonntag gegen den VfL: Bochum wird schon im hinteren Drittel versuchen, zu spielerischen Lösungen zu kommen. Das kommt uns entgegen. Wenn ich sehe, wie unsere Spieler vorne anlaufen, da möchte ich nicht in der Bochumer Haut stecken. Wir werden versuchen, einen Mix zu finden aus vorne draufgehen und uns auch mal fallen lassen, um kontern zu können.
 

Zur Person

Der Torhüter Philipp Heerwagen gewann 2001 mit der A-Jugend des FC Bayern München die erste deutsche Jugendmeisterschaft des Vereins. Im Anschluss wechselte er zur SpVgg Unterhaching, wo er das Fußballspielen begonnen hatte. Nach vier Jahren verpflichtete ihn der Bundesligist VfL Bochum, wo er 33-mal in der ersten Liga spielte. 2013 wechselte der gebürtige Kelheimer zum FC St. Pauli, wohin ihn der VfL Bochum zuvor schon verliehen hatte. Bei den Hamburgern lief er 24-mal für die erste Mannschaft und 26-mal für die Reserve in der Regionalliga auf. Der 35-Jährige unterschrieb vor dieser Saison beim FC Ingolstadt einen Ein-Jahres-Vertrag, Sportdirektor Angelo Vier unterstrich Heerwagens Wert als Teamplayer und sicheren Rückhalt.