Das 0:2: Zweimal musste FCI-Torwart Marco Knaller nach Freistößen hinter sich greifen. Unser Bild zeigt Philipp Klements zweiten Streich – gegen den Schuss in den Torwinkel war der 31-jährige Österreicher machtlos.
Strisch/Eibner
Ingolstadt
Für FCI-Geschäftsführer Harald Gärtner war nach dem Schlusspfiff der Zeitpunkt gekommen, das Saisonziel neu zu definieren. "Es müssen alle wahrnehmen, dass es um den Klassenerhalt geht und um nichts anderes", sagte Gärtner und bereitete den Verein auf schwierige Zeiten vor. "Wir stehen zurecht da unten, weil wir zu wenig gepunktet haben. Es wird ein steiniger und harter Weg. Für uns ist es enorm wichtig, in dieser Liga zu bleiben."

"Wir wollen besser sein als Platz neun", lautete die ursprüngliche offizielle Zielsetzung von FCI-Sportdirektor Angelo Vier - doch insgeheim hatten sich die Schanzer sogar mehr erhofft. Davon kann nach den bisherigen Vorstellungen keine Rede mehr sein, wenngleich Gärtner gegen Paderborn eine Verbesserung erkannte. "Man hat gesehen, dass bestimmte Abläufe immer mehr passen. Die zweite Halbzeit hat mir sehr gut gefallen, aber uns fehlt ein bisschen das Spielglück", haderte der 49-Jährige mit den Pfosten- und Lattentreffern.

Auch Nouri sah die Partie erstaunlich positiv. "Im Vergleich zum Spiel gegen Union haben wir einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Die Organisation und die Abläufe in unserem Spiel waren klar, und wir haben auch einige Chancen kreiert", betonte der FCI-Trainer.

Anlass zum Optimismus gab jedoch erst die zweite Hälfte. Bis dahin überließen die Schanzer weitgehend dem Aufsteiger die Initiative und erwarteten die Ostwestfalen meist an der Mittellinie, um nach Ballgewinnen mit schnellem Umschaltspiel selbst zu Chancen zu kommen. Dies gelang aber nur selten, wobei die beiden Außenbahnspieler Thomas Pledl und Paulo Otávio zusammen mit dem verbesserten Sonny Kittel die Bälle nach vorne trieben und sich immerhin um einen geordneten Spielaufbau bemühten.
 
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Gefährlich wurde es aber nur, als Osayamen Osawe, der anstelle von Dario Lezcano an der Seite von Charlison Benschop stürmte, mit zwei Kopfbällen in Tornähe kam (16. und 45. Minute). Schüsse von Konstantin Kerschbaumer wurden geblockt oder flogen über die Latte.

Nach 44 Minuten, einer Eckenbilanz von 0:7 und einem Zwischenstand von 0:1 hatten die Anhänger in der Fankurve genug. "Wir wollen euch kämpfen sehen", forderten sie von ihrem Team. Schwach agierte insbesondere Benschop, der in der Offensive kaum sichtbar war und zudem die Gästeführung eingeleitet hatte, als er Bernard Tekpetey kurz vor dem Strafraum umstieß. SCP-Standardschütze Philipp Klement zirkelte den Ball mit links zum 0:1 über die Mauer (33.). FCI-Keeper Marco Knaller reagierte dabei viel zu spät, sonst hätte er den nicht allzu platzierten Schuss wenigstens erreichen können.

Die FCI-Anhänger, die zu Beginn noch dankbar jeden Einsatz eines Schanzers mit Beifall belohnt hatten, empfingen das Team - bis auf ein kleines Häufchen in der Fankurve - zum Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit fast schon emotionslos. Erst bei der dritten Ecke für die Ingolstädter in der 53. Minute versuchten die Zuschauer ihre Mannschaft wieder mit rhythmischem Klatschen anzutreiben. "Ich muss die Fans loben, sie haben den Funken von den Rängen rübergebracht. Das macht mir Mut. Wir brauchen die Unterstützung zu Hause", sagte Gärtner.

Ausschlaggebend dafür war eine Aktion in der 56. Minute, mit der der Tabellenvorletzte ein Signal an seine Anhänger sendete. Erst köpfte der eingewechselte Stefan Kutschke eine Flanke von Otávio an den Pfosten, dann traf Osawe im Nachschuss Torwart Leopold Zingerle mit voller Wucht am Kopf, und schließlich jagte Pledl die Kugel aus fünf Metern an die Latte - das hätte der Ausgleich sein müssen.

Aber immerhin keimte nun so etwas wie Hoffnung im Audi-Sportpark auf. Zwar versenkte Klement erst noch einen weiteren Freistoß mit links zum 0:2 im Netz (61.) - dieses Mal war Knaller gegen den Schuss in den Winkel machtlos. Doch praktisch im Gegenzug erzielte Kerschbaumer im Nachschuss das 1:2 (63.). Es war gleichzeitig der 300. Zweitliga-Treffer des FCI. Die Kulisse war wieder da.

Und plötzlich gab es auch Chancen, aber Kittel und Kutschke scheiterten am SCP-Keeper. Kerschbaumer hatte Pech, dass sein abgefälschter Schuss knapp am linken Pfosten vorbeistrich. Letztlich mühten sich die Gastgeber, die noch sechs Minuten Nachspielzeit zusätzlich erhielten, aber vergeblich, um die nächste Pleite abzuwenden.

Nouri bleiben nun in der Länderspielpause knapp zwei Wochen Zeit, um sein Team auf Kurs zu bringen. Dann steht am 19. Oktober beim Tabellen-16. SV Sandhausen bereits ein wegweisendes Kellerduell an. Wo er den Hebel ansetzen will, weiß Nouri. "Wir müssen uns in den Zweikämpfen noch besser unterstützen. Dann gibt es weniger Ecken, Freistöße und Ballverluste. Und auch mit dem Ball müssen wir noch einen Tick besser werden. Das sind die Prozente, die fehlen, um so ein Spiel zu unseren Gunsten kippen zu lassen", meinte der FCI-Coach, dessen Spielidee nun Früchte tragen muss.

"Die Pause wird uns guttun. Wir müssen noch an vielen Dingen arbeiten. Aber das Spiel gibt mir Hoffnung. Wir lagen 0:2 zurück und hätten am Ende den Ausgleich verdient gehabt, weil wir gezeigt haben, was es heißt zu arbeiten und zu kämpfen", sagte Robin Krauße. Für FCI-Kapitän Marvin Matip hängt alles an einem positiven Ergebnis: "Wir brauchen nur ein Erfolgserlebnis, dann glaube ich definitiv, dass wir in die Spur kommen."
 

EINZELKRITIK

MARCO KNALLER
Der Keeper vereitelte einerseits einige Chancen, andererseits reagierte er beim Freistoß zum 0:1 zu spät. Der Österreicher bräuchte mal wieder ein fehlerloses Spiel, um Sicherheit zu gewinnen. 
Note 3,5

MARVIN MATIP
Der Kapitän rückte wieder auf die rechte Abwehrseite. Der 33-Jährige kam weniger in Bedrängnis als zuletzt, wirkte aber auch  nicht sattelfest.
Note 4

BENEDIKT GIMBER
Der 21-Jährige übernahm die zentrale Rolle in der Abwehrkette und konzentrierte  sich ganz auf eine einfache Zweikampfführung. Am Spiel war er  daher wenig  beteiligt.
Note 4

LUKAS GALVAO
Der Brasilianer wirkte teilweise ungewohnt fahrig und hinterließ defensiv keinen sicheren Eindruck. Offensiv lief der Spielaufbau dieses Mal weniger über ihn.
Note 4,5

THOMAS PLEDL
Der Niederbayer findet sich in seiner neuen Rolle auf der Außenbahn allmählich  besser zurecht. Agierte kampfstark, hatte viele Ballkontakte und trieb die Bälle am Flügel nach vorne. Einer der  Lichtblicke im Team, wenngleich er bei seinem Lattenknaller das 1:1 hätte erzielen müssen.
Note 3

SONNY KITTEL
Der Spielmacher war besser in der Partie als zuletzt gegen Union Berlin. Versuchte den Spielaufbau zu ordnen, aber letztlich  kam  nicht viel dabei heraus. Seinen einzigen Torschuss entschärfte SCP-Keeper Leopold Zingerle.
Note 4

ROBIN KRAUSSE
Der Ex-Paderborner spielte als defensiver Abräumer im zentralen Mittelfeld. Hielt das Spiel einfach und feuerte seine Nebenleute immer wieder an. Da die Gäste das Geschehen geschickt über die Außenbahnen lenkten, war er aber oft aus dem Spiel.
Note 3,5

KONSTANTIN KERSCHBAUMER
Dem Österreicher ist die Verunsicherung mit am deutlichsten anzumerken. Traute sich zunächst kaum etwas zu und lief in den Zweikämpfen nur begleitend nebenher. Sein Treffer in der zweiten Halbzeit gab ihm jedoch Auftrieb, und er  ergriff  wieder wie zu Saisonbeginn die Initiative.
Note 4

PAULO OTAVIO
Der Brasilianer ist weiterhin  kein Glücksbringer für den FCI. Auch in seinem zwölften Einsatz im FCI-Trikot gab es mit ihm keinen Sieg. Dabei begann der einsatzfreudige Außenbahnspieler laufstark, mutig und brachte eine gewisse Frische in die FCI-Aktionen. Mit  zunehmender Spieldauer baute der 23-Jährige ab.
Note 3,5

CHARLISON BENSCHOP
Ganz schwacher Auftritt des Mannes aus der Karibik. Im Angriff hielt er fast keinen Ball, dazu verursachte er den Freistoß, der zum 0:1 führte. Der Auftritt  war zurecht nach 45 Minuten zu Ende.
Note 5,5

OSAYAMEN OSAWE
Der bullige Stürmer konnte sich einige Male gegen die SCP-Abwehr durchsetzen, doch haperte es bei der Chancenverwertung. Bei seinem zweiten 90-Minuten-Einsatz hätte er im Nachschuss das 1:1 machen müssen.
Note 4

STEFAN KUTSCHKE
Kam nach der Pause für Benschop. Pech für ihn, dass sein Kopfball in der 56. Minute an den Pfosten prallte. Ansonsten verbuchte der Dresdner nur  wenige Ballaktionen.
Note 4

DARIO LEZCANO
Der Paraguayer konnte in der Schlussviertelstunde keine Akzente setzen, obwohl er in der Drangphase der Ingolstädter in die Partie kam.
Note –

ROBERT LEIPERTZ
Wieder mal ein paar Einsatzminuten für den in dieser Saison  darbenden Joker, aber zu einem Torabschluss reichte es nicht mehr.
Note – 
 

Zahlen des Spiels


Torschüsse
FC Ingolstadt: 18
SC Paderborn: 15

Ballbesitz
FC Ingolstadt: 45 %
SC Paderborn: 55 %

Zweikampfquote
FC Ingolstadt: 44 %
SC Paderborn: 56 %

Passquote
FC Ingolstadt: 67 %
SC Paderborn: 77 %

Fouls
FC Ingolstadt: 16
SC Paderborn: 10

Laufleistung
FC Ingolstadt: 119,66 km
SC Paderborn: 119,52 km