Im Spiel gegen den Club noch hoffnungsvoll: Die Anhänger des FCI erleben in dieser Saison eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Nach den Pleiten gegen Düsseldorf und Kiel dominieren Wut und Enttäuschung.
Im Spiel gegen den Club noch hoffnungsvoll: Die Anhänger des FCI erleben in dieser Saison eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Nach den Pleiten gegen Düsseldorf und Kiel dominieren Wut und Enttäuschung.
Bösl
Ingolstadt
Gestern Nachmittag vor dem Training herrscht beim FCI beschauliche Ruhe. Obwohl, nicht ganz. Irgendwie gab es im Stadion einen Feueralarm, und Ralf Keidel, einst Spieler und nun als Hausmeister für die Infrastruktur zuständig, lässt sich von einem Fachmann die Alarmanlage im Audi-Sportpark erklären. Auf dem großen Parkplatz vor der Piazza verlieren sich nur wenige Autos, ein Handwerker turnt auf dem Dach herum, auf dem frischen Grün im Stadion labt sich eine Schar Tauben am nachgesäten Rasensamen.

Obwohl das Training erst um 15.30 Uhr beginnt, wartet Christian Träsch bereits um 14 Uhr vor dem Medienraum. Er ist als langjähriger Bundesliga-Profi überregional der gefragteste Interviewpartner des FCI. Der 30-Jährige soll einem Mitarbeiter des Südwestrundfunks etwas über seinen ehemaligen Mitschüler und jetzigen Trainer von 1899 Hoffenheim, Julian Nagelsmann, erzählen, mit dem er einst bei 1860 München zusammenspielte. Obwohl er den Medienschaffenden stets sehr aufgeschlossen begegnet, hält sich Träschs Begeisterung in Grenzen. Zum einen wird der seit seiner Kindheit an Asthma leidende Defensivallrounder derzeit heftig von seiner Pollenallergie geplagt. Zum andern nagt noch die 1:5-Pleite gegen Holstein Kiel an ihm. "Das hätte nicht passieren dürfen. Ich verstehe, dass die Fans keine Lust auf den Sonderzug nach Braunschweig haben", sagt er und fordert: "Jetzt müssen wir wenigstens noch die Punkte holen, um die Saison sicher zu Ende zu bringen." Die Schanzer haben als Tabellenneunter zwar fünf Punkte Vorsprung vor Rang 17 und stehen vier Zähler besser als der Abstiegsrelegationsrang. Aber hundertprozentig sicher sind sie nicht.

Die für Sonntag geplante Fanfahrt musste mangels Beteiligung abgesagt werden. "Wir hatten 150 Anmeldungen, hätten aber die doppelte Anzahl gebraucht, um unsere Kosten zu decken", erklärt der FCI-Fanbeauftragte Sebastian Wagner. "Unser Plan war, dass es am Saisonende noch um den Aufstieg geht, aber da waren wir natürlich abhängig von der sportlichen Leistung", sagt Wagner, der nun alle Hände voll zu tun hat, nach Möglichkeit die Karteninhaber auf Busse zu verteilen, um diese nach Braunschweig zu bringen. Mit rund 300 FCI-Anhängern in Braunschweig rechnet Wagner deshalb trotz des abgesagten Sonderzugs, auch wenn er sagt: "Die Fans sind in einer Schockstarre."

Allmählich trudeln auch die letzten FCI-Spieler ein. Um 15.15 Uhr sind schon alle auf dem Platz und machen sich warm. Das Trainerteam folgt pünktlich um 15.29 Uhr, beiläufig beobachtet von 17 Kiebitzen. Das Interesse war schon mal größer und die Stimmung besser, aber im Gegensatz zu den Kommentaren in den Sozialen Netzwerken, die häufig auf alles und jeden einschlagen, wollen die eingefleischten FCI-Anhänger den Stab über Trainer Stefan Leitl trotz einiger Kritik nicht brechen. "Es fehlt am Trainer. Mit Ralph Hasenhüttl würden wir mit diesem Kader vorne stehen", sagt der einstige MTV-Jugendspieler Martin Betz und findet außerdem: "Stefan Kutschke passt nicht rein ins Team." Dennoch wünscht er sich, dass beide in der neuen Saison nochmals eine Chance bekommen.

Milder gestimmt ist Alexander Bauer. "Für mich ging es seit dem Abschied von Michael Henke abwärts. Dem Leitl fehlt sicher noch die Erfahrung, gerade in solchen Situationen wie jetzt. Aber man sollte ihn einen Neuaufbau machen lassen", sagt der Denkendorfer, der keine Abstiegsangst verspürt. "So viel sollte die Mannschaft im Kreuz haben, dass sie in Braunschweig gewinnt. Ein Punkt müsste auch schon reichen", meint Bauer und sieht den FCI grundsätzlich in der 2. Bundesliga gut aufgehoben. "Das ist für Ingolstadt schon ein hohes Niveau."

Auf dem Platz läuft unterdessen das übliche Programm: Passübungen, Torabschluss und schließlich ein Spiel. Gearbeitet wird in zwei Gruppen. Erst am Ende, als verschiedene Teams gegeneinander spielen, wird es lauter. "Ich würde keinen der auslaufenden Verträge verlängern. Jetzt kann unser Sportdirektor zeigen, was er drauf hat", sagt Michael Pluzny, der Vorsitzende des Fanklubs Torkelschanzer. Gemeint ist Angelo Vier, der derweil das Training beobachtet und immer wieder mit dem Handy am Ohr über den Nebenplatz schreitet. Um 16.45 Uhr verlassen die ersten Spieler das Feld, heimlich beäugt von der eifrig trainierenden U12-Nachwuchsmannschaft. Kapitän Marvin Matip umarmt noch einen weiblichen Fan, dann geht der Arbeitstag der Profis allmählich zu Ende.
 

FCI in Kürze

Ausfälle: Wegen eines Trauerfalls in seiner Familie weilt Stürmer Dario Lezcano weiterhin in seiner Heimat Paraguay. Wann der 27-Jährige zurückkehrt, ist offen. Unklar ist auch, wie lange Paulo Otávio noch ausfällt. Eine weitere Untersuchung soll klären, ob der seit Wochen pausierende Brasilianer an der Bauchmuskulatur oder an der Leiste operiert werden muss.

Trainingsgast: U 19-Spieler Fatih Kaya trainiert in dieser Woche mit den Profis. Der 18-jährige Stürmer wird nach dem Aufstieg der FCI-Junioren in die Bundesliga belohnt. Kaya führt mit 24 Treffern die Torschützenliste der Junioren-Bayernliga an.

Probetraining: U 21-Spieler Ryoma Watanabe stellt sich in dieser Woche beim Drittligisten Preußen Münster vor. Der 21-jährige Japaner ist seit 2015 bei den Schanzern, schaffte bisher aber den Sprung zu den Profis nicht. gst