Woran erkennt man, dass eine Mannschaft in der pflichtspielfreien Zeit konzentriert gearbeitet hat? Ein erstes Indiz ist, wenn der Trainer während einer Pressekonferenz in 13 Minuten sechsmal betont, wie gut sein Team trainiert habe. "Wenn ich meinen Jungs ein Zeugnis ausstellen könnte, dann würden sie eine 1 bekommen", lobt Leitl. "Es war unfassbar, wie sie trainiert haben in diesen zwei Wochen. Mit einer Intensität, mit Engagement, mit Elan - das habe ich selten bei einer Mannschaft gesehen."

Bislang meist als Linksverteidiger kam Lucas Galvão (rechts) beim FC Ingolstadt zum Einsatz. Gegen Bochum geht es für den 2,4 Millionen teuren Neuzugang darum, kein Gegentor zu kassieren.
Bislang meist als Linksverteidiger kam Lucas Galvão (rechts) beim FC Ingolstadt zum Einsatz. Gegen Bochum geht es für den 2,4 Millionen teuren Neuzugang darum, kein Gegentor zu kassieren.
Bösl
Ingolstadt
Die Stimmung ist gut bei den Schanzern, nicht unwichtig dafür war der 3:2-Heimsieg gegen Aue zuletzt. Vergangene Woche trennte man sich im Testspiel vom FC St. Gallen 1:1, wo man laut Trainer Leitl "sehr dominant" gespielt hat. Zwei Spiele, wie Balsam für die Ingolstädter Seele, nachdem in den ersten Saisonspielen weder Ergebnisse noch Leistung so richtig gestimmt hatten. Dass sich die Mannschaft mit einigen Neuzugängen erst finden musste, sah man ihr an - dass Routiniers wie Almog Cohen und Christian Träsch ausfielen, tat ein Übriges.

Bis auf die beiden Langzeitverletzten kann der FCI gegen Bochum aber wohl auf alle Spieler zurückgreifen. Mit dem VfL warte "eine große Herausforderung", wie Leitl vermutet, eine Mannschaft, "die sicherlich auch Ambitionen hat und Richtung Tabellenspitze schielt". Der Grund dafür: die Qualitäten in der Offensive. Der VfL sei eine Mannschaft mit Freude am eigenen Ballbesitz, am geordneten Spielaufbau - aber eben auch mit schnellen Akteuren, die ein starkes Umschaltspiel ermöglichen. "Gerade mit Spielern wie Sidney Sam oder Robbie Kruse, die einfach unheimliches Tempo haben, oder Lukas Hinterseer, der gut die Bälle festmacht und als Ballverteiler gilt, haben sie Qualitäten da vorne", erklärt Leitl. Die Ingolstäder Reaktion darauf? Voller Fokus auf sich selbst.

Denn auch wenn man um die Stärken des Gegners weiß, schauen die Schanzer vornehmlich auf das eigene Spiel. Die Trainingssteuerung habe man nicht großartig auf den kommenden Gegner angepasst, vielmehr ging es darum an der eigenen Spielphilosophie zu arbeiten. "Von unserer Grundausrichtung im Spiel wird sich nicht viel ändern", verrät Leitl.

Grundausrichtung, wohlgemerkt. Denn personell, stellt Leitl klar, böten sich ihm durchaus Optionen für Veränderungen in der Startformation. Im Testspiel gegen St. Gallen sammelten einige Akteure Spielpraxis. Robin Krauße zum Beispiel, auch Nico Rinderknecht oder Paulo Otavio - und eben Charlison Benschop, der prompt ein Tor erzielte. Frage auf der Pressekonferenz: "Kann er auch schon wieder in einem Pflichtspiel in der Startelf stehen?" Antwort Leitl: "Ja."

Ob es wirklich dazu kommen wird, soweit wollte sich Leitl nicht in die Karten blicken lassen. Dass der Stürmer für die Schanzer aber noch von gesteigerter Bedeutung sein werde, daran hegt Leitl keinen Zweifel. Eine "unheimliche Präsenz" im Strafraum und Beweglichkeit gleichermaßen zeichnen den Stürmer aus. Außerdem Abschlusstechnik und Spielverständnis, Leitl nennt ihn deshalb einen Zielspieler. "Er ist für uns natürlich eine Option für das Spiel am Sonntag", sagt der 41-Jährige.

Ohnehin mache das Programm der kommenden Wochen Rotation nötig. Davon verschont blieb bislang Neuzugang Lucas Galvão, der in allen Spielen durchspielte und zwar zumeist als Linksverteidiger. Bei seinem vorherigen Arbeitgeber Rapid Wien kam er zwar häufig als Innenverteidiger zum Einsatz, ein Problem stellt das veränderte Arbeitsumfeld für den 27-Jährigen aber nicht dar. "Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl", sagt Galvao. "Ich bin ein flexibler Spieler. Ich will spielen, wo mich der Trainer braucht." Das habe man vor dem Wechsel nach Ingolstadt so auch abgesprochen.

Auch der Brasilianer weiß um die Stärke der Bochumer Offensive. Kompakt müsse man bleiben, ansonsten ändere sich an seiner Interpretation der Linksverteidigerposition nicht viel. Insgesamt werde das Zusammenspiel mit seinen Verteidigerkollegen immer besser. Auch deswegen gilt für ihn: "Wir müssen in Bochum mindestens einen Punkt holen." Hilfreich wäre es, erstmals in dieser Saison ohne Gegentor zu bleiben, was trotz guter Leistung auch gegen St. Gallen nicht gelang. Gegen Bochum will Leitl nun beides: Die Mannschaft soll sich weiter entwickeln und stabilisieren, aber ein positives Ergebnis, das will man schon auch mitnehmen.