Gerade erst hatte Bayern-Vordenker Uli Hoeneß seine Bedenken über die bevorstehende Dominanz der Topklubs aus München und Dortmund geheuchelt. Zur gleichen Zeit verpflichten die Bayern dann aber Borussias größtes Versprechen für die Zukunft, verhandeln vermutlich mit deren Stürmer Robert Lewandowski und senden damit vor allem ein Signal: Im Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland sucht der FC Bayern weiterhin zuallererst seinen eigenen Vorteil. Die seit Jahren demonstrierte Strategie, wonach zu diesem Zweck die besten Akteure der Konkurrenz gezielt abgeworben werden, ist dabei aktueller denn je.
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„Ehrlich, es ist überhaupt nicht unser Interesse, den anderen zu schwächen“, hatte Hoeneß vor zwei Monaten noch gesagt. Auch das entpuppt sich inzwischen als Lippenbekenntnis. Pikant ist zudem der Zeitpunkt der Bekanntgabe, der erneut nur den Bayern nutzt. So lenken die Bayern geschickt von der Steueraffäre um Hoeneß ab, während Dortmund einen Tag vor dem Duell mit Madrid den Rummel um Götze überhaupt nicht gebrauchen kann.
 

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Die Bayern-Fans reiben sich derweil die Hände. Zum einen ist beim Götze-Transfer durch die Ausstiegsklausel alles vertragsgemäß abgelaufen. Zum anderen haben es die Bayern erneut geschafft, ihre Mannschaft auf spektakuläre Weise zu verstärken. Das ist – auch wenn es dem Dortmund-Anhänger weh tut – ein legitimes Ansinnen. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass der Spieler selbst sein Okay zu diesem Wechsel gegeben hat.
 
Beim neutralen Beobachter bleibt unterm Strich aber ein ungutes Gefühl. Vor allem, weil sich der FC Bayern entgegen aller Bekundungen recht wenig um das Wohl der einheimischen Liga schert. So sind in der Bundesliga auch keine spanischen Verhältnisse mit nur noch zwei herausragenden Klubs zu erwarten. Der Vergleich mit Schottland, wo Celtic Glasgow als Alleinherrscher gerade zum 44. Mal Meister geworden ist, passt vermutlich bald viel besser. Leider.