Gescheitert
Alles wie immer: Die Salzburger um Stefan Lainer (l) und Smail Prevljak verpassten die Champions League.
Daniel Krug/APA
Salzburg

Es ist schon wieder passiert, zum elften Mal - und Red Bull Salzburg scheint an der Qualifikation für die Champions League zunehmend zu verzweifeln.

„Ich kann sagen, dass in der Kabine Leute sitzen, die heute nicht auf dem Platz waren, und weinen“, sagte Salzburgs deutscher Trainer Marco Rose nach dem Spiel gegen Roter Stern Belgrad, in dem die bessere Mannschaft das Nachsehen hatte.

2:0 führten die Salzburger, die Gruppenphase der Königsklasse schien näher denn je. Doch innerhalb von nur 77 Sekunden kassierte Österreichs Fußballmeister zwei Gegentore - und verpasste durch das 2:2 (1:0) am Mittwoch schon wieder die Champions-League-Gruppenphase. „Wir haben Fehler wie Kinder gemacht. Dafür wurden wir bestraft“, erklärte Salzburgs Stürmer Munas Dabbur, der mit seinen Toren in der 45. und der 48. Minute (Foulelfmeter) noch vermeintlich den Weg geebnet hatte für einen historischen Abend in Salzburg.

Die Gastgeber hatten das Spiel vor 26 500 Zuschauern in der eigenen Arena lange fest im Griff. Doch die Serben nutzten die beiden Möglichkeiten, die ihnen Salzburg durch chaotische Zustände im eigenen Strafraum bot. Zwei hohe Bälle brachten bei den Bullen die Zuordnung durcheinander, beide Male (65./66.) legte Milos Degenek für El Fardou Ben Nabouhane auf - und so stand es plötzlich 2:2. Nach dem mageren 0:0 im Hinspiel reichte das Belgrad, um selbst zum ersten Mal in die Königsklasse aufzusteigen. „Jetzt sind wir wieder die Blöden - wie so oft in den letzten Jahren“, erklärte Salzburg-Sportchef Christoph Freund nach der Partie bei Sky.

Im Internet ist den Österreichern der Hohn über das erneute Scheitern jedenfalls sicher. „Manche Regeln des Fußballs sind für die Ewigkeit: Z.b. Leverkusen wird kein Meister oder RB Salzburg qualifiziert sich nicht für die Champions-League“, erklärte ein User bei Twitter. Ein anderer bringt die Salzburger Champions-League-Bemühungen mit der Fertigstellung des Flughafens BER in Berlin in Zusammenhang. Das gemeinsame Motto: „Dinge, die niemals funktionieren werden.“

Trainer Rose will von einem Fluch aber nichts wissen. Stattdessen richtete der 41-Jährige nach dem ersten Ärger den Blick schon wieder nach vorne: „Es ist eine besondere Geschichte. Ich habe das Gefühl, dass da irgendetwas auf uns wartet, etwas Großes.“ Roses Aufgabe wird es nun sein, die Mannschaft nach diesem Tiefschlag wieder aufzurichten. Eigentlich hatte seine Mannschaft in der noch jungen Saison eine tolle Form bewiesen und bislang kein Spiel verloren.

„Ich habe die Verantwortung für diesen coolen Haufen hier“, sagte der 41-Jährige. „Ich fühle mich sofort in der Pflicht als Trainer dieser Mannschaft, die Leute wieder mitzunehmen und neue Ziele anzugehen.“ Das dürfte die erneute Meisterschaft in der Alpenrepublik sein, es wäre die zehnte, seit Red Bull 2005 den Verein übernommen hat.

Sollte das gelingen, könnte es auch für das schwierige Verhältnis der Salzburger zur Champions League ein Happy End geben. Österreichs Meister 2019 ist nächstes Jahr für die Gruppenphase der Champions League gesetzt, sofern sich der künftige Königsklassen-Sieger über die nationale Liga qualifiziert. Salzburg bliebe dann der lästige Weg über die Playoffs gegen Mannschaften wie HNK Rijeka oder F91 Düdelingen erspart.