Hertha BSC Berlin - RB Leipzig
Leipzigs Torschütze Timo Werner jubelt mit seinen Teamkollegen nach seinem Treffer zum 1:0.
A. Hilse
Berlin

Während sich die Leipziger um den Doppeltorschützen Timo Werner vor der Gästekurve feiern ließen, blieben die Profis von Hertha BSC auf Distanz zu ihren Fans und winkten nach Spielschluss nur kurz in die fast schon leere Ostkurve.

Mit dem 3:0 (1:0)-Sieg bei Hertha BSC am 10. Spieltag der Fußball-Bundesliga ist RB nun schon zehn Pflichtspiele nacheinander ungeschlagen. Für die Berliner, die von ihren Anhängern als Reaktion auf die verschärften Sicherheitsmaßnahmen nach den Ausschreitungen von Dortmund nicht unterstützt wurden, war es die erste Heimpleite in der laufenden Spielzeit. „Das ist kein Alibi“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai zum Stimmungsboykott der eigenen Fans.

„Wir haben angeknüpft an das Pokalspiel, da waren wir auch schon sehr gut. Wir haben es versäumt, schon in der ersten Halbzeit alles klar zu machen, aber über 75 Minuten waren wir schon dominant“, sagte Leipzigs Trainer Ralf Rangnick und lobte seinen Doppel-Torschützen: „Timo ist ein Torjäger. Ich bin froh, dass er wieder so treffsicher ist.“ Herthas Coach Pal Dardai meinte: „Das ist eine verdiente Niederlage für uns. Wir müssen diese Fehler korrigieren. Das war nicht aggressiv genug und keine gute Zweikampfführung.“

Zuletzt hatte das Team von Trainer Pal Dardai zum Abschluss der Vorsaion im Olympiastadion verloren - ebenfalls gegen Leipzig (2:6). Werner (7./53. Minute) sowie der junge Brasilianer Matheus Cunha (75.) sorgten für den aktuellen RB-Sieg.

Als Antwort auf das Kollektiv-Verbot des Vereins, der alle Banner, Spruchbänder, Blockfahnen und Doppelhalter im Stadion verboten hatte, verweigerte der komplette Hertha-Anhang dem Team die akustische Unterstützung. Die Fans verzichteten über eine Stunde auf jede Art von Gesängen und Sprechchören. Die rund 5000 Leipziger Anhänger unter den 50.382 Zuschauern übernahmen die Stimmungshoheit.

„Wir haben gesehen, wofür Stangen und auch Banner eingesetzt wurden letzte Woche“, verteidigte Hertha-Manager Michael Preetz beim TV-Sender Sky nochmals die verschärften Maßnahmen. Die Berliner Ultras stehen nach den massiven Ausschreitungen in Dortmund mit 45 Verletzten unter besonderer Beobachtung. Das Verhältnis zwischen Fans und Club ist schwer gestört. „Natürlich müssen wir an einen Tisch“, sagte Preetz. Kein Dialog sei auch keine Lösung.

Die Gäste-Fans konnten schon in der Anfangsphase jubeln. Nachdem Hertha-Torwart Rune Jarstein nach 55 Sekunden einen Ball von Werner noch aus dem Eck holte, staubte der Leipziger Nationalspieler zur Führung ab. Zuvor hatte Maximilian Mittelstädt mit einem Rettungskopfball seinen eigenen Keeper gefordert, dann schlug er über den Ball. Werner nutzte die Gelegenheit. Cunha hätte kurz danach sogar auf 2:0 erhöhen können, doch der 19-jährige Brasilianer wurde in letzter Sekunde noch von Fabian Lustenberger gestört und schoss aus Nahdistanz über das Tor.

Berlins Trainer Pal Dardai stellte sein Spielsystem schon Mitte der ersten Halbzeit um, Lustenberger rückte aus der zentralen Position der Fünferkette ins defensive Mittelfeld. Im bewährten 4-2-3-1 fühlte sich Hertha wohler. Einen Kopfball von Salomon Kalou erwischte RB-Keeper Peter Gulacsi noch mit der Hand (21.), nachdem der Routinier von der Elfenbeinküste schon zuvor aus sechs Metern den Ball nicht im Leipziger Gehäuse untergebracht hatte (9.).

So bekam Werner noch vor der Pause die Chance zu einem weiteren Treffer. Herthas Verteidiger Nikals Stark aber verhinderte mit einer resoluten Rettungsaktion zunächst Schlimmeres für seinen Club. Vedad Ibisevic hätte dann mit seinen einzigen zwei gefährlichen Aktionen dem Spiel noch eine Wende geben können. Doch der 34 Jahre alte Kapitän fand nicht die richtige Lösung (41./44.).

Nach der Pause übernahm dann Werner die unumstrittene Hauptrolle. Zweimal klärte Berlins Torwart Rune Jarstein noch gegen den durchgebrochenen RB-Stürmer (48., 51.). Beim dritten Versuch aber war auch der Norweger machtlos. Bruma war an Arne Maier vorbeimarschiert, Werner markierte seinen Saisontreffer Nummer sechs. Schließlich erhöhte Cunha in seinem ersten Bundesligaspiel von Beginn an mit seinem ersten Tor noch. 3:0, 6:2, 4:1 heißt jetzt die Leipziger Bilanz in Berlin.