Roman Bürki
Dortmund kann sich auf Torwart Roman Bürki verlassen.
Bernd Thissen
Marbella

Manuel Neuer - wer sonst? Über Jahre galt der Weltstar des FC Bayern als bester Torhüter der Bundesliga. Doch nach der Hinserie führt Roman Bürki die in der Szene vielbeachtete Rangliste des Fachmagazins „Kicker“ an.

Dass ihn zudem die Bundesliga-Profis in einer Umfrage zum derzeitigen Primus zwischen den Pfosten kürten, erfüllt den Dortmunder mit Stolz. „Es bedeutet mir sehr viel. Aber wenn es am Saisonende immer noch so ist, würde es mich noch sehr viel mehr freuen“, kommentierte er voller Hoffnung auf eine ebenso famose Rückrunde für sich und sein Team.

Zwar steht der 28-Jährige nicht so im Rampenlicht wie seine Teamgefährten Marco Reus, Axel Witsel oder Paco Alcácer, hat sich aber beim Herbstmeister den Rang eines Schlüsselspielers erworben. Seine vierte Saison beim Revierclub ist die mit Abstand beste. Der regelmäßige Rat eines Mentaltrainers und die akribische Arbeit mit Torwart-Trainer Matthias Kleinsteiber machen sich bezahlt. „Ich habe die Balance zwischen Anspannung und Lockerheit gefunden“, antwortete der momentan leicht angeschlagene Bürki (Muskelprobleme im Oberschenkel) im Trainingslager der Borussia an der Costa del Sol auf Fragen nach seinem Formanstieg.

Die vergangenen Jahre verliefen nicht so reibungslos. Allein in der vorigen Saison gab es diverse Patzer. So musste Bürki nach dem Spiel gegen seinen ehemaligen Club aus Freiburg Kritik verkraften, als er einen Schuss von Nils Petersen aus 30 Metern passieren ließ. Die anschließenden Schlagzeilen machten dem Keeper nach eigenem Bekunden reichlich zu schaffen: „Ich hatte enorme Schwierigkeiten, mit Kritik umzugehen. Aber du musst einen Weg finden, damit fertig zu werden.“

Kleine Rituale helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So wie das kurze Telefonat mit seinem besten Kumpel kurz vor der Abfahrt zu jedem Pflichtspiel. Oder die noch im Hotelzimmer angefertigten kleinen Zettel, auf denen Bürki die Ziele für das kommende Spiel notiert. Ein selbstkritischer Blick zurück trug ebenfalls zur Trendwende bei: „Die vergangene Spielzeit war nicht so, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Ich habe lange analysiert, was ich falsch gemacht habe“, sagte Bürki, „ich konnte einen Strich ziehen und mir sagen, jetzt geht es wieder von Null los“.

Diese einfache Strategie funktionierte. Gleich in der ersten Partie gegen Leipzig bot Bürki eine starke Leistung und war damit Garant für den glücklichen 4:1-Erfolg der Borussia. „Das war ein wegweisendes Spiel - für mich und für die ganze Mannschaft. Da gehst du gleich mit einem viel besseren Gefühl in die Saison“, sagte er.

Der am Sonntag in Marbella verkündete Entschluss, bis auf weiteres nicht mehr für die Schweizer Nationalmannschaft zu spielen, soll zur weiteren Fokussierung auf den BVB beitragen: „Ich habe gemerkt, dass es sehr wichtig für mich ist, auch mal durchzuschnaufen und auch mal ein, zwei Tage frei zu haben.“

Dass er im Nationalteam nur die Nummer 2 hinter dem Mönchengladbacher Yann Sommer war und deshalb nur gelegentlich zum Einsatz kam, erleichterte die Entscheidung, eine Auszeit zu nehmen. „Neun Spiele in sechs Jahren ist sehr wenig für einen Torwart, der bei Borussia Dortmund spielt. Das war vielleicht 10 Prozent, die dazu gekommen sind, um zu sagen, ich muss das jetzt so machen.“