Siegtreffer
Thomas Müller (r) feiert Siegtorschütze Nico Schulz (M), Peru-Keeper Gallese ist geschlagen.
Arne Dedert
Sinsheim

Die Nummer 20 der Fifa-Weltrangliste ist eben nicht der aktuelle WM-Titelträger. Also musste es gestern Abend auch in Sachen Kombinationen, Ideen, Überraschungsmomente nach vorne ein bisschen mehr sein als beim torlosen Remis am Donnerstag gegen Frankreich – das Ganze bitte zustande gebracht von frischem Personal. Denn wenn in einem Testspiel gegen Peru, wann sollte Joachim Löw denn dann etwas Neues ausprobieren? Das wusste natürlich auch der Bundestrainer und handelte. Seine wohl gravierendste Änderung im Vergleich zum jüngste DFB-Match in der Allianz Arena: Er ließ Nico Schulz ran – und den gebürtigen Berliner damit ausgerechnet in seiner derzeitigen sportlichen Heimat, dem Kraichgau, sein Länderspieldebüt feiern.

Und ja, der 25-Jährige dankte es ihm auch mit einer von Beginn an sehr couragierten Vorstellung im Spiel nach vorne. Dummer nur, dass er seine eigentliche Kernaufgabe, nämlich auf der linken Seite der Viererabwehrkette nichts Gefährliches der Südamerikaner zuzulassen, zunächst nicht ganz so zuverlässig erfüllte. Besonders eklatant sein nahezu anfängerhaftes Zweikampfverhalten in der 22. Minute - und da Keeper Marc Andre Ter Stegen beim anschließenden Schuss von Luis Advincula ins kurze Eck ebenfalls nicht toll aussah, stand es plötzlich 1:0 für Peru.

Führung
Niklas Süle kommt zu spät, Perus Luis Advincula (r) schießt zur Führung der Gäste ein.
Uli Deck
Sinsheim

Von wegen Sicherheit zuerst, von wegen „die Null muss stehen“. Dass die Deutschen zu diesem Zeitpunkt schon längst hätten führen müssen, dass Matthias Ginter (13.) und Marco Reus (20.) bis dahin schon klarste Torgelegenheiten vergeben hatten – es machte den Schulz-Aussetzer noch ärgerlicher. Andererseits dauerte es nach dem Rückstand nur knappe drei Minuten, dann war der kleine Betriebsunfall bereits wieder repariert: Toni Kroos, der gestern erstmals als DFB-Kapitän fungieren durfte, bereitete vor – Julian Brandt, der für Thomas Müller in die Startelf gerückt war, schloss technisch hochwertig zum Ausgleich ab. Na also, es ging doch.

Aber nicht nur Brandt nutzte seine Chance, die ihm Löw gestern gab. Ilkay Gündogan, der diesmal für Leon Goretzka anfangen durfte, überzeugte ebenfalls – mit irrem Laufpensum, als ständige Anspielstation, als kreativer Passgeber im Mittelfeldzentrum. Und ja, um ein Haar wäre der gebürtige Gelsenkirchener sogar als Torschütze in Erscheinung getreten – wenn Perus Schlussmann Pedro Gallese nicht doch noch sensationell per Fußabwehr geklärt hätte (38.). Schade für ihn, schade für die deutsche Mannschaft.

Ausgleich
Julian Brandt (l) lässt Peru-Keeper Pedro Gallese (r) keine Chance und schiebt zum 1:1 ein.
Arne Dedert
Sinsheim

Das DFB-Team hatte sich zweifellos eine Menge vorgenommen, wollte den Sieg gerade mit zunehmender Spieldauer förmlich erzwingen. Zugegeben: Für die 25494 Zuschauer in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena war dies höchst unterhaltsam, denn es entwickelte sich immer mehr ein offener Schlagabtausch. Eine Grundordnung im deutschen Spiel? Klare Absicherungen nach hinten? Nicht mehr zu erkennen – wohl sehr zum Ärger von Bundestrainer Löw.

So fand sich Raul Ruidiaz plötzlich mutterseelenallein vor dem DFB-Kasten wieder (48.), zehn Minuten später hatte de Ex-Schalker Jefferson Farfan das gleiche Vergnügen. Nur gut für Jogis Truppe, dass die Südamerikaner diese beiden „Hundertprozentigen“ versiebten – und dass Ter Stegen zudem bärenstark gegen Raul Aquino rettete (54.) . Eine Führung für die „La Blanquirroja“ wäre in dieser Phase nicht unverdient gewesen.