Wild Panthers
Die Olympischen Spiele fest im Blick: Andrea Lanzl, Manuela Anwander und Maritta Becker (von links) spielen hauptberuflich Eishockey beim ERC Ingolstadt.
Sabine Olfen
Wie sind Sie zum Eishockey gekommen?

Maritta Becker: Bei mir liegt der Sport in der Familie. Da ich drei Brüder habe, ist es naheliegend, dass wenn die spielen, dass die kleine Schwester auch zum Eishockey geht. Das ist meine Geschichte.
 
Manuela Anwander: Mein Onkel hat einen Eishockeyladen. Meine Mutter arbeitet im Kiosk einer Eishalle und da war ich auch öfter dabei. So hat es angefangen. 
 
Andrea Lanzl: Meine beiden älteren Geschwister spielten und ich war da immer dabei. Und so gab es keine andere Wahl. 
 
Was ist für Sie die Besonderheit an diesem Sport?
 

Becker: Für mich ist es das Dynamische, auf engem Raum Körperkontakt haben, diese Schnelligkeit zu nutzen. Mich reizt eigentlich die Dynamik an dieser Sportart. Spielen auf engem Raum ist für mich das Größte am Eishockey und das Schnelle nach vorne und sofort wieder umschalten in die Defensive, das ist das Schöne. 
 
Anwander: Da kann ich nur zustimmen. Es ist immer etwas anderes. Man kann Überzahl, man kann Unterzahl spielen, man kann alles trainieren. Es ist nie langweilig. 
 
Lanzl: Sonst fällt mir nur noch ein, dass es ein Mannschaftssport ist. Dass man nicht alleine etwas gewinnen kann, sondern, dass alles stimmen muss. 
 
Die wohl meist gestellte Frage: Was ist der Unterschied zum Männer-Eishockey?
 

Anwander: Der härtere Körperkontakt und die Kraft beim Schießen. 
 
Frauen und Eishockey – haben Sie generell mit Vorurteilen zu kämpfen? Oder gibt es auch mal einen Machospruch zu hören?
 

Becker: Ich denke, diese Aussagen oder Machosprüche gehören inzwischen so bisschen der Vergangenheit an. Gerade aufgrund dessen, dass die Männer sehen, wie viel wir in den Sport ininvestieren und wie weit sich das in den letzten Jahren, gerade in der Athletik und im technischen und taktischen Bereich, weiterentwickelt hat, werden die Vorurteile weniger. Aber natürlich, das ein oder andere hat man noch. Aber es gibt auch viel Zuspruch inzwischen. 
 
Sie sind auch in der Nationalmannschaft. Wie fühlt man sich, wenn man dieses Ziel erreicht hat?
 

Lanzl: Generell ein tolles Gefühl, dass man zu den besten aus Deutschland gehört. Persönlich freut es mich, dass man als Vorbild vorangehen kann und zum Teil einfach muss. 
 
Was investiert man, um dieses Ziel zu erreichen?
 

Becker: Ich glaube, das ist eine ganze Menge, die man da investiert. Aufgrund dessen, dass bei uns die Strukturen und die Bedingungen noch nicht ganz so gut sind wie bei den Männern, müssen wir sehr viel Geld investieren, wir müssen auch sehr weite Fahrwege in Kauf nehmen. Dadurch kommt auch vieles zu kurz – wie die Familie oder die sozialen Kontakte, weil wir einfach mit viel mehr Herz dabei sein müssen. Aber wenn unter dem Strich dann was rauskommt, dann macht man das natürlich auch gerne. 
  
Wie arrangieren sich Familie und Freunde?
 

Anwander: Bei mir ist es so, dass sie es schon verstehen. Jetzt mit Olympia verstehen sie es noch mehr. Viele kennen sich im Freundeskreis im Sportlichen nicht so aus, aber Olympia oder Weltmeisterschaft haben sie dann doch schon mal gehört. Es ist zwar schade, immer alles absagen zu müssen, aber man weiß ja, wofür man es tut. 
 
Ist das Olympiajahr etwas Besonderes? Die Männer haben Sie ja schon abgehängt. Ist ein bisschen Genugtuung dabei?
 

Lanzl: Nein. Es ist schade, dass es die Männer nicht geschafft haben. Wir wissen aber: Wir haben es geschafft. Das Ziel ist einfach, dort gut abzuschneiden. 

Gibt es eine besondere Vorbereitung?
 

Becker: Es wird so ablaufen, dass nicht jede Nation vor den Olympischen Spielen – wie zum Beispiel Kanada – den Luxus hat, die ganze Nationalmannschaft ein Jahr komplett zusammen zu haben. Bei uns ist das so, dass wir im Drei- bis Vier-Wochen-Zyklus einen fünf- bis siebentägigen Nationalmannschaftslehrgang haben. Ich denke, das sind bis Februar fünf oder sechs Lehrgänge, wo wir auch auf 50 bis 60 Tage kommen. Das ist auch eine gute Vorbereitung. 
 
Anwander: Wir haben jetzt auch mehr Bundeswehrplätze bekommen. Das heißt, es gibt noch mehr Leute, die noch mehr Zeit haben zu trainieren. Die treffen sich meistens auch noch zwei oder drei Tage vorher, um noch mal zusammen zu trainieren. 
 
Wenn wir noch mal auf den Verein blicken: Wie viel Zeit kostet es in der Woche mit Training, Spielen und Auswärtsfahrten?
 

Anwander: Ja, gut, bei der Bundeswehr heißt es ja zweimal am Tag trainieren. Wir fahren alle mehr als eine Stunde ins Training. Für eine Stunde Eiseinheit, muss man schon mal fünf bis sechs Stunden rechnen. Dann ist der halbe Tag fast schon rum. Für die andere Einheit von Kraft und Ausdauer muss man auch noch mal irgendwo hinfahren, da sind dann auch wieder drei Stunden rum. Das ist schon ein täglicher Aufwand.
 
Wie geht das überhaupt mit Schule und Beruf?
 

Becker: Gut, wir drei haben natürlich den Luxus, dass wir unser Hobby, gerade im olympischen Jahr, zum Beruf gemacht haben und wir können uns voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Wer zu Olympia will, bei dem muss das inzwischen auch so sein, weil die Ansprüche extrem hoch sind. Im Verein ist das natürlich nicht ganz so der Luxus. Die Spielerinnen arbeiten Vollzeit. Wir können halt nicht drei- bis viermal in der Woche mit der ganzen Mannschaft trainieren. Es gibt ein bis zwei Trainingseinheiten, in denen die ganze Mannschaft komplett ist. Das ist fast ein bisschen zu wenig auf dem Niveau, auf dem wir jetzt schon spielen. 
 
Die Härte haben Sie vorhin schon angesprochen. Den einen oder anderen blauen Fleck wird es wohl doch geben. Muss da mal auf den Minirock verzichten, um Blessuren zu verstecken?
 

Anwander: (lacht) Ja, gut im Winter bleibt eh nicht die Zeit, irgendwas Schickes zu machen. Von dem her passt es auch wieder ganz gut. 
 
Wie gehen Sie generell mit Verletzungen um?
 

Lanzl: Das gehört dazu. Mal erwischt es einen schlimmer, mal nicht. Das hat man nicht selbst in der Hand. Man weiß ja, welchen Sport man gewählt hat.
 
 

Maritta Becker

Maritta Becker
Sabine Olfen
Alter: 32 Jahre
Position: Linke Außenstürmerin oder Center
Spielt seit: 1990
Stichwort, das sie mit dem Sport verbindet: Leidenschaft
 
Die 32-Jährige spielt seit 1990 Eishockey, für den ERC Ingolstadt schnürt die Nationalspielerin seit dieser Saison die Schlittschuhe. Becker kam in der aktuellen Saison der Deutschen Frauen-Eishockey-Liga (DFEL) fünfmal zum Einsatz, erzielte dabei zwei Tore und bereitete sechs Treffer vor. Die Angreiferin – Becker kann sowohl Außenstürmerin als auch Center spielen – ist damit punktbeste Spielerin des ERC.
 

Manuela Anwander

Manuela Anwander
Sabine Olfen
Alter: 21 Jahre
Position: Rechte Außenstürmerin
Spielt seit: 1999
Stichwort, das sie mit dem Sport verbindet: Spaß
 
Seit 1999 jagt die 21-Jährige der schwarzen Hartgummischeibe hinterher. Beim ersten von drei Testspielen der Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft am Donnerstagabend erzielte die Angreiferin das einzige Tor bei der 1:2-Niederlage gegen Russland – Vereinskollegin Maritta Becker bereitete den Treffer vor. In der DFEL traf Anwander bislang dreimal, zudem konnte sie zwei Assists verbuchen.
 

Andrea Lanzl

Andrea Lanzl
Sabine Olfen
Alter: 26 Jahre
Position: Stürmerin
Spielt seit: 1991
Stichwort, das sie mit dem Sport verbindet: Schnelligkeit und Spaß
 
Ein Tor und vier Vorlagen – so lautet die Bilanz der 26-Jährigen nach fünf Saisonspielen in der DFEL. Die 26-Jährige wechselte wie Maritta Becker vor dieser Saison zum ERC Ingolstadt, nachdem sie zuvor beim ESC Planegg-Würmtal auf Torejagd ging.