Plötzlich Stürmer: Ville Koistinen wurde zuletzt als Angreifer eingesetzt und erzielte dabei gleich zwei Tore.
Plötzlich Stürmer: Ville Koistinen wurde zuletzt als Angreifer eingesetzt und erzielte dabei gleich zwei Tore.
Oliver Strisch
Ingolstadt
Als Thomas Greilinger sein erstes Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bestritt, war Gerhard Schröder noch Bundeskanzler in Deutschland, man zahlte mit D-Mark, trug Capri-Hosen, und in den deutschen Charts lief DJ Ötzis "Anton aus Tirol". Im Frühjahr 2000 gab der Deggendorfer mit den München Barons sein Debüt in der DEL. Zwei Meisterschaften, 275 Tore und ein zwischenzeitliches Karriereende später absolviert der 37 Jahre alte Stürmer am Freitagabend im Derby gegen Augsburg sein 800. Liga-Spiel.

"Das ist mit Sicherheit eine Ehre, das schafft nicht jeder. Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele Spiele zusammenbringe", sagt Greilinger. "Es ist natürlich schon schön, so eine Zahl zu erreichen." Alleine 552 Partien bestritt der Niederbayer seit 2008 für Ingolstadt und steht kurz vor dem Klubrekord, den Verteidiger Jakub Ficenec mit 560 Spielen hält. "An der Zahl sieht man, was man geleistet hat", sagt Greilinger. "Denn es ist ja nicht Alltag, so lange in der Liga zu spielen. Da kann man schon ein bisschen stolz drauf sein."

Doch selbst nach so vielen Partien in Ingolstadt gibt es für den Jubilar immer wieder etwas Neues zu erleben - wie jüngst beim 4:3-Sieg des ERC gegen die Schwenninger Wild Wings, als plötzlich ein Verteidiger neben ihm auflief. ERC-Trainer Doug Shedden hatte den Finnen Ville Koistinen überraschend neben dem ERC-Urgestein und Petr Taticek in den Angriff beordert. Ob das am Freitag wieder so ist? "Ich habe als Stürmer gespielt, das hat mir total gut gefallen. Ich mag das, da darf man ein bisschen mehr skaten", sagt der Finne. "Aber eigentlich bin ich mehr das Bindeglied zwischen Sturm und Verteidigung. "

Doch Sheddens Plan war aufgegangen: Koistinen erzielte gegen den Tabellenletzten bei seinem Stürmer-Debüt im ERC-Trikot gleich zwei Tore. Er sei wie ein Diesel, der erst einmal warm werden müsse, hatte der 36-Jährige zu Saisonbeginn gesagt. Ist er jetzt in Gang? "Noch nicht ganz", sagt Koistinen und lacht. "Ich brauche noch etwas. Ich habe jetzt zwei Tore gemacht, aber man muss erst einmal abwarten, wie die nächsten Spiele laufen. Ich hoffe, es läuft so gut weiter."

Das muss es auch für den ERC. Gegen Schwenningen hatten die Panther den ersten Sieg nach zuvor vier Niederlagen in Folge gefeiert und brauchen nun dringend ein weiteres Erfolgserlebnis, um die Krise der vergangenen Wochen endgültig hinter sich zu lassen. "Ich wünsche mir, dass das der Wendepunkt war. Das war eine etwas schwere Zeit nach der Länderspielpause", sagt Koistinen. "Wir müssen dringend wieder die Punkte machen. Wir dürfen uns keinen solchen Absturz mehr erlauben."

Die Schwaben stehen als aktueller Tabellendritter allerdings deutlich besser da als Schlusslicht Schwenningen und haben die Ingolstädter in der Vorbereitung und in der Liga in dieser Saison bereits zweimal mit 3:1 geschlagen. Für Koistinen jedoch kein Grund, die Flinte schon frühzeitig ins Korn zu werfen. "Wir können Augsburg auf jeden Fall schlagen, das müssen wir sogar", sagt der Finne. "Wir müssen hart arbeiten und zeigen, dass wir hier der Boss sind."

Schon alleine für Greilinger möchte der ERC die Punkte in Ingolstadt behalten, der Deggendorfer soll sein Jubiläum schließlich mit einem Sieg feiern. Doch auch ihm ist bewusst, welch schwere Aufgabe bevorsteht. "Augsburg ist natürlich ein anderes Kaliber", sagt Greilinger. Klappen muss es trotzdem - schließlich sollen zu den 800 noch möglichst viele Spiele in dieser Saison hinzukommen.

 

ERC Ingolstadt in Kürze

Personal: ERC-Trainer Doug Shedden muss gegen die Augsburger Panther lediglich auf Tim Wohlgemuth verzichten. Der Stürmer ist weiter mit dem U 20-Nationalteam im Einsatz. Im letzten Testspiel vor dem WM-Auftakt am Sonntag (16.30 Uhr) gegen Österreich gelang dem 19-Jährigen ein Treffer beim 5:2 gegen Frankreich. Darin Olver kehrt nach seinen Rückenproblemen zurück. Ob Neuzugang Brandon Mashinter bereits spielen wird, will Shedden im Abschlusstraining entscheiden. Der kanadische Stürmer war erst am Donnerstag in Ingolstadt angekommen. Im Tor wird wohl erneut Timo Pielmeier stehen, obwohl Shedden beim Goalie Verbesserungspotenzial sieht.

Jubiläum: Thomas Greilinger bestreitet am Freitag sein 800. DEL-Spiel. Die Panther laufen zudem zum ersten Mal in ihren Weihnachtstrikots auf. Das neue Outfit wird in allen Heimspielen bis zum 26. Dezember zu sehen sein. Donnerstagnachmittag waren noch 500 Tickets verfügbar.

Gegner: Die Augsburger haben fünf Siege in den jüngsten sechs Spielen gefeiert. Auch das erste Aufeinandertreffen der Saison entschieden die Schwaben mit 3:1 für sich. Der ERC muss vor allem auf den starken Sturm des Tabellendritten achten: Bei den jüngsten drei Siegen erzielten Adam Payerl, Matt Fraser und der zuletzt angeschlagene Topscorer Matt White (12 Tore/15 Vorlagen) jeweils einen Hattrick. Torhüter Olivier Roy gelangen bereits vier Shut-outs. Verteidiger Arvids Rekis droht auszufallen.