Während Shedden gestern seine Kabine in den Katakomben der Saturn-Arena bezog, nahm er sich kurz für ein Gespräch mit unserer Zeitung Zeit.


Herr Shedden, willkommen zurück. Was macht mehr Spaß: Wieder in der Eishalle zu sitzen und den Trainingsauftakt vorzubereiten? Oder den Strand bei Ihrem Ferienhaus auf Marco Island/Florida zu genießen?

Doug Shedden: (lacht) Mir fällt es ehrlich gesagt immer schwer, Abschied zu nehmen. Meine Töchter gehen inzwischen ja ins College und meine Frau kümmert sich gerade um die Renovierung unseres Hauses auf Marco Island. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr (Doug Shedden war zu Saisonbeginn ohne Vertrag, d. Red. ) fällt mir die Umstellung daher schon etwas schwerer. Aber sobald ich dann wieder ein paar Tage in der Eishalle bin, gehe ich schnell zur Tagesordnung über - wobei, mir wird das Golfspielen schon fehlen (grinst).


Sind Sie denn mit einem anderen Gefühl ins Flugzeug gestiegen als in der vergangenen Saison, als Sie mitten im Winter beim ERC auf Tommy Samuelsson folgten?

Shedden: Wir haben jetzt fünf Wochen Zeit für die Vorbereitung und keine Hektik wie in der vergangenen Saison, als die Mannschaft nicht auf einem Play-off-Platz stand. Deswegen ist es natürlich angenehmer, wenn man ab Saisonbeginn arbeiten kann.


Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Kader?

Shedden: Larry (Sportdirektor Mitchell, d. Red. ) und ich haben uns nach der vergangenen Saison hingesetzt und uns die Frage gestellt, was wir unternehmen können, um das Team zu verbessern. Über unsere Torhüter (Timo Pielmeier und Jochen Reimer, d. Red. ) brauchten wir nicht zu reden, das ist das beste Duo in der Liga. In der Verteidigung war unser größtes Anliegen, dass wir Ville Koistinen halten können - und das ist uns zum Glück gelungen. Zudem haben wir mit Maury Edwards einen spielstarken Abwehrspieler dazubekommen, weshalb ich mit unserer Verteidigung sehr zufrieden bin.


Mit Probespieler Colton Jobke unterschrieb zuletzt noch ein weiterer Verteidiger, der aufgrund seiner körperbetonten Spielweise der Mannschaft sicher auch längerfristig gut zu Gesicht stehen würde, oder?

Shedden: Auf alle Fälle, er ist ein robuster Bursche. Wir haben einige kleinere Spieler, deswegen wird er uns helfen. Er wird die Rolle von Matt Pelech einnehmen, mit dem wir uns am Ende leider nicht einigen konnten.


Und wie schätzen Sie die Veränderungen im Angriff ein?

Shedden: Das Karriereende von John Laliberte hat uns schon getroffen. Aber wir haben mit Tyler Kelleher, Vili Sopanen, Jerry D'Amigo, Pat Cannone oder Jordan George Stürmer geholt, die uns mehr Durchschlagskraft geben sollten. Unser Ziel war, dass Brett Olson nicht unser Nummer-eins-Center ist, sondern seine Stärken in einer Checking-Reihe ausspielen kann. Hoffentlich zeigt Cannone das, was wir uns von ihm erwarten, und dass er die erste Reihe anführt.


Es gibt noch kleinere Fragezeichen hinter Laurin Braun und Benedikt Kohl. Braun verletzte sich im Sommertraining an der Hand, Kohl machten die Folgen einer Viruserkrankung zu schaffen. Sind beide bereit für den Trainingsauftakt?

Shedden: Laurin Braun hat einen gebrochenen Finger und fehlt noch ein paar Tage. Das sollte aber nicht mehr allzu lange dauern. Benedikt Kohl ist bereit. Er hat ein paar Kilo an Muskelmasse zugelegt, hoffentlich kann er voll mitziehen.


Sportdirektor Larry Mitchell hat bereits angekündigt, dass die Nachwuchsspieler Simon Schütz und Tim Wohlgemuth in der Vorbereitung eine echte Chance bekommen sollen. Wie planen Sie mit den beiden?

Shedden: Es wird darauf ankommen, wie sie sich in der Vorbereitung schlagen. Durch die neue U23-Regel müssen wir ja ohnehin einen von beiden im Spiel einsetzen. Simon Schütz habe ich wegen seiner Verletzung ja noch nie spielen sehen, Tim Wohlgemuth hat seine Sache zuletzt mit der U20-Nationalmannschaft gut gemacht. Ich bin gespannt, wie sie sich mir präsentieren werden.


Worauf liegt der Fokus in der Vorbereitung?

Shedden: Erst einmal geht es natürlich darum, dass wir uns alle gegenseitig kennenlernen. Ich muss ein Gefühl dafür entwickeln, was wer zu leisten im Stande ist und wer mit wem am besten harmoniert. Vor allem ist es mir aber wichtig, dass unser Überzahlspiel besser funktioniert als vergangene Saison.


Es ist wahrscheinlich noch zu früh zu beantworten. Aber: Welche Rolle trauen Sie Ihrer Mannschaft in der neuen Saison zu?

Shedden: Wenn Sie unseren Spielstil meinen, dann denke ich schon, dass wir dank unserer Neuzugänge mehr Tore schießen können. Wir wollen so offensiv wie möglich spielen. Wir haben mit Ville Koistinen, Maury Edwards, Sean Sullivan oder Dustin Friesen mehrere Verteidiger, die über einen guten Spielaufbau verfügen und die Stürmer entsprechend in Szene setzen können.


Und welches Saisonziel streben Sie nach der direkten Play-off-Qualifikation in der vergangenen Spielzeit an?

Shedden: Das ist in der Tat schwer zu beantworten. Ich hoffe natürlich, dass wir ein Top-Sechs-Team sein werden - und dass das unser Ziel ist. Aber ich habe die anderen Mannschaften und deren Wechsel bislang ja auch nur auf dem Papier gesehen.



Das Gespräch führte Julian Schultz.