Nervenaufreibendes Duell: Der ERC Ingolstadt um Joachim Ramoser (links) gewann die Partie gegen Iserlohn und holte damit den ersten Sieg gegen die Roosters im dritten Aufeinandertreffen der Saison.
Nervenaufreibendes Duell: Der ERC Ingolstadt um Joachim Ramoser (links) gewann die Partie gegen Iserlohn und holte damit den ersten Sieg gegen die Roosters im dritten Aufeinandertreffen der Saison.
Traub
Ingolstadt
Für die ERC-Fans unter den 4031 Zuschauern in der Saturn-Arena hätte es ein entspannter Sonntagnachmittag werden können. Die Panther führten gegen die Iserlohn Roosters souverän mit 3:0 und waren auf dem besten Weg zum Sieg gegen das auswärtsschwächste Team der Liga. Doch dann unterlief Pat Cannone ein folgenschwerer Fehler, der zum Tor für die Gäste führte. Es folgten der 3:2-Anschlusstreffer der Roosters - und ein nervenaufreibender Schlussspurt, in dem die Panther den Dauerattacken der Gäste vom Seilersee nur mit ordentlich Dusel entkamen.

"Alles lief gut, bis Cannone dieser Fehler unterlief, als er den Puck auf den Schläger des Gegners spielte", meinte ERC-Trainer Doug Shedden, der auf die angeschlagenen Ville Koistinen und Brett Olson verzichten musste und dafür auf Laurin Braun und Joachim Ramoser setzte. "Wenn du 3:0 in Führung liegst, sollte man keine blinden Pässe spielen", kritisierte Shedden. "Du musst geduldig bleiben. Aber wir haben ihnen Auftrieb zur falschen Zeit gegeben, das hat mich schwer enttäuscht."

In den zwei Schlussminuten stürmten die Roosters unaufhörlich auf das Tor von Timo Pielmeier. Während sie ihren Goalie Sebastian Dahm durch einen Feldspieler ersetzten, gerieten die Panther nach einer Strafe für Petr Taticek auch noch in Unterzahl (59.) und hatten alle Hände voll zu tun, die Angriffe der Gäste um Liga-Topscorer Jonathan Matsumoto abzuwehren. "Wir haben viel zu viel gezittert", meinte Benedikt Kohl. "Uns ist am Schluss vielleicht ein bisschen die Kraft ausgegangen, Iserlohn hatte nichts mehr zu verlieren und hat alles nach vorne geschmissen. Deshalb können wir sehr zufrieden sein mit unseren drei Punkten."

Dieses Gefühl haben die Gäste lange nicht mehr erlebt. Für Iserlohn um Meisterpanther Travis Turnbull war es die zehnte Niederlage in Folge, seit fast einem Monat haben die Roosters nicht mehr gewonnen und stehen nun auf dem letzten Tabellenplatz. "Im letzten Drittel hätten wir fast das 3:3 gemacht", meinte Trainer Jamie Bartman nach der Partie und analysierte: "Den Unterschied macht der Killerinstinkt über 60 Minuten."

Dabei ging seine Mannschaft äußerst mutig in die Partie. Gleich zu Beginn hatte Rookie Lean Bergmann zweimal die Chance zur Führung (3.), auch Marko Friedrich scheiterte aus zwei Metern Entfernung nur knapp (6.). Doch die Ingolstädter agierten im ersten Drittel äußerst präzise: Nach einem Querpass von Sean Sullivan knallte Thomas Greilinger den Puck in Überzahl zum 1:0 ins lange Eck (9.). In der 17. Minute verwertete dann Cannone nach einem sehenswerten Spielzug seinen Schuss zum 2:0. Schon kurz zuvor hatte Tyler Kelleher einen Treffer knapp vergeben (17.).

Die Iserlohner kamen selten vor das Tor der Panther. Anthony Camara, ebenfalls einer der besten Torschützen der DEL, versuchte es in Überzahl im Duell mit Pielmeier, zog jedoch den Kürzeren (13.). Die besseren Torchancen aber hatten die Gastgeber: Jerry D'Amigo vergab aus der Drehung (18.), und als Cannone einen Schuss von Sullivan abfälschte, fehlten ebenfalls nur ein paar Zentimeter (19.).

Doch nach der ersten Pause spielten nur noch die Sauerländer: Daine Todd scheiterte vorm leeren Tor (21.), Camara im Powerplay am Pfosten (24.). Neun Minuten dauerte es, ehe der ERC nach einem Konter durch Sullivan das erste Mal wieder ein Lebenszeichen von sich gab. Fortan waren die Panther wieder präsenter, doch D'Amigo und Greilinger (31.) sowie Kelleher (32.) hatten noch kein Glück. Das war erst Kohl beschieden: Mit einem passgenauen Schuss in den Winkel erhöhte der Berchtesgadener zum 3:0 (35.).

"Dass der Schuss da oben rein geht, ist wahrscheinlich auch ein bisschen Glückssache", meinte der bescheidene Torschütze, der dennoch ein großes Lob seines Trainers erhielt: "Das 3:0 war der Schlüssel zum Sieg", befand Shedden. "Das war ein unglaublicher, ein perfekter Schuss."

Und zunächst der Schlusspunkt unter den Iserlohner Angriffssturm. Kurz vor der Schlusssirene lief Ramoser nach einem Konter alleine auf Roosters-Goalie Dahm zu, verpasste jedoch die Vorentscheidung (40.). Und so mussten die Panther-Fans dank Cannones Fehler doch noch einmal ordentlich zittern. Matsumoto bedankte sich und traf in Unterzahl zum 3:1 (43.). Luigi Caporusso ließ den 3:2-Anschlusstreffer folgen (58.), ehe die Schlussoffensive der Roosters begann, die die Panther im Teamwork um Goalie Pielmeier am Ende doch noch glücklich überstanden.

"Einige der Jungs sind hervorgetreten und haben sich gut gewehrt, sie haben sich aufgeopfert am Ende des letzten Drittels. Aber es hätte gar nicht so weit kommen brauchen", meinte Shedden, der erleichtert, aber nicht ganz glücklich war. "Wir dachten, wir hätten eine richtig gute Chance, um an diesem Wochenende in die Top sechs vorzustoßen. Wir wollten sechs Punkte machen, haben aber nur drei geschafft", meinte der ERC-Coach. "Wir sind glücklich über den Sieg heute, aber es hätte noch besser laufen können."

Das soll es an diesem Freitag (19.30 Uhr) im Sechs-Punkte-Spiel beim Tabellenvierten Pinguins Bremerhaven, zu dem Shedden die angeschlagenen Koistinen und Olson zurückerwartet.

Stimmen zum Spiel

Jamie Bartman, Trainer Iserlohn
Ingolstadt hat mehr vom ersten Drittel gehabt. Im zweiten Drittel sind wir besser ins Spiel gekommen und haben viel riskiert. Im letzten Drittel hätten wir fast das 3:3 gemacht, aber wir reden über eine Zeit. in der wir viele Spiele ganz knapp verlieren. Den Unterschied macht der Killerinstinkt über 60 Minuten. Es geht nicht nur ums Toreschießen  - es geht um alle Kleinigkeiten: Konter, Wechsel, zu lange Einsätze auf dem Eis. Der Wille der Mannschaft ist da - keine Frage. Sie versuchen alles, aber die kleinen Details fehlen. Sie sind zwar da, aber nicht oft genug. 
 
Doug Shedden, Trainer ERC

Alle Spiele gegen die Roosters waren bisher harte Spiele. Wir haben einige Sachen heute gut gemacht. Timo Pielmeier war gut im Tor und wir hatten eine 3:0-Führung. Ja, klar, hat Patrick Cannone einen Fehler gemacht. Aber ich muss die Reihe von Laurin Braun loben - das war heute gute Arbeit. Genauso Benedikt Kohl: Er hat ein super Tor für uns geschossen und hat einige Schüsse geblockt. In dieser Phase der Saison zählen einfach die drei Punkte. 
 
Jerry D'Amigo nach dem 3:2 gegen Iserlohn

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ERC Ingolstadt: Pielmeier - Edwards, Sullivan; Friesen, Wagner; Kohl, Jobke - Kelleher, Olver, Collins; Greilinger, Taticek, D'Amigo; Elsner, Cannone, Wohlgemuth; Garbutt, Braun, Mashinter; Ramoser.
Iserlohn Roosters: Dahm - Orendorz, Ellerby; Yeo, Todd; Dotzler, Fischer; Bappert - Caporusso, Trupp, Dmitriev; Camara, Matsumoto, Friedrich; Bergmann, Turnbull, Smotherman; Lautenschlager, Weidner, Florek.
Schiedsrichter: Hoppe/Klein. - Zuschauer: 4031. - Tore: 1:0 Greilinger (9.), 2:0 Cannone (17.), 3:0 Kohl (35.), 3:1 Matsumoto (43.), 3:2 Caporusso (58.). - Strafminuten: 8/6.