Herr Bouck, Sie beenden Ihre Karriere als Deutscher Meister. Was bedeutet Ihnen das?

Tyler Bouck: Das ist unglaublich. Ich hatte gehofft, dass wir den Titel schon am Sonntag in Ingolstadt holen. Da waren meine Mutter und mein Bruder da, wie ich erst nach dem Spiel erfahren habe. Aber als sich die Kölner Marcel Müller und Yared Hagos nach der 0:1-Niederlage vor unseren Fans aufgebaut und gejubelt haben, als hätten sie schon den Titel gewonnen, habe ich es mir noch mehr gewünscht, dass wir in Köln zurückschlagen. Wir haben dort dann unser bestes Spiel der Saison gemacht. Es ist einfach ein Traum.

 

Haben Sie von so etwas geträumt, als Sie Profi wurden?

Bouck: Wenn man jung ist und aus Kanada kommt, träumt man von der NHL. Dieser Traum ging für mich leider nicht wirklich in Erfüllung. Aber als ich nach Deutschland und Ingolstadt kam, war ich auch glücklich. Ich wurde gut behandelt hier.

 

Sie waren fünf Jahre beim ERC Ingolstadt. Wie haben Sie Ihre letzte Saison erlebt?

Bouck: Dieses Jahr war ein ganz besonderes. Nach dem Tod meines Vaters und dem erneuten Kreuzbandriss war ich wirklich am Boden. Auch die Mannschaft ist nach Weihnachten irgendwie auseinandergefallen, und die Fans haben uns den Rücken gekehrt. So etwas habe ich zuvor noch nie erlebt. Aber wenn jemand glaubt, der Titelgewinn hätte etwas mit dem Fanboykott zu tun, dann irrt er. Wie haben die Meisterschaft trotz der Fans gewonnen, weil wir Charakter haben und nicht daran zerbrochen sind.

 

Gab es einen Auslöser für die Wende zum Guten?

Bouck: Es ging los in der Pre-Play-off-Serie gegen Berlin. Wir kamen da irgendwie durch und haben gesehen, dass wir Spiele gewinnen können. Danach haben wir uns als Team entwickelt. Es ist unglaublich, was eine Mannschaft erreichen kann, wenn sie zusammenhält.

 

Haben Sie so eine Entwicklung schon einmal erlebt?

Bouck: Nein, nie zuvor. Es ist unglaublich für mich. Es war wirklich schlimm. Manche Spieler hätten am liebsten ihre Sachen gepackt und wären im März nach Hause gefahren. Aber der Wendepunkt kam, als Christoph Gawlik in der Krefeld-Serie von Oliver Mebus angesprungen wurde und Tim Conboy versuchte, gegen das ganze Team der Pinguine zu kämpfen. Dann sagten wir, okay, wir müssen zusammenstehen. Und das war die Wende für mich. Von da an haben wir Schüsse geblockt und uns gegenseitig geholfen.

 

Welche Gründe gab es noch?

Bouck: Der Hauptgrund, warum wir Meister geworden sind, ist die Torhüterleistung. Timo Pielmeier hat phänomenal gehalten. Und er ist erst 24 Jahre alt, er hat die Zukunft vor sich.

 

Wie war Ihre Beziehung zum Trainer?

Bouck: Im Januar war das Training zu hart. Wir waren wirklich erschöpft und mit den Kräften am Ende. Gut, jetzt in den Play-offs, hatten wir bis zum Schluss die Energie. Ich muss auch sagen, dass Sunny (Niklas Sundblad, Anm. d. Red.) nie zu euphorisch war, als wir gut spielten oder zu negativ, wenn wir verloren. Nach dem 1:7 in Augsburg kam er in die Kabine und sagte: ,Wir werden am 29. April um die Meisterschaft spielen. Ich weiß es.’

 

Haben Sie ihm das geglaubt?

Bouck: Nein, natürlich nicht. Kurz vor den Play-offs haben wir drei Spiele hintereinander verloren und nur ein Tor erzielt. Damals hat jeder von uns gesagt, wir haben keine Chance.

 

Wann haben Sie an sich geglaubt?

Bouck: Das war erst im Viertelfinale gegen Krefeld. Da haben wir aber noch nicht an den Titel gedacht. Wir hatten ja im Halbfinale mit Hamburg das beste Vorrundenteam gegen uns. Aber unser Teamgeist war größer.

 

Was gab außerdem den Ausschlag?

Bouck: Unsere beiden Topreihen haben auf einmal wieder gepunktet und Tore erzielt. Aber auch andere, die zuvor nicht so in Erscheinung traten. Jeder hat zu diesem Erfolg beigetragen. Und ich sage es noch einmal, natürlich Timo. Er ist der Grund, dass wir den Pokal in den Händen halten.

 

Was machen Sie nun nach Ihrer Profi-Karriere?

Bouck: Ich fliege am Montag mit meiner Familie heim nach Kanada. Dann beginnt für mich ein neues Leben. Ich werde ab 1. Juni als Anzeigenverkäufer für einen Fernsehsender arbeiten und mit meiner Familie ein ganz normales Leben führen. Auch das ist aufregend für mich.

 

Das Gespräch führte

Gottfried Sterner.