Mit 1,91 Metern und 99 Kilogramm ist Neuzugang Vili Sopanen der größte und schwerste Spieler im Ingolstädter Kader. Am Samstag stand er mit seiner neuen Mannschaft erstmals gemeinsam auf dem Eis.
Mit 1,91 Metern und 99 Kilogramm ist Neuzugang Vili Sopanen der größte und schwerste Spieler im Ingolstädter Kader. Am Samstag stand er mit seiner neuen Mannschaft erstmals gemeinsam auf dem Eis.
Foto: Traub
Ingolstadt
Es gibt hierzulande viele Klischees, die man mit Finnen verbindet. Sie seien wortkarg, würden keinen Spaß verstehen und sich gegenüber Fremden äußerst zurückhaltend geben. Doch Sopanen, der vom finnischen Erstligisten Helsingfors IFK kam und bei den Panthern einen Einjahresvertrag unterzeichnete, bewies beim offiziellen Trainingsauftakt am Samstag das genaue Gegenteil.

Zurück auf dem Eis
[Link zum Video]


"Es hat sich noch ein bisschen rostig angefühlt", scherzte der Blondschopf beispielsweise nach dem lockeren Aufgalopp vor rund 1000 Fans in der Saturn-Arena, die als Dauerkartenbesitzer exklusiv bei dem Showtraining in der Saturn-Arena dabei sein durften. "Aber wenn man sich dann erinnert, wie Eishockeyspielen geht, wird das schon wieder", ergänzte er mit einem breiten Grinsen.

Dabei weiß der technisch versierte Finne freilich sehr wohl mit der Scheibe umzugehen. "Wir möchten in der kommenden Saison mehr Tore schießen, und Vili wird uns in dem Zusammenhang weiterhelfen", hatte Sportdirektor Larry Mitchell bereits bei dessen Verpflichtung festgestellt. "Er kann Tore schießen, aber auch als Spielmacher eingesetzt werden und für die ersten beiden Reihen sicher eine Bereicherung sein."
 

Saisoneröffnung bei den Panthern

 



Das hofft auch Sopanen, der nach dem ehemaligen Torhüter Ilpo Kauhanen und Teamkollege Ville Koistinen erst der dritte Finne beim ERC in dessen DEL-Geschichte ist. "Meine Stärken liegen ganz klar in der Offensive. Ich will kreativ sein und meine Mitspieler in Szene setzen", sagt der mit 1,91 Metern größte Spieler im Ingolstädter Kader, der mit durchschnittlich nur 1,81 Metern die körperlich kleinste Mannschaft aller DEL-Klubs stellt. "Wenn es nötig ist, entziehe ich mich natürlich nicht der Verantwortung und stelle mich vor meine Mitspieler", ergänzt der Hüne. "Aber das ist eigentlich nicht wirklich meine Rolle."

Bis auf ein kurzes Gastspiel in Schweden verbrachte der Stürmer den Großteil seiner Karriere in seinem Heimatland. In 576 Partien in der finnischen Liga gelangen ihm 162 Tore und 225 Vorlagen - doch nun sei es Zeit für einen Tapetenwechsel gewesen. "Ich wollte einfach mal was Neues ausprobieren", erzählt der Rechtsschütze, der 2007 von den New Jersey Devils aus der Profiliga NHL gedraftet wurde, jedoch nie in Nordamerika spielte. "Ich hatte die Wahl zwischen der Schweiz und Deutschland. Ingolstadt hat sich aber sehr um mich bemüht, was mich echt beeindruckt hat - und jetzt bin ich hier."

Nicht zuletzt die Tatsache, dass mit Shedden ein in Finnland äußerst geschätzter Trainer bei den Panthern hinter der Bande steht - der Kanadier führte die "Suomi" 2008 zu WM-Bronze - habe ihm die Entscheidung erleichtert. "Er hat zudem ja auch schon meinen letzten Verein trainiert, und die Leute da haben nur Gutes über ihn gesagt", berichtet Sopanen.

Dabei kann der Mann aus Kouvola, rund 150 Kilometer nordwestlich von Helsinki, als typischer Wunschspieler vom Ingolstädter Chefcoach beschrieben werden. "Grundsätzlich habe ich das Motto: Je mehr ich im Kraftraum schwitze, desto mehr lache ich auf dem Eis", erzählt Sopanen, der mit dieser Einstellung genau die Voraussetzungen erfüllt, die der anspruchsvolle Shedden von seinen Profis verlangt. "Mir macht es nichts aus, mich auch abseits des Eises zu schinden", ergänzt der Außenstürmer, der auch gerne mal zum Langlaufen geht. "Wobei - das könnte in Ingolstadt vielleicht etwas schwieriger werden, nicht wahr", sagt er und lässt seinen Humor wieder durchblitzen.

Doch auch wenn er seiner großen Leidenschaft in der Schanz nicht nachgehen kann, dürfte Sopanen allein schon wegen seiner Sprachkenntnise kaum Anpassungsprobleme haben. Denn dank seiner Schulbildung spricht er durchaus passabel Deutsch. "Ich kann es nur ein bisschen, aber ich werde lernen", sagt er beispielsweise auf Deutsch. "Wenn ich etwas lese, verstehe ich es eigentlich schon ganz gut. Nur mit dem Sprechen tue ich mich etwas schwer."

Ein Lieblingswort habe er zwar nicht, dafür ist ihm aber ein "deutsches Motto", wie er sagt, im Gedächtnis geblieben. "Tiefe Brunnen muss man graben, wenn man klares Wasser will", spricht er auf und gibt damit eine Strophe aus dem Lied "Rosenrot" von Rammstein zum Besten. Wenn Sopanen nun auf dem Eis so einschlägt, wie die deutsche Rockband auf der ganzen Welt, dann dürfen sich die Ingolstädter Fans auf eine echte Verstärkung freuen.

Der ERC Ingolstadt feierte am Samstag mit einem Familienfest an der Saturn-Arena den Saisonauftakt.