Ingolstadt: "Ich ziehe den Hut vor dem Team"
 
Ingolstadt
Seinen größten persönlichen Erfolg verrät er am Ende der Unterhaltung.

Herr Boni, welche Stimmung erwarten Sie morgen Abend bei der Beiratssitzung?

Jim Boni: Eine ganz gute, denke ich. Sportlich und finanziell passt es bei uns. Also sollte die Stimmung positiv sein.

Mit ein wenig Abstand: Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Boni: Ich bin zufrieden mit dem Erreichten. Wir hatten leider Pech mit Verletzungen. Trotzdem haben wir die direkte Qualifikation für die Play-offs geschafft. In den Play-offs haben uns zwei Verteidiger gefehlt, das war nicht zu kompensieren. Die Mannschaft hat dennoch gekämpft und sich meinen Respekt verdient. Ich ziehe den Hut vor ihr.

Es war immer vom großen Talent der Mannschaft zu hören. Auch Sie haben ihr ein enormes Potenzial bescheinigt. Dennoch war im Viertelfinale Endstation. War das Talent doch nicht so groß?

Boni: Sie hat auf Fälle Talent. Seit ich im Eishockey bin, hatte ich noch nie eine Mannschaft, die so großes Potenzial besaß. Aber es sollte heuer einfach nicht sein. Solche Jahre gibt es leider.

Das klingt – mit Verlaub – ein wenig nach Ausrede. War es nicht eher so, dass weder Greg Thomson noch Rich Chernomnaz es als Trainer geschafft haben, die Mannschaft auf Kurs zu bringen?

Boni: Nein, das sehe ich nicht so. Allein die Verletzungen von Thomas Greilinger haben uns schwer getroffen. Er ist einfach nicht zu ersetzen. 30 Tore und Vorlagen haben uns gefehlt. Natürlich wäre bei jedem mehr drin gewesen, bei mir auch. Wir haben das Beste aus der Saison gemacht. Das ist meine Erkenntnis.

Was ist nach dem Trainerwechsel besser geworden?

Boni: Die Mannschaft hat wieder trainiert. Chernomaz hat eine klare Linie. Er gibt den Spielern keine Alibis mehr.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis beschreiben?

Boni: Sehr gut. Da gibt es keine Probleme. Wir alle müssen auch ein bisschen mehr Geduld haben. Es wird in Ingolstadt immer schnell hitzig.

Elf Spieler haben den Verein verlassen. Ein weiterer Umbruch steht bevor. Dabei wollten Sie das Team doch nur punktuell verändern?

Boni: Ein paar Spieler wollten uns verlassen, mit ein paar anderen wollten wir nicht verlängern. Elf Spieler gehen, aber nur fünf, sechs neue werden kommen. Unser Kader wird kleiner werden. Deshalb ist es kein großer Umbruch. Wir wollen Kontinuität. Aber ohne Leistung geht es einfach nicht.

Sie haben unter anderem Christian Chartier, Colin Forbes und Marvin Degon geholt. Alle drei haben enttäuscht. Machen Sie sich Vorwürfe?

Boni: Klar habe ich Fehler gemacht. Aber hinter Degon und Chartier war damals fast die ganze Liga her. Ich war früh dran und hab sie bekommen. Sie haben eine schlechte Saison gespielt. Trotzdem sind es gute Spieler. Degon wird nächste Saison Nummer-Eins-Verteidiger in Hannover. Chartier kehrt nach Augsburg zurück. So schlecht können sie also nicht sein.

Junge, deutsche Spieler sollten ein Teil der Mannschaft sein. So haben Sie es vor der Saison angekündigt. Nun verlassen mit Dominic Walsh, Andre Huebscher, Patrick Buzas und Stephan Daschner vier den Verein. Ist ihr Vorsatz damit gebrochen?

Boni: Nein. Mit Gawlik und Schütz haben wir doch zwei gute deutsche Spieler unter Vertrag. Die anderen haben ihre Chancen nicht genutzt. So wie es aussieht, wird es nächste Saison keinen Kooperationsvertrag mit dem DEB geben. Dann würden die jungen Spieler auf der Tribüne sitzen und nicht in der Zweiten Liga spielen.

Wer hat Sie beeindruckt?

Boni: Ein paar Spieler. Aber besonders Stephan Retzer. Am Anfang hat er unter Chernomaz keine Rolle gespielt und sich absolut professionell verhalten. Das war charakterlich top. Zuletzt war er Kapitän, das hat mich gefreut. Oder Bob Wren. Sein Rücken hat die ganze Saison Probleme gemacht, dennoch hat er sich zu 100 Prozent für den Verein eingesetzt. Oder Petr Fical. Er hat sich zwei Mal die Nase gebrochen und weiter gespielt. So eine Einstellung macht mich froh.

Wie sieht es mit den Planungen für die neue Saison aus?

Boni: Gut. Wir suchen noch zwei Verteidiger und zwei Angreifer. David Elsner hätten wir gerne als 13. Stürmer. Wir müssen auch noch abwarten, ob Peter Schaefer seine Option zieht und zurück kommt.

Hätten Sie ihn gerne?

Boni: Wenn er eine komplette Vorbereitung mitmacht, dann würde er uns sicher weiterbringen.

Wie ist der Stand bei Jeff Likens? Sie sollen sich bereits einig sein.

Boni: Er ist ein Wunschspieler von Chernomaz. Ich warte auf seine Unterschrift.

Und wie sieht es mit einer Rückkehr von Ben Clymer aus?

Boni: Er hat mir gesagt, dass der ERC sein erster Ansprechpartner ist, wenn er zurück in die DEL kommt. Aber es sind auch Vereine im Spiel, die mehr Geld bieten. Hamburg zum Beispiel. Eine Rückkehr von ihm wäre ein Traum.

Im Sturm gibt es offenbar eine Reihe von Kandidaten. Andrew Joudrey (Hershey), Chris Durno und Paul Szczechura (beide Norfolk) sollen zumindest auf Ihrer Liste stehen. Bei Jared Ross (Chicago) und Jeremy Reich (Providence) sind die Pläne wohl schon weiter.

Boni: Das sind alles sehr interessante Jungs. Wenn Ross kommen würde, wäre es ein Traum. Wir sind dran und ich hoffe, dass es klappt. Reich wäre gut für die Kabine. Lassen Sie sich überraschen.

Am Freitag steigen Sie in das Flugzeug nach Kanada. Geht dann der Urlaub los?

Boni: Nein. Ich schaue mir noch zwei Spiele in der AHL dann. Dann lasse ich es etwas ruhiger angehen. Vormittags werde ich im Büro sitzen, schließlich sind noch ein paar Entscheidungen zu treffen. Aber ansonsten werde ich die Zeit nutzen, um Kraft zu tanken.

Beim Golf spielen?

Boni: Zunächst nicht. Erst müssen ein paar Kilo runter. Da fällt mir noch etwas Positives ein. Ich bin seit acht Monaten Nichtraucher. Das ist doch toll, oder?