Ingolstadt: "Ich habe das Trikot mit Stolz getragen"
Auf eine tolle Zeit blickt Patrick Köppchen nach eigener Aussage beim ERC Ingolstadt. Der Verteidiger gewann mit den Panthern 2014 den Titel und wurde ein Jahr später Vizemeister. - Foto: Strisch
Ingolstadt

Nach 240 Partien für die Ingolstädter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sowie 23 Einsätzen in der European Trophy (ET) und Champions Hockey League (CHL) trennen sich damit vorzeitig die Wege. Der Routinier besaß für die kommende Spielzeit zwar noch einen Vertrag, spielte in den Planungen des ERC aber schon kurz nach dem erneuten Pre-Play-off-Aus keine Rolle mehr.

"Ich habe mir den Abschied sicher etwas anders vorgestellt, aber in dem Geschäft geht es eben nicht um Einzelschicksale", sagte Köppchen gestern auf Nachfrage unserer Zeitung und ergänzte: "Ich kann aber auf eine tolle Zeit zurückblicken. Ich habe das Trikot mit Stolz getragen und gehe erhobenen Hauptes." Er habe als Kapitän immer versucht, im Sinne der Mannschaft zu handeln. "Vielleicht kam manches falsch rüber", meinte Köppchen, der in Ingolstadt nach eigener Aussage alle Facetten des Profigeschäfts erlebt hat. "Diese Erfahrungen haben mich sowohl sportlich als auch menschlich weitergebracht."

Köppchen wechselte zur Saison 2013/14 von den Hamburg Freezers an die Donau und führte den ERC als "wertvollster Spieler" in den Play-offs auf Anhieb zum Titel gegen die Kölner Haie. Ein Jahr später holte er mit den Ingolstädtern gegen die Adler Mannheim die Vizemeisterschaft. In der Folgesaison passierte etwas, was man von Köppchen schon fast nicht mehr kannte: Eine Rückenverletzung zwang ihn zu einer Pause, nachdem der "Iron Man" zuvor 506 Spiele am Stück absolviert hatte.

Nachdem unsere Zeitung schon in der vergangenen Woche vom Interesse der Nürnberg Ice Tigers erfuhr, schlugen die Franken gestern auch prompt zu. Der Linksschütze stand mit seinen neuen Mannschaftskollegen bereits im Trainingscamp in Füssen auf dem Eis und dürfte im Team von Trainer Rob Wilson der Nachfolger von Danny Syvret werden. Sportdirektor Martin Jiranek hatte dessen Vertrag nach der vergangenen Saison nicht verlängert.

Während die Ingolstädter ihrem langjährigen Kapitän in der offiziellen Pressemitteilung lediglich für seinen Einsatz dankten und ihm alles Gute für die Zukunft wünschten, meinte Jiranek: "Patrick Köppchen verleiht unserer Verteidigung mehr Tiefe. Mit seiner Erfahrung, gerade auch in den Play-offs, wird er unser Team auf jeden Fall verstärken." Der Neuzugang ergänzte: "Ich bin glücklich, dass es vor Saisonstart mit einem Wechsel nach Nürnberg geklappt hat, und freue mich auf einen tollen Klub."

Insgesamt bestritt Köppchen bislang 928 DEL-Partien. Nach Mirko Lüdemann (1197), Niki Mondt (1060) und Daniel Kreutzer (1060) könnte er der vierte Spieler in der Ligageschichte werden, der die magische Marke von 1000 Spielen im Eishockey-Oberhaus durchbricht. Wenn es nach dem Routinier geht, soll dem Rekord auch nichts im Wege stehen. "Der Tank ist noch gefüllt. Ich hoffe, dass es nicht die letzte Vertragsunterschrift war", meinte Köppchen, der bei den Ice Tigers vorerst nur einen Einjahresvertrag unterzeichnete.

Die Vertragsauflösung dürfte die Ingolstädter teuer zu stehen kommen. Schließlich legte Köppchen zuletzt mit 21 Punkten (3 Tore, 18 Vorlagen) die zweitbeste Hauptrunde seiner DEL-Karriere hin und zählte zu den Großverdienern im Kader. Wohl auch deswegen zogen sich die Verhandlungen derart in die Länge, dass erst knapp drei Wochen vor dem ersten Eistraining (3. August) des ERC eine Entscheidung fiel. Am achten Spieltag (1. Oktober) kehrt Köppchen, der bereits eine Wohnung in Nürnberg gefunden hat und Ende des Monats umzieht, allerdings schon wieder zurück. Dann trifft er mit seinem neuen auf seinen alten Klub.