Ingolstadt: Geballte Eishockey-Kompetenz
Teilzeit-Panther in der Meistersaison: Talente wie der Regensburger Dominik Patocka sollen von der Kooperation profitieren. - Foto: Bösl
Ingolstadt

„Wenn wir nichts machen, spielen wir bald um die Qualifikation für die B-WM“, findet ERC-Sportdirektor Jiri Ehrenberger drastische Worte für den Mangel an talentiertem Nachwuchs. „Das deutsche Eishockey ist auf einem inakzeptablen Stand. Seit zehn Jahren wurde die Nachwuchsarbeit vernachlässigt“, sagt Christian Donbeck, Geschäftsführer der Landshuter. Sein Klub ist eine Ausnahme: Der EVL ist für seine ausgezeichnete Talentförderung bekannt. Einen ähnlichen Ruf will sich auch der ERC Ingolstadt erarbeiten – und hat dafür neben der bereits bestehenden Partnerschaft mit Regensburg auch die Landshuter für eine Kooperation gewonnen.

Künftig können mit einer Förderlizenz ausgestattete Spieler (möglich für Jahrgang 91 oder jünger) während einer Saison für alle drei Vereine auflaufen – je nach Leistungsniveau beim EV Regensburg in der Oberliga, dem DEL2-Klub Landshut oder bei den Panthern in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). „Sie dürfen unbegrenzt zwischen den Ligen eingesetzt werden. Das Ziel ist, dass sie so oft wie möglich spielen“, sagte Ehrenberger. „Dann ist Entwicklung gewährleistet.“ Anstatt beispielsweise in Ingolstadt auf der Bank zu schmoren, könnten Talente künftig unkompliziert bei einem der Kooperationspartner Spielpraxis sammeln. Vertraglich ist die Zusammenarbeit zunächst auf zwei Jahre festgelegt – wenn sich das Modell bewährt, soll die Partnerschaft verlängert werden.

Gestern stellten die drei Vereine das laut ERC in Deutschland einzigartige Projekt vor – an einem symbolträchtigen Ort: dem neuen Sportinternat am Audi-Sportpark, das der ERC gemeinsam mit dem FC Ingolstadt nutzen wird. Dort sollen bis zu zehn Eishockey-Talente aus der Region wohnen und unter professionellen Bedingungen ausgebildet werden. Noch wird fleißig gewerkelt, doch schon in ein paar Wochen soll alles fertig sein. „Es gibt ein wahnsinniges Interesse für die Internatsplätze“, berichtet ERC-Geschäftsführer Claus Gröbner.

 

Mit dem Nachwuchsleistungszentrum hofft der Klub, Talente für die eigene Jugendabteilung zu gewinnen. Außerdem sollen Breiten- und Spitzensport enger verzahnt werden. Die Kooperation soll helfen, Talenten den Weg zum Profi zu erleichtern. Alle drei Klubs besitzen eine Schülermannschaft in der Bundesliga, darüber hinaus stellen EVR und EVL jeweils eine Mannschaft in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL). So steht für Talente aus der Region künftig in jeder Altersklasse und auf jedem Leistungsniveau eine Mannschaft zur Verfügung – alles im Umkreis von höchstens 100 Kilometern. Profitieren sollen alle: „Wir sind Partner, keine Ausbildungsvereine“, stellt Donbeck klar. „Wir werden nicht ausgenutzt, um Ingolstadt nach oben zu bringen. Wir würden ohnehin jeden Spieler mit DEL-Potenzial verlieren. So haben wir die Möglichkeit, dass der Spieler länger in der Region bleibt“, erklärt er.

Schon in der vergangenen Saison arbeiteten die Panther mit dem Oberligisten aus Regensburg zusammen. Spieler wie Dominik Patocka, Nic Sochatsky, Nico Ehmann oder Korbinian Schütz sammelten wertvolle Erfahrungen in der European Trophy und der DEL. Als im Februar beim Auswärtsspiel in München die halbe ERC-Mannschaft mit einer Magen-Darm-Erkrankung ausfiel, sprangen die EVR-Talente kurzfristig ein. „Diese Erfahrungen sind für die Jungs unbezahlbar“ sagt Regensburgs Sportlicher Leiter Martin Ancicka. Umgekehrt profitierte jedoch auch der Oberligist von der Kooperation: Neben einer finanziellen Unterstützung – die künftig auch Landshut erhält – absolvierte ERC-Stürmer Eddy Rinke-Leitans einige Partien für die Regensburger.

Befürchtungen, der neue Jugendstil beim ERC könnte die sportliche Konkurrenzfähigkeit in der DEL beeinträchtigen, widerspricht Ehrenberger. „Ingolstadt soll eine gute Adresse im Profi-Eishockey bleiben.“