Adler Mannheim vs ERC Ingolstadt, Eishockey, DEL, Deutsche Eishockey Liga, Spieltag 39, 24.01.2018
Voller Einsatz wird beim ERC Ingolstadt um Laurin Braun (Mitte) gefragt sein, um sich gegen die nominell stärker besetzten Adler Mannheim durchzusetzen.
Johannes Traub
Ingolstadt

Tor

Aufgrund der stärksten Hauptrunde seiner Karriere kann Ingolstadts Stammtorhüter Timo Pielmeier voller Selbstvertrauen in die K.-o.-Runde gehen. Mit sechs Zu-Null-Spielen, einer Fangquote von 92,69 Prozent und 2,22 Gegentoren pro Partie weist der 28-Jährige verglichen mit seinem ERC-Kollegen Jochen Reimer (1/90,30/2,82) sowie den beiden Mannheimer Goalies Dennis Endras (1/90,52/2,81) und Chet Pickard (3/90,81/2,42) die besten statistischen Werte auf. Eine weitere Tatsache spricht für "Pille": Bei seinen bisherigen vier Play-off-Teilnahmen mit den Panthern konnte sich der Silbermedaillengewinner von Pyeongchang stets steigern.

 

Verteidigung

"Ihre Verteidigung ist mit Leuten wie Mark Stuart und Thomas Larkin körperlich stark", sagt ERC-Trainer Doug Shedden über die Mannheimer Defensive. Und die Zahlen geben dem Kanadier recht: Im Schnitt ist die Abwehr der Adler drei Zentimeter größer und rund sieben Kilogramm schwerer als die der Panther. Dass dies aber nicht immer ein Vorteil sein muss, verdeutlicht die Anzahl der Gegentore: So kassierte keine andere Top-Sechs-Mannschaft in der Hauptrunde mehr Treffer als die Kurpfälzer (149) - die Ingolstädter lagen im Vergleich dazu bei 137 Gegentoren. Shedden stellt daher auch fest: "Sie sind vielleicht nicht die Allerschnellsten." Die Annahme, dass die defensive Anfälligkeit der Adler ihrer Offensivkraft geschuldet ist, stimmt nicht: Mit 14 Verteidigertoren weist Mannheim nach Ingolstadt (15) den schlechtesten Wert aller Viertelfinalisten auf. Während der ERC auf Simon Schütz (Kreuzbandriss) und Benedikt Kohl (Virusinfektion) verzichten muss, stehen Adler-Coach Bill Stewart alle Abwehrspieler zur Verfügung. Denis Reul - mit 1,93 Metern und 110 Kilogramm einer der Robustesten - trainierte nach seiner Fuß-OP wieder mit der Mannschaft.

 

Angriff

Brent Raedeke, Marcus Kink und Devin Setoguchi: Zwei deutsche Nationalspieler und ein ehemaliger NHL-Star bildeten die vierte (!) Angriffsreihe der Mannheimer im letzten Hauptrundenspiel bei den Augsburger Panthern - das verdeutlicht, warum ERC-Torjäger Thomas Greilinger völlig zurecht von einer "brutalen Tiefe im Kader" spricht (siehe Interview unten). Nominell stellen die Kurpfälzer (151 Tore) nach Titelverteidiger EHC München den talentiertesten Angriff, die Chemie in den unterschiedlichen Formationen schien - auch aufgrund von Verletzungsproblemen - aber erst gegen Ende der Hauptrunde zu stimmen. Vor der körperlichen Spielweise der Adler ist Shedden angesichts seiner Offensive (147 Tore) nicht bange: "David Wolf ist ein großer, starker Junge, aber wir haben auch ein paar davon. John Laliberte, Matt Pelech oder Brett Olson können das auch."
 

 

Trainer

Mit ERC-Trainer Shedden und Adler-Coach Stewart treffen zwei langjährige Freunde aufeinander. Als Trainer standen sie sich allerdings erst einmal gegenüber - am 24. Januar in der SAP-Arena (3:1 für die Adler). Entsprechend groß ist die Motivation, das Duell gegen den Kumpel auf der anderen Trainerbank zu gewinnen. "Im ersten Spiel kann man den Gegner noch überraschen", sagt Shedden, der mit den Panthern in der vergangenen Woche intensiv am Tempo und dem einen oder anderen taktischen Kniff feilte. "Wir haben jeden Stein umgedreht. Ich bin sehr zufrieden, wie die Mannschaft gearbeitet hat. Jetzt brauchen wir einen Gegner, um zu sehen, ob alles funktioniert", sagt der ehemalige Stürmer mit unübersehbarer Vorfreude.

 

Special Teams

Sowohl in Überzahl (19,3 Prozent gegenüber 14,2 Prozent) als auch in Unterzahl (83,7 Prozent gegenüber 81,0 Prozent) waren die Adler in der Hauptrunde das bessere Team. Allerdings verzeichneten die Panther zuletzt einen klaren Aufwärtstrend in Sachen Powerplay: In den drei Partien nach der Olympiapause erzielte der ERC fünf Treffer mit einem Mann mehr auf dem Eis, Mannheim nur zwei. Außerdem schaffte Ingolstadt in Unterzahl schon fünf Tore, die Adler waren nur zweimal erfolgreich.
 

Form

Mit den Panthern und Adlern treffen neben Hauptrundensieger München die beiden "heißesten" Teams der Liga aufeinander. Beide Mannschaften holten seit dem Jahreswechsel mit 29 Zählern exakt dieselbe Punktzahl und machten so die Play-off-Qualifikation perfekt. Während Ingolstadt nach der Olympiapause zwei seiner drei Duelle gewann, hielt sich Mannheim komplett schadlos. Den direkten Vergleich in der Hauptrunde entschieden die Kurpfälzer mit 3:1-Siegen für sich.
 

Fazit

Mit Ingolstadt und Mannheim treffen sich zwei Teams auf Augenhöhe. Gut möglich, dass die berühmten "Kleinigkeiten", die Tagesform und nicht zuletzt auch ein bisschen Glück über das Weiterkommen entscheiden. Bei den Panthern stellt man sich jedenfalls auf eine lange Serie ein.

RUND UMS DUELL

Modus: Alle Play-off-Duelle werden im Modus „Best-of-Seven“ ausgetragen. Es sind also vier Siege zum Weiterkommen bzw. Titelgewinn nötig. Anders als in der Hauptrunde dauert eine Verlängerung 20 Minuten – es sei denn, es fällt ein Tor. Penaltyschießen gibt es nicht. Es wird mit fünf Feldspielern gespielt.

Videobeweis: Der Videotorrichter kommt heuer nicht zum Einsatz. Stattdessen entscheiden beim Videobeweis wie gehabt die Unparteiischen auf dem Eis über Tor oder Nicht-Tor. Der Schiedsrichterbeobachter soll als Berater dienen.

Strafen: Alle Disziplinarstrafen der Hauptrunde werden gelöscht. In den Play-offs wird ein Spieler nach seiner zweiten Disziplinarstrafe automatisch einmal gesperrt.

Handshake: In der K.-o.-Runde ist es üblich, dass sich beide Mannschaften erst nach dem Ende der Serie zum Handshake gegenüberstehen.