Brandon Mashinter sprüht vor Tatendrang.
Strisch
Ingolstadt
Bis zur Geburt waren Brandon Mashinter und seine Frau Tahnee davon ausgegangen, einen Sohn zu erwarten - doch vor Wochenfrist erblickten völlig überraschend Zwillinge das Licht der Welt: Keaton und Corbie, der sich in Mamas Bauch offenbar erfolgreich hinter seinem Bruder versteckt hielt. "Das war natürlich erst mal ein kleiner Schock, aber es ist ziemlich aufregend", berichtet der Stürmer des ERC Ingolstadt, der die Partie der Panther in Bremerhaven ausgelassen hatte, um seiner Frau bei der Geburt beizustehen.

In den vergangenen Tagen übernachtete Mashinter bei seiner Familie im Ingolstädter Klinikum - viel Schlaf war ihm dabei nicht vergönnt. Doch rechtzeitig vor der Auswärtsaufgabe des ERC beim Tabellenletzten Schwenninger Wild Wings heute Abend kam die Ablösung. "Meine Schwiegermutter hat gestern meine Schicht im Krankenhaus übernommen, deswegen habe ich endlich wieder eine komplette Nacht durchgeschlafen", sagt Mashinter lächelnd.

Seit rund einem Monat trägt der 30-jährige Kanadier nun das Trikot mit dem Pantherkopf auf der Brust. "Ich gewöhne mich immer noch an die größere Eisfläche", sagt Mashinter, der von Rapid City Rush aus der drittklassigen nordamerikanischen ECHL nach Ingolstadt kam. "Man muss definitiv mehr laufen, und manchmal braucht man auch mehr Geduld."

In elf Spielen steuerte der 1,93 Meter große Power Forward, der auch 66 NHL-Einsätze für die San Jose Sharks, New York Rangers und Chicago Blackhawks vorzuweisen hat, einen Treffer und eine Vorlage bei. Für Doug Shedden bemisst sich der Wert seines körperlich stärksten Profis allerdings nicht unbedingt an Punkten - auch wenn Mashinter in Nordamerika neben seinen zahlreichen Faustkämpfen durchaus als verlässlicher Scorer in Erscheinung getreten ist. "Brandon ist so wichtig für uns, weil er mit seiner Präsenz die gegnerischen Teams im Zaum hält", erklärt der Panther-Coach, dessen Mannschaft im Ligaschnitt eine der kleinsten und die leichteste ist.

Als Beispiel für Mashinters Wert als Bodyguard führt Shedden das 3:0 vom vergangenen Sonntag gegen die Nürnberg Ice Tigers an. Nach einem kurzen Gerangel am Ende des ersten Drittels, an dem Mashinter beteiligt war, sei es ein ruhiges Spiel gewesen. "Kein Nürnberger hatte Lust auf eine Auseinandersetzung, kein Chris Brown und kein Shawn Lalonde", erklärt Shedden.

Auch wenige Tage zuvor, beim 2:5 in Köln, verschaffte sich Mashinter gleich zu Beginn Respekt: Bei seinem ersten Wechsel lieferte sich der Hüne ein eindeutiges Wortgefecht mit Haie-Stürmer Sebastian Uvira. "Ich wollte ihn wissen lassen, dass ich da bin, er besser niemanden herumschubst und sich nicht an unseren Spielern vergreift", erklärt Mashinter. "Das gibt den anderen die Sicherheit, ihr Spiel durchzuziehen."

Ein Rüpel sei er jedoch nicht: "Ich werde durch meine Spielweise in Kämpfe verwickelt, weil ich meinen Körper einsetze und Raum für meine Sturmpartner schaffe. Das gefällt nicht jedem." Einen gewissen Stolz auf sein Image als "tough guy" will der Außenstürmer allerdings nicht verhehlen: "Es freut mich, dass die Gegenspieler wissen, wer ich bin. Wenn sie Angst vor mir haben, bedeutet das, dass ich meinen Job mache."