Es sind aufregende Wochen für Patrick McNeill. Zum einen bereitet sich der ehemalige Verteidiger des ERC Ingolstadt auf die erste DEL-Saison mit seinem neuen Klub Augsburger Panther vor, zum anderen erwartet Ehefrau Janessa in diesen Tagen die Geburt des zweiten gemeinsamen Kindes. "Das ist angesichts der Rivalität ganz lustig, dass meine Tochter Emmalyn in Ingolstadt geboren wurde und mein zweites Kind in Augsburg zur Welt kommen wird", erzählt der Kanadier lächelnd.
Patrick McNeill
Patrick McNeill
Oliver Strisch
Bei ihren Ex-Klubs waren die Dienste von Patrick McNeill und Christoph Ullmann nicht mehr gefragt ? für die Augsburger Panther dagegen soll das Duo im Kampf um einen Play-off-Platz in der Deutschen Eishockey-Liga
Für McNeill selbst soll der Wechsel nach Schwaben zumindest eine Art sportliche Wiedergeburt sein. Als Europa-Neuling war er 2015 nach Ingolstadt gewechselt und auf Anhieb punktbester Verteidiger der gesamten DEL geworden. In den darauffolgenden Jahren konnte McNeill diesen Status allerdings nicht bestätigen. In der vergangenen Spielzeit brachte er es sogar nur noch auf magere neun Scorerpunkte, zudem verhinderte eine langwierige Knieverletzung die erhoffte Olympiateilnahme mit Team Canada. Die Ingolstädter legten ihm trotz gültigen Vertrags einen Wechsel nahe. "Manchmal braucht man einfach einen Neuanfang", ist der 31-Jährige überzeugt.

Als Augsburgs Trainer Mike Stewart davon Wind bekam, zögerte er nicht lange und lotste den Verteidiger an den Lech. "Er verkörpert genau den Spielertyp, den wir noch gesucht hatten. Er ist ein guter Schlittschuhläufer, der über hohe offensive Qualitäten verfügt und so ein Powerplay lenken kann", lobt Stewart. "Ein wesentlicher Grund für meine Entscheidung pro Augsburg war Mike. Ich kannte ihn von meiner Deutschland-Cup-Teilnahme mit dem kanadischen Nationalteam und wusste, wie er spielen lässt", berichtet McNeill, der im rot-grün-weißen Trikot den nach Berlin abgewanderten Überzahl-Spezialisten Mark Cundari ersetzen soll.

"Wir haben viele Leute mit Geschwindigkeit und guten Händen im Kader. In der Defensive dazu ein paar große und körperlich starke Spieler. Ich glaube, dass wir eine gute Mischung haben", ist McNeill überzeugt. Dazu kommt der in den vergangenen Jahren immer wieder hervorgehobene Teamgeist der Panther, von denen ein Großteil mit dem Fahrrad zum Training kommt: "Wir treffen uns oft zum Essen. Das ist hier ein bisschen einfacher, weil im Vergleich zu Ingolstadt noch nicht so viele Jungs eine Ehefrau oder Kinder haben", berichtet er.

Christoph Ullmann hat beides, trotzdem dürfte der Neuzugang von den Adlern Mannheim über reichlich Zeit für Aktivitäten mit den Teamkollegen verfügen: Frau Nadine und die Kinder Lennox und Lina bleiben in der Kurpfalz wohnen. "Familiär müssen wir uns darauf einstellen, dass wir uns nicht jeden Tag beim Frühstück sehen. Aber dank der multimedialen Mittel kann man beim Abendbrot trotzdem zusammensein, ohne gemeinsam am Tisch zu sitzen", sagt der 35-jährige Ullmann, dem die Adler nach insgesamt zwölf Jahren keinen neuen Vertrag mehr angeboten hatten. "Es war nicht einfach, nach so langer Zeit Abschied zu nehmen, aber ich habe mich auch riesig auf die neue Herausforderung gefreut", sagt der 35-jährige Ex-Nationalspieler.

Beim Titelkandidaten Mannheim musste Ullmann in der abgelaufenen Saison entweder in der vierten Sturmreihe ran oder sogar als überzähliger Spieler auf der Tribüne Platz nehmen, bei den etwas weniger ambitionierten Augsburgern soll der dreimalige Deutsche Meister und zehnmalige WM-Teilnehmer eine Führungsfigur werden. Passend dazu ernannte ihn Trainer Stewart in Absprache mit der Mannschaft gleich zum Vizekapitän - durchaus ungewöhnlich für einen Neuzugang. "Das ehrt mich sehr, und ich möchte der Rolle gerecht werden", sagt Ullmann. In Augsburg soll der gebürtige Altöttinger seine Qualitäten als Spielmacher und Torjäger wieder stärker einbringen. "Es ist bei uns aber jeder herzlich eingeladen, Punkte zu machen und Tore zu schießen", sagt Ullmann und schmunzelt.

In der Saisonvorbereitung klappte das schon recht ordentlich: Mit klaren Erfolgen gegen den EBEL-Meister HC Bozen und den Schweizer Spitzenklub EV Zug sicherten sich die Augsburger den Triumph beim Dolomiten-Cup in Südtirol. "Das Turnier hat unglaublich viel Spaß gemacht. Es war nicht nur sportlich ein schönes Wochenende, wir haben auch als Mannschaft gut zusammengefunden", berichtet Ullmann.

Das bestätigt auch McNeill: "Wir ziehen alle an einem Strang. Jetzt wollen wir den Schwung der Vorbereitung mit in die Saison nehmen." Das wird nicht leicht: Zum Auftakt am Freitag wartet das Auswärtsspiel bei den Kölner Haien, ehe am Sonntag Ullmanns Ex-Klub Mannheim ins Curt-Frenzel-Stadion kommt. "Ich freue mich auf unser erstes Heimspiel, weil die Kulisse in Augsburg immer eine besondere ist. Dass der Gegner Mannheim heißt, ist für mich natürlich etwas Besonderes", sagt er und schickt gleich eine Kampfansage an sein altes Team hinterher: "Wir winken die Top-Teams nicht durch und warten auf diejenigen, mit denen wir uns auf Augenhöhe sehen."
 

DIE MANNSCHAFT

TOR
Olivier Roy, 
Markus Keller (Kassel Huskies/DEL2).

ABWEHR
Brady Lamb, Arvids 
Rekis, Simon Sezemsky, 
Steffen Tölzer, Scott 
Valentine, John Rogl 
(Adler Mannheim), 
Patrick McNeill 
(ERC Ingolstadt),  Henry 
Haase (Düsseldorfer EG). 

ANGRIFF
Hans  Detsch, Jaroslav Hafenrichter,  Thomas Holzmann, Drew 
LeBlanc, Daniel Schmölz,  Marco 
Sternheimer,  David 
Stieler, T.J. Trevelyan,  Matt White,  Matt Fraser (Dornbirner EC/AUT),  Christoph Ullmann 
(Adler Mannheim), Adam Payerl 
(Providenc Bruins/AHL),  Sahir Gill (Rochester Americans/AHL), 
Tim Bullnheimer 
(eigene Jugend). 

TRAINER Mike Stewart.

(bei Neuzugängen letzter Verein in Klammern).