Sein erstes Profi-Spiel


Ingolstadt: 700 Spiele und kein bisschen müde
 
Ingolstadt
Während der Play-offs in der letzten Bundesligasaison 1993/94 holte mich der damalige Landshuter Trainer Bernie Johnston ins Team. Ich war 17 Jahre alt und spielte bei den Junioren meistens Stürmer. Da sagte mir Johnston vor dem letzten Spiel in Köln, ich solle mich bereit halten. Ich durfte also gleich in einem Play-off-Viertelfinale ein paar Mal aufs Eis. Das war natürlich ein Riesenerlebnis, obwohl wir verloren haben.

 

 

Sein größter Erfolg in der DEL


Das war ohne Zweifel das Jahr in Mannheim, als wir 2007 Meister und Pokalsieger wurden. Ich war zwar nach einem Riss des Syndesmosebandes lange verletzt und es war schwierig, in die Mannschaft zu kommen, aber ich war dann doch voll dabei.

 

 

Sein Verhältnis zu Meistertrainer Poss


ERC Ingolstadt - Eisbaeren Berlin
Stephan Retzer und seine Panther kämpften um jeden Puck.
Oliver Strisch
Ingolstadt
Poss war recht umstritten. Aber ich fand ihn einen sehr guten Trainer, auch wenn er polarisiert hat und für manche durchgeknallt war. Er hat eben sehr viel Wert auf Disziplin gelegt. Das fing schon bei der Mannschaftskleidung an, da musste alles genau passen. Aber ich finde das vollkommen richtig, dass einer klar den Ton angibt, auch wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt.
 

 

Seine Förderer


Das war die Mannschaft von Landshut. Da habe ich als 18-Jähriger mit Größen wir Udo Kießling, Helmut Steiger, Markus Berwanger, Schorsch Franz oder Tobi Abstreiter zusammengespielt. Das waren für mich absolute Vorbilder, nicht nur als Spieler, sondern auch als Menschen.

 

 

Sein schlimmster Anschiss


Ehrlich, da fällt mir keiner ein. Ich glaube, die Trainer haben immer honoriert, dass ich versucht habe, meine Leistung zu bringen. Gut, der Hans Zach war schon hart. Da hat man schon weiche Knie bekommen, wenn man im Training einen Fehlpass gespielt hat. Aber er hat’s immer gut gemeint.

 

 

Sein 700. DEL-Spiel


Das ist schon etwas Besonderes, wenn man sich so lange in der DEL halten kann. Natürlich habe ich auch Glück gehabt, dass ich mit einem Kreuzband- und Syndesmosebandriss nur zwei schwere Verletzungen hatte, aber ich kann schon auch stolz sein.
 

 

Sein Umweg über die 2. Liga


Stephan Retzer ERC Ingolstadt
Stephan Retzer, ERC Ingolstadt
Webel
Ingolstadt
Nach dem Bosman-Urteil war für Deutsche kaum noch Platz in der DEL. Da habe ich mich schon gefragt, ob es das alles Wert ist. Also habe ich mir gesagt, ich probiere es anders und ging 1997 nach Erding. Da war ich dann mit 21 Jahren Kapitän, habe in jedem Match 40 Minuten gespielt – als Stürmer und Verteidiger – und habe nebenher meine Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht.

 

 

Seine Karriere in der Nationalmannschaft


Hans Zach brachte mich 2001 als Verteidiger zurück in die DEL und holte mich mit 24 Jahren zu den Kassel Huskies und zwei Jahre später auch in die Nationalmannschaft. Meine erste WM 2003 in Finnland war gleichzeitig die schönste. Wir kamen ins Viertelfinale und unterlagen Kanada erst in der Verlängerung mit 2:3.

 

 

Seine eindrucksvollsten Teamkameraden


Unvergesslich ist mir ein Spiel in Landshut. Während des Streiks in der NHL 1994/95 spielte Pawel Bure eine Begegnung bei uns und ich durfte mit ihm und Mike Bullard in einer Reihe spielen. Das war natürlich eine ganz andere Kategorie. Bure erzielte gleich drei Tore.

 

 

Sein Bruder Christian


Die drei gemeinsamen Jahre mit ihm in Kassel waren die schönste Zeit meiner Karriere. Wir haben Tür an Tür gewohnt und viel miteinander unternommen. Schade, dass er sich von seinem Kreuzbandriss nie wieder ganz erholt hat. Heute spielt er in Deggendorf und studiert Maschinenbau.

 

 

Seine Hobbys


Ich reise, lese und koche gerne. Als ich mit 17 Jahren von Deggendorf nach Landshut in meine erste eigene Wohnung zog, musste ich schauen, was ich am Herd zusammenbringe. Das hat sich zu einer Leidenschaft entwickelt. Mittlerweile habe ich mehr Erfolge als Fehlversuche. Ein Lieblingsgericht habe ich nicht, ich probiere immer wieder gerne etwas Neues aus. Und dann liebe ich Weine.

 

 

Seine Zukunftspläne


Ingolstadt wird meine letzte Station, ob ich jetzt noch ein Jahr weiterspiele oder nicht. Meine Freundin Cindy und ich sind schon am planen. Ein Haus, Familie, sesshaft werden. Das Wanderleben ist nicht meine Welt, darum will ich auch kein Trainer werden. Eine Praxis als Physiotherapeut ist mein Ziel. Ich kenne ja Verletzungen aus eigener Erfahrung und weiß, was hilft. Möglicherweise bleiben wir in Ingolstadt, da kennen wir schon viele Leute. Aber auch Hamburg wäre eine tolle Stadt. Da hat es mir am besten gefallen.