WM-Silber
Der Doppelvierer-Team jubelt über WM-Silber.
Darko Vojinovic
Plowdiw

Schon bei der Siegerehrung kehrte das Lächeln zurück. Die Freude im Frauen-Doppelvierer über Silber war am Ende größer als der Frust über das verlorene Gold.

Mit großer Deutschland-Fahne ließ sich die Crew von den Zuschauern für ihren zweiten Rang hinter Polen feiern und posierte anschließend noch lächelnd für ein Foto mit Thomas Bach. „Sie haben Silber genossen wie Gold. Das haben sie sich verdient“, kommentierte der beeindruckte IOC-Präsident. Teammitglied Franziska Kampmann (Waltrop) pflichtete dem prominenten Tribünengast bei: „Auch die Silbermedaille glänzt schön. Wir haben alles gegeben.“

An fehlendem Engagement lag es wahrlich nicht, dass die Weltcup- Siegerinnen ihrer Favoritenrolle nicht gerecht wurden. Völlig entkräftet und mit sichtlichen Kreislaufproblemen legten sie am Siegersteg an und rangen noch Minuten später nach Luft. „Wir sind einen Hammer-Endspurt gefahren“, sagte Schlagfrau Frieda Hämmerling, die sich noch im Vorjahr mit Rang vier hatte begnügen müssen. Erleichtert fügte die Kielerin an: „Eine Medaille musste es diesmal schon sein. Sonst wäre ich nicht zufrieden gewesen.“

Wie im Halbfinale erwies sich der Rivale aus Polen als zu stark und lag im Ziel eine knappe Bootslänge vorn. „Das muss man eingestehen. Gegen die Polinnen war bei dieser Regatta einfach kein Kraut gewachsen“, befand Marie-Cathérine Arnold aus Hannover. Mit letzter Kraft wehrte die DRV-Crew die Angriffe der Boote aus den Niederlanden und China ab und rettete einen knappen Vorsprung ins Ziel.

Dagegen blieb dem Vierer ohne Steuermann die erhoffte Medaille verwehrt. Das Team vom Stützpunkt in Dortmund war im Endlauf chancenlos und kam nicht über Rang sechs hinaus.

Am Sonntag gehen weitere vier deutsche Boote in den Kampf um Medaillen. Als wohl größte deutsche Hoffnung gilt der Achter, der schon bei der WM in Florida vor einem Jahr für das einzige DRV-Gold gesorgt hatte. Allerdings scheint die Konkurrenz dem Titelverteidiger näher gekommen zu sein. Sowohl die Amerikaner als auch die Australier waren im zweiten Vorlauf am Mittwoch schneller als die Deutschen.

„Hier gilt es, auf den Punkt hundertprozentig fit zu sein und bis auf die Ziellinie um jeden Meter zu kämpfen“, sagte Crewmitglied Johannes Weißenfeld (Herdecke). Auch Steuermann Martin Sauer (Berlin) erwartet am Sonntag (15.15 Uhr/MESZ) einen spannenden WM-Showdown: „Das wird ein enges Finale.“

Ähnlich knapp dürfte es im Einer zugehen. Nach seinem zweiten Rang im Halbfinale hinter Weltmeister Ondrej Synek (Tschechien) gilt Shooting-Star Oliver Zeidler als Medaillenaspirant. Der 22 Jahre alte einstige Leistungsschwimmer aus Ingolstadt, der erst vor knapp zwei Jahren erste Versuche im Skiff gestartet hatte, will dem Ruder- Märchen ein weiteres Kapitel hinzufügen: „Ich habe mein Saisonziel mit dem Finale erfüllt, der Druck ist jetzt abgefallen. Aber mit einer Medaille liebäugel' ich schon.“