An diesem Wochenende geht die DTM-Saison zuende. Die Meisterschaft ist noch offen. Wir blicken zurück auf das, was die Motorsportfans in dieser Saison alles bewegt hat und auf die lange Historie von Aussteiger Mercedes.

DAS SAISONFINALE


Aus- und Einstieg: Mit Mercedes steigt der treueste DTM-Hersteller nach 30 Jahren in der einst besten Tourenwagenserie der Welt zum Saisonende aus. Audi und BMW machen weiter und erhalten Verstärkung. Pünktlich zum Saisonfinale gab es das erhoffte Happy-End: Aston Martin steigt ein und wird bereits ab 2019 seine Autos an den Start bringen.

Routinier: Erstmals seit 17 Jahren fehlte Mattias Ekström. Das schwedische Abt-Sportsline- und Audi-Sport-Urgestein hatte der DTM Ende 2017 ade gesagt und konzentriert sich auf die Rallye-Cross-WM (derzeit Gesamtzweiter).

Aufholjagd: Audi-Pilot Rast, 2017 in seiner ersten kompletten DTM-Saison Überraschungsmeister, fährt (wie seine fünf Markenkollegen) am Anfang der Saison im Nirgendwo und startet sechs Rennen vor Schluss eine fabelhafte Aufholjagd. Man möchte seinen Augen nicht trauen.

Ehrgeiz: Mercedes hat die ganze Saison gezeigt: Die Schwaben wollen sich mit dem Titel verabschieden. Und wenn Rast in Hockenheim keine Wunder vollbringt und die Konkurrenten gleichzeitig Fehler machen, geht der Titel an Mercedes.

Mittelfeld: Und BMW? Irgendwie ist die zweite Saisonhälfte an den Münchnern vorbeigefahren. Der zweifache DTM-Champ Marco Wittmann (Fürth) ist Vierter, der ehemalige Formel-1-Pilot Timo Glock (Lindenfels) Sechster. Publikumsliebling Glock lag zu Beginn des Jahres gut im Rennen. Ins Badische kommen die zwei BMW-Piloten aber ohne Titelchance.

Titelkampf: "Nach dem für uns schwierigen Saisonauftakt haben wir nicht damit gerechnet, am Ende doch noch um die Meisterschaft zu kämpfen", ist Audi-Sportchef Dieter Gass ehrlich. "Dass wir noch im Rennen sind, verdanken wir Rene und vor allem unserer Mannschaft, die in dieser Saison nie aufgegeben hat." Rast, der seinen Titel natürlich gern verteidigen würde, gibt sich als Mann der Stunde (die vier vergangenen Rennen hat er gewonnen) kämpferisch: "Ich habe im Grunde nichts zu verlieren, daher gilt die Devise voller Angriff." Di Resta hat bislang 229 Punkte gesammelt, Paffett 225. Rast steht bei 199. Maximal 56 Punkte kann man in Hockenheim noch sammeln - 25 für einen Sieg, 3 für die Pole Position, die im Qualifying ermittelt wird. Rechnerisch die besten Chancen besitzen also klar di Resta und Paffett: Der Schotte di Resta will "sein Bestes geben", freut sich "auf einen fairen Kampf" und hofft darauf, dass "wir am Sonntag alle zusammen feiern können". Der Brite Paffett ist "heiß auf das Wochenende", sagt einen "wahnsinnig engen Fight" voraus und gibt ganz den Teamplayer: "Das Wichtigste ist, dass wir den Titel für Mercedes gewinnen."

Punkte: Klar ist: Sammelt di Resta 27 Punkte, kann Rast ihn nicht überholen, selbst wenn er beide Rennen gewinnt und im Qualifying zweimal Schnellster ist. Paffett braucht 31 Punkte, um Rast auf jeden Fall auf Distanz halten zu können. Das bedeutet Spannung. Auf jeden Fall am Samstag (Start Samstag und Sonntag 13.30 Uhr), wenn für Hockenheim sommerliche Temperaturen um 25 Grad erwartet werden. Und vielleicht auch noch am Sonntag, wenn Rast das Titelrennen offen halten kann.

Warten wir es ab, wieviele Zuschauer ins Motodrom kommen - zum Abschied von Mercedes. Apropos Abschied: Die sechs Audi RS5 DTM starten mit dem Schriftzug "See you", wobei das "o" aus einem Stern besteht. Die DTM wird Mercedes vermissen, 30 Jahre haben Spuren hinterlassen, bei Fans, Fahrern, Teams.


AUSSTEIGER MERCEDES


Rennpremiere: Erstes Rennen nach dem Werkseinstieg: 3. April 1988 in Zolder (Jörg van Ommen wird Dritter).

Erster DTM-Sieg: Dany Snoebeck (Nürburgring 1988), erster Werkssieg: Johnny Cecotto (Avus 1988).

Legendäre Fahrer: Wir erinnern uns (oder auch nicht mehr) an ein paar Fahrer, die auch für Mercedes in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft gestartet sind: Franz Klammer, Bob Wolleck, Jean-Louis Schlesser, Manuel Reuter, Karl Wendlinger, Michael Schumacher, Jochen Mass, Keke Rosberg, Dario Franchitti, Pedro Lamy, Jean Alesi, Bernd Mayländer, Susie Stoddart, Markus Winkelhock, Mika Häkkinen, Ralf Schumacher oder auch David Coulthard.

Hockenheim: Mercedes hat in Hockenheim schon 35 Sieger gefeiert. Bester Fahrer: Paffett (5 Siege).

Erster Titel: Den ersten Fahrertitel holt 1992 Klaus Ludwig.

Rekordsieger: Bernd Schneider ist mit fünf Titeln der DTM-Champ schlechthin. Er gewinnt 43 Rennen.

Punkte: Bisher hat Mercedes in der DTM - schön, dass die Schwaben es ausgerechnet haben - nur in den Rennen 14876,5 Punkte gesammelt.

Fahrertitel: Zehn Fahrertitel gingen nach Stuttgart: Neben Schneider (5) waren es Ludwig (2), Paffett, di Resta und Pascal Wehrlein.

Rahmenprogramm: Das DTM-Finale in Hockenheim verspricht nicht nur ein spannendes zu werden, sondern auch ein kurzweiliges: Neben der Entscheidung in der DTM lockt ein Legenden-Korso zum Mercedes-Abschied, Mick Schumacher fährt auf Formel-3-Titelkurs und die Tourenwagen-Classics erinnern an frühere, wilde DTM-Tage.