Erleichterung: Den Einzug ins Achtelfinale der Champions League machten die Bayern-Profis durch einen erneut glanzlosen Sieg gegen AEK Athen fast perfekt.
Erleichterung: Den Einzug ins Achtelfinale der Champions League machten die Bayern-Profis durch einen erneut glanzlosen Sieg gegen AEK Athen fast perfekt.
Balk/dpa
München
Immerhin, Uli Hoeneß redete wieder. Und seine Gesichtsfärbung dabei: deutlich weniger rot als bei vergleichbaren Anlässen zuvor. Ja, sogar ein Lächeln huschte dem FCB-Präsidenten hin und wieder über das Gesicht. Sieht so ein Funktionär aus, der unzufrieden ist? Der sich große Sorgen um seinen Klub macht? Wohl kaum.

Hoeneß versuchte nach dem Rumpelsieg gegen die harmlosen Griechen einfach mal, so etwas wie gute Laune zu verbreiten - zumindest in dem Rahmen, wie er es kann. Natürlich durfte da die eine oder andere Spitze in Richtung Medien nicht fehlen. "Seid doch nicht alle immer so negativ", so seine Aufforderung an die anwesenden Journalisten. "Unsere Mannschaft befindet sich im Umbruch, und wir haben einen jungen Trainer, der sich hier erst reinarbeiten muss. Da muss man eben auch mal ein bisschen Geduld aufbringen."

Zugegeben, das hörte sich irgendwie nett an. Nur was meinte der 66-Jährige genau mit Umbruch? Die Münchner Startelf vom Mittwochabend wies ein Durchschnittsalter von 28,18 Jahren pro Akteur auf. Darin enthaltene Neuzugänge im Vergleich zur Saison 2017/18: lediglich zwei.

Ein Stück weit merkte Hoeneß wohl selbst, dass er sich mit vorherigen Aussagen ein bisschen vergaloppiert hatte. Also musste eine Ablenkung her, eine zumindest kleine Flucht nach vorne: "Vor vier Wochen haben Sie sich alle beschwert, dass die Bundesliga wieder langweilig wird. Jetzt ist sie nicht mehr langweilig, sondern spannend, und das ist Ihnen auch nicht recht. Irgendwann sollten Sie sich mal darauf verständigen, was Sie eigentlich wollen. Wir erfüllen Ihnen doch gerade jeden Gefallen."

Die Schwächephase der Münchner in diesem Herbst folglich fast schon ein Akt der Nächstenliebe? Die Bayern plötzlich die Gutmenschen des deutschen Fußballs? "Wir sind nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt", sagte der Vereinspräsident mit freundlicher Miene. "Die Meisterschaft würden wir immer gerne gewinnen, aber wenn es mal nicht so ist, wird der FC Bayern auch nicht untergehen."

Das gute, alte Mia-san-Mia-Auftreten beim FCB - komplett weg, verflogen. Zumindest offiziell. Stattdessen Bescheidenheit pur, auch im Hinblick auf das Bundesliga-Duell am Samstagabend gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund. "Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter. Wir müssen schauen, dass wir dort ein gutes Spiel machen - und dann schauen wir einfach mal, was rauskommt", meinte Hoeneß allen Ernstes - ohne verbale Spitze in Richtung Westfalen, ohne die Schwarzgelben dort zumindest ein bisschen verunsichern zu wollen.

Altersmilde beim 66-Jährigen? Oder doch die blanke Berechnung? Er weiß nur zu gut: Sollte das im Signal-Iduna-Park schief gehen und die Bayern beim BVB verlieren, würde die Kritik an Trainer Niko Kovac nochmals an Schärfe zunehmen. Und den Kroaten möchte Hoeneß auf keinen Fall opfern müssen. "Ich hatte ja schon einmal gesagt, dass ich ihn bis aufs Blut verteidige - und daran hat sich nichts geändert. Meine Aussagen gelten nicht immer nur für zwei, drei Wochen."

Daher war es fast schon logisch, dass der Klubchef auch eine höchst exklusive Meinung zum Auftritt der Bayern gegen AEK Athen hatte: "Ich bin ein sehr kritischer Mensch, aber in der zweiten Halbzeit haben wir guten Fußball gezeigt", meinte Hoeneß. Der Rest der Anwesenden, darunter selbst leitende Angestellte bei den Münchnern, sah es nicht ganz so positiv. "Dass man momentan nicht die Superbayern sieht, dass es kein Feuerwerk von uns gibt, das wissen wir selbst", meinte beispielsweise Kapitän Manuel Neuer. Es sei aktuell sehr wohl "eine schwierige Zeit" beim deutschen Rekordmeister. "Wir müssen alles erkämpfen und erarbeiten, bekommen nichts geschenkt", meinte der Torhüter. Robert Lewandowski, der Doppeltorschütze gegen Athen, bittet deshalb um etwas Geduld: "In der Tat läuft's gerade nicht so, wie wir das alle möchten. Wir müssen zunächst mal kleine Schritte machen."

Und dementsprechend gar als Außenseiter nach Dortmund fahren? "Nein, das denke ich nicht", sagte Neuer fast schon erschrocken - und im Widerspruch zu Hoeneß. "Wir müssen uns dort nicht verstecken."