19er Alu mit Waldemar Hartmann
In Plauderlaune: Sportmoderator Waldemar Hartmann (rechts) im alten DK-Forum im Gespräch mit Bernhard Schilling, Lars Wilhelm und Tom Heindl (von links) von 19er Alu.
Wolfgang Friedl
Im ersten von drei Blöcken dreht sich alles um zwei bayerische Fußballvereine: den FC Ingolstadt und den FC Bayern München. Den Schanzern bescheinigt Hartmann, dass sie Fußball spielen können. Ralph Hasenhüttl als neuer Trainer sei eine gute Entscheidung, "weil er die Zweite Liga kennt". Mit seinem Vorgänger Marco Kurz dagegen konnte Hartmann wenig anfangen. Er spricht von einem "peniblen Trainer, der viel Ahnung vom Fußball hat - aber freudlos durchs Leben geht" und vergleicht ihn mit dem einstigen Bundestrainer Berti Vogts. "Bei der WM 1994 hieß es, wenn Berti kommt, geht der Spaß." Dass dem FC Ingolstadt noch lange das ungeliebte Etikett einer Werkself anhaften wird, glaubt Hartmann nicht. Das sei in Wolfsburg in dem Moment egal gewesen, als der VfL Meister wurde, und auch in Leverkusen werde heute kaum noch die Verbindung zur Bayer AG hergestellt. Audi indes, so glaubt Hartmann, hat einen Masterplan. 
 
In der Bundesliga befürchtet der seit Völlers Wutrede zu Kultehren aufgestiegene Hartmann eine "Hollandisierung der Liga" - dass es zu einem langweiligen Zweikampf nur zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund hinausläuft. Er, der auch heute noch als profunder Kenner des Rekordmeisters gilt, sieht bei den Münchnern "viel Potenzial für einen Krach". Beispielsweise in Person von Bastian Schweinsteiger, "der jetzt merkt, dass es um seinen Sechser geht". Trainer Pep Guardiola sei nichts heilig, der stelle "seinen Xavi" Philipp Lahm auf diese so wichtige Position, und der Bayern- und Nationalmannschaftskapitän spiele diese Rolle gut. 
 
 

 
Die deutsche Nationalmannschaft ist das Thema des Mittelblocks. Hartmann spricht, frei von allen Zwängen, frei von der Leber weg. An Bundestrainer Jogi Löw störe ihn, "dass er so tut, als hätte er den Nationalspielern das Fußballspielen beigebracht". Ein Problem sei, dass man lauter Sechser, Achter und Zehner, jedoch keine Zweier und Dreier mehr im Kader habe - "keiner will mehr Außenverteidiger spielen". Hartmann sieht ein Sturmproblem auf Löw zukommen. Thomas Müller hätte gut in der Mitte gespielt, aber Löw wolle was Anderes, "weil Guardiola das erfunden hat". Einer der Topfavoriten bei der WM 2014 in Brasilien sei der Gastgeber, "die haben eine richtig geile Truppe". 
 

Matthäus auf Platz eins der Alimentenliga

 
Äußest amüsant geraten Hartmanns Erinnerungen an die Europameisterschaft 1996 in England in einer Zeit, "als Fotoapparate noch nicht telefonieren konnten" und ein Anruf bei "Auge" reichte, wenn man etwas von ihm wissen wollte. Kein Blatt vor den Mund nimmt "Waldi" in Sachen Lothar Matthäus. Für ihn ist der deutsche Rekordnationalspieler "eine tragische Figur", dessen Darstellung sein Problem sei. "Wenn ich Lothar sehe, denke ich gleichzeitig an einen ukrainischen Hungerhaken, der jetzt gleich a seiner Seite auftauchen könnte", sagt Hartmann. Und nach vier Scheidungen hätte Matthäus, den Mehmet Scholl als seinen "besten Mitspieler auf der Wiese" bezeichnete, auch noch den "Gas-Gerd" und Joschka von Platz eins der Alimentenliga weggehauen.
 
 

 
Bevor man in den dritten Block schaut, sollte man sich noch einmal genüsslich den Disput vom 6. September 2003 zwischen Waldemar Hartmann und dem damaligen Teamchef Rudi Völler zu Gemüte führen. Vorangegangen war ein wirklich desaströser Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in Island und die daraus resultierende harsche Kritik des ARD-Gespanns Delling/Netzer. 
 


"Ich merkte, dass Rudis Hals immer dicker wurde", plaudert Hartmann. "Ich saß da und hab mir gedacht: Ist das geil!". Als 1998 in Madrid ein Tor umgefallen war und das RTL-Duo Reif und Jauch daraus eine Grimmepreis-gekrönte Show zelebrierten, saß er vorm Fernseher. "Bei Rudi hab ich mir gedacht: Das ist mein Tor", sagt Hartmann. Der Moderator bezeichnet Völler als Freund. Er war als einziger Journalist zu seinem 50. Geburtstag vor drei Jahren eingeladen. "Wenn Rudi und ich uns sehen, geht der Deckel auf mich", sagt Hartmann. Den Vertrag mit einem bayerischen Bierproduzenten bezeichnet der Kommentator als Rentenvertrag. "So ein Vertrag macht einen schmerzfrei. Drum konnte ich der ARD ja sagen, ihr könnt mich mal kreuzweise." 
 
Zum Schluss spricht Hartmann über das Geheimnis seiner Popularität ("Das hat mit Glaubwürdigkeit zu tun"), über einstige Fußballer, mit denen er heute noch einen guten Kontakt hat (Jeremies, Ziege, Dorfner, Schwabl, Kögl), Vorbilder (Oskar Klose und sein einstiger BR-Sportchef Eberhard Stanjek), über die wunderbaren Olympischen Winterspiele in Lillehammer und die ebenso begeisternde Fußball-WM in Italien, über seine "extrem jüngere Frau" ("Die hab ich quasi schon als Pflegerin geheiratet") und seine Wünsche für den deutschen Fußball. Dass einer davon der Gewinn des WM-Titels im kommenden Jahr ist, versteht sich von selbst - auch wenn Hartmann skeptisch ist.