19er Alu mit Ronald Reng
Von links: Bernhard Schilling, Ronald Reng, Holger "Holle" Britzius, Lars Wilhelm
Tom Webel
Zwölf Jahre verbrachte Reng in Spanien - der 43-Jährige gilt als exzellenter Kenner des gefragtesten Fußballtrainers auf diesem Planeten. "Pep Guardiola hat den FC Bayern in ein völlig neues taktisches Konzept gepresst", sagt er über den Spanier und langjährigen Trainer des FC Barcelona. Er zwinge die Spieler dazu, langsam zu spielen, sich im Spiel zu regenerieren. "Guardiola würde auch in Ingolstadt riesige Erfolge feiern", ist sich Reng sicher. Im ersten Block der Sendung spricht der bekennende Eintracht-Fan zudem über Frankfurts Coach Armin Veh ("Macht der irgendwas, außer rumzustehen wie Clint Eastwood?"), die deutsche WM-Gruppe ("Das sind nicht die Mannschaften, die man mit aller Macht im Halbfinale erwartet") und auch über den FC Ingolstadt. Reng glaubt, dass ein ehemaliger Bundesligaspieler bei den Schanzern durchaus bis zu 20.000 Euro im Monat verdienen kann.

 


Im zweiten Block plaudert Reng über seine Anfänge als Journalist. Mit 13 begann er, für Lokalzeitungen zu schreiben. Mitte der neunziger Jahre lehnte er eine Anstellung bei der "Süddeutschen Zeitung" ab und ging stattdessen als freier Autor nach England. Er hätte es nicht besser erwischen können, denn damals standen deutsche Kicker wie Hamann, Ziege und Babbel auf der Insel hoch im Kurs. "Es gab noch kein Internet, also konnte ich einen Text an 20 Zeitungen verkaufen", sagt Reng. Er stieß auf den Torhüter Lars Leese, der beim englischen Erstligaaufsteiger FC Barnsley die Nummer zwei war. Leeses große Stunde schlug, als sich die Nummer Eins verletzte und der Rheinländer seiner Mannschaft den sensationellen 1:0-Sieg an der Anfield Road in Liverpool festhielt.

Ronald Reng schrieb den "Traumhüter" - und war plötzlich selbst wer. 2004 wurde der Roman in Großbritannien als erstes ausländisches Buch mit dem Sports Book of the Year Award in der Kategorie Biografie ausgezeichnet. Im Mittelblock erfährt der deutsche Fußballfan, warum es in England zwar bedeutend lustiger zugeht (Didi Hamanns Weihnachtsgeschenk und die Sache mit den Stripperinnen bei der Weihnachtsfeier), er sich im Gegensatz zu den Fans auf der Insel ein gepflegtes Fußballspiel aber noch leisten kann.

 


Rengs Frau gefiel's auf der Insel nicht mehr, also ging's nach Spanien. Der mittlerweile profilierte Fußballautor - seine Biografie über den einstigen Nationaltorhüter Robert Enke, die er mit dessen Witwe verfasste, machte ihn auch über den Sportbereich hinaus bekannt - sollte ein Buch über 50 Jahre Bundesliga schreiben. Er hatte kein gesteigertes Interesse daran. Bis, das erzählt er im dritten Block, eines Tages sein Telefon in Barcelona klingelte. Am anderen Ende der Leitung war Heinz Höher, als Profi ein Kind der ersten Stunde der Bundesliga, später Trainer in Bochum, Duisburg, Düsseldorf und natürlich beim 1. FC Nürnberg, wo er eine Spielerrevolte überstand und statt seiner ein paar Profis gehen mussten.

100 Tonbänder voll mit Interviews galt es abzutippen, 16 Monate schrieb Ronald Reng an seinem Buch "Spieltage: Die andere Geschichte der Bundesliga". Es hat sich erneut gelohnt: "Spieltage" wurde in diesem Jahr von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur als Fußballbuch des Jahres ausgezeichnet. Es geht um amüsante Anekdoten, wie jene, die erzählt, wie Höher 1976 als Trainer des VfL Bochum eigenhändig ein Stadion vereist hat, damit das Spiel gegen Schalke 04 ausfiel. Es geht aber auch darum, wie der Fußball in Deutschland früher war, als er noch keine Millionen-Euro-schweren Entertainment-Industrie war. Zum Beispiel, als sich Höher per Brief für einen Job beim FC Bayern München bewarb.